Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Gral in Wolframs Roman Parzival. Der Gral ist ein Edelstein, der zwei Namen besitzt. Zum einen grâl( daz was ein dinc, daz hiez der Grâl (235,23)) und zum anderen lapsit exillis (er heizet lapsit exillis (469,7)). Dieser Artikel versucht einige Forschungsansätze in Bezug auf den Namen lapsit exillis aufzuzeigen.

Forschungsstand

Die Bedeutung von lapsit exillis (469,7)[1] war für die Forschung eine der größten Herausforderungen und ist bis heue umstritten. Es wurden viele Spekulationen aufgestellt und auch die mittelalterlichen Schreiber wussten mit diesem Begriff nichts anzufangen. Laut Nellmann (2000) sind zehn verschiedene Lesarten in der handschriftlichen Überlieferung vorhanden, von denen jedoch lapsit exillis die älteste zu sein scheint. [Dallapiazza 2009]:S.88.

Interpretationen

Meistens ließ man sich von der Überzeugung leiten, dass lapsit exillis geradezu das Schlüsselwort zum Verständnis von Wolframs Gralkonzeption sei und dass man durch die richtige Deutung des Namens das Geheimnis des Gralsteines enthüllen könnte. Einige Interpreten sind davan ausgegangen, dass es sich um einen ursprünglich sinnvollen Text handelte, der von Wolfram entstellt oder verschlüsselt worden ist.[Bumke 2004]:S. 139. Dennoch hat der Großteil der Interpreten lapsit als lapis gelesen, was Stein bedeutet. Dies ist jedoch nicht selbstverständlich, da auch eine phantasie- und ebenso eine absichtsvolle Verrätselung Wolframs nicht ausgeschlossen ist. Dennoch haben die meisten Interpreten an einen lateinischen Ursprung gedacht und somit war der nächstliegende Anknüpfungspunkt die Deutung von lapsit=lapis. Auf dieser Basis wurden folgende Interpretationen vorgeschlagen:[Dallapiazza 2009]:S.88.



1. San Marte (Albert Schulz) deutete im Jahre 1861 Wolframs Namen als lapis erilis, also als Stein des Herrn.


2. Rudolf Palgen interpretierte 1922 lapis elixir als Stein der Weisen.


3. Samuel Singer interpretierte lapis ex celis als „der aus dem Himmel stammende Stein“.


4. Helene Adolf deute 1957 lapis exiliens als „der auffahrende Stein“.


5. 1963 deutete Hebert Kolb lapis exilis als Stein des Exils.


6. Blöte interpretierte lapis textilis als „der Asbeststein“. [Bumke 2004]:S.66.


7. Ehrismann hat im Jahre 1928 darauf hingewiesen, dass der berühmte, aus dem irdischen Paradies stammende Wunderstein der mittelalterlichen Alexandersage in der lateinischen Überlieferung des Iter ad paradisum mit dem Beiwort exilis „dünn, unscheinbar“ bezeichnet wird. Somit deutet Ehrismann das lapsit exillis der Parzivalüberlieferung als lapis exilisund deutet darauf hin, dass Wolfram bei diesem Namen an Alexanders Wunderstein angeknüpft hat. [Ranke 1946]:S. 43ff.

Friedrich Rankes Deutung des Gralsteines gehört zu den einflussreichsten Überlegungen der Nachkriegszeit. Ranke wendet sich gegen die verbreitete Auffassung, dass der Gral aus dem Himmel kommt. Als Begründung führt er an, dass sich keine eindeutigen Textstellen finden lassen, die diese Auffassung untermauern könnten. Somit werden zahlreiche Interpretationen des Namens lapsit exillis gegenstandslos. Ranke teilt vielmehr Ehrismanns Ansicht und führt Ehrismanns Interpretationsansätze weiter aus. So sieht Ranke Parallelen zwischen dem Stein, den Alexander an der Pforte des Paradieses erhält und dem Gral im Parzival. Alexanders Verdienst des Steines stellt ein Symbol der demütigen Selbsterkenntnis des Menschen dar und er bewirkt in Alexander die Wandlung von der Superbia zur Demut. Ebenso muss Parzival die hôchvart aufgeben und die diemüete lernen. Erst dann ist er in der Lage den Gral zu gewinnen, der somit als "Stein der Demut" verstanden werden kann. [Bumke 1970]:S. 250ff.

Nicht eine einzige der vorgelegten Interpretationsmöglichkeiten ist eindeutig belegbar. Es handelt sich hierbei ausschließlich um reine Spekulationen. So ist der Name lapsit exillis womöglich ein bewusst verdrehter und vieldeutiger Name, sodass die Suche nach einem präzisen Sinn sich erübrigt. [Bumke 2004]:S. 66.

Literaturnachweise

  1. Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der 'Parzival'-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.

[Dallapiazza 2009] ^ 1 2 Dallapiazza, Michael:Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009.

[Bumke 2004] ^ 1 2 3 Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004. [Ranke 1946] ^Ranke, Friedrich: Zur Symbolik des Grals bei Wolfram von Eschenbach, in: Wolfram von Eschenbach. Wege der Forschung. Darmstadt, 1966. [Bumke 1970] ^Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Forschung seit 1945. München, 1970.