Elizabeth Archibald: "Malory´s Lancelot and Guenevere"

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"Malory´s Lancelot and Guenevere"

Von: Elizabeth Archibald

In: A Companion to Arthurian Literature, herausgegeben von Helen Fulton, S. 312–325.


Der Aufsatz behandelt die Liebesbeziehung zwischen Lancelot und Guenevere:

  1. - Die Liebesbeziehung zwischen Lancelot und Guenevere ist keineswegs allgemein und herkömmlich beschrieben, sondern vielmehr tat Thomas Malory etwas Ungewöhnliches hinsichtlich der englischen Tradition, als er deren Affäre zu einem zentralen Thema machte.
  2. - Guenevere wird zunehmend Bedeutung zuteil, nicht nur als eine Person der Dreiecksbeziehung (Artus – Lancelot – Guenevere), sondern als eigenständiger Charakter.


Lancelot und Guenevere in der englischen Artustradition

- Der Betrug Gueneveres geht bis auf die pseudo-historische Historia Regum Britanniae (Geoffrey of Monmouth, 1138) zurück, in welcher jedoch der Thronräuber Mordred der Liebhaber ist. - Lancelot taucht erstmals im Chevalier de la Charrette (Chrétien de Troyes, ca. 1180) auf. Es war womöglich Chrétien, der die Liebesbeziehung zwischen Lancelot und Guenevere erfunden hat. - Malory wurde durch den Vulgate Cycle – auch Lancelot-Grail Cycle genannt – und den Post-Vulgate Cycle inspiriert.

- Die Liebe befähigt Lancelot generell zu Höhepunkten ritterlicher Leistung und bringt ihm den Ruf des weltweit besten Ritters ein.

- In England war die Liebesaffäre nicht annähernd so populär wie in Frankreich – womöglich war sie vor Malorys Zeit sogar unbekannt. Zwar zirkulierte in England französische Literatur aus dem 13. und 14. Jahrhundert, doch lediglich fragmentarisch. - In der englischen Tradition war Gawain der Hauptheld, der das ritterliche Ideal verkörperte; Lancelot hingegen war ein unwichtiger Charakter, tauchte er überhaupt in den Dichtungen auf. In England bestand mangelndes Interesse an Lancelot.

- 1400: Mittelenglische Version der Vulgate Mort Artu: Morte Arthur (Verfasser unbekannt). Malory bediente sich stark dieser Quellen, insbesondere was seine beiden letzten Bücher angeht: Lancelot ist zentral für die Handlung und das Gedicht endet mit dessen Tod (vgl. Morte Darthur) --> Intertextualität.


Malory war folglich nicht einzigartig unter den englischen Schriftstellern, was die Wahl Lancelots als Haupthelden betrifft, doch sicherlich ungewöhnlich.


"The Olde Love"

- Der Vulgate Cycle deckt die Geschichte des Grals ab und zudem Artus' ganzes Leben. Artus wird jedoch von Lancelot überschattet, welcher der Held ist.

- Symbiotische Beziehung von Liebe und Leistung gilt als typisch für mittelalterliche Dichtung.

- Viele Kritiken äußerten sich zu der Tatsache, dass französische Autoren stets klargestellt hätten, dass Lancelot und Guenevere eine sexuelle Beziehung führen, wohingegen Malory von einer eindeutigen Erklärung abgelassen habe.

- Lancelot schläft – aus magischer Veranlassung (made Elaine look like the queen) – zweimal mit Elaine, die ihm schließlich den Sohn Galahad gebiert. Beides Mal geht er in der Annahme, er befände sich im Schlafgemach der Königin.

- "Whether they were abed other at other maner of disportis, me lyste nat thereof make no mencion, for love that tyme was nat as love ys nawadayes": Malorys Ausflüchte wirken unaufrichtig und betonen die Angelegenheit unnötigerweise. Er erachtet die romantische Liebe für natürlich und gut und lobt Guenevere als eine trew lover.


"A Trew Lover"

- Neuere Kritiken widmen Guenevere als einem komplexen und sympathischen Charakter zunehmend mehr Aufmerksamkeit; Guenevere als Verkörperung eines neuartigen Interesses an weiblicher Subjektivität.
Die Königin sei bei Malory komplexer und menschlicher als in jeder anderen Version, ob mittelalterlich oder modern. (Tolhurst, 1998)
- Malorys Beschreibung Gueneveres als eine trew lover ist überraschend, da man sie weder oft sieht, noch hört und sie meist nur in Erscheinung tritt, um mit Lancelot zu streiten und um diesen leiden zu machen. Aus Ärger schickt sie ihn mehrfach fort. Sie erlebt, dass sie in Abwesenheit Lancelots niemand beschützt und die anderen Ritter beschuldigen sie, "a destroyer of good knyghtes" zu sein.
- Sie wird außerdem irrtümlicherweise beschuldigt, einen Ritter vergiftet zu haben und landet beinahe auf dem Scheiterhaufen – "on this occasion for a crime of which she is entirely innocent". Lancelot rettet sie. (In den Quellen, derer sich Malory bediente, wird Lancelot nicht aufgrund der Eifersucht der Königin verbannt). Malory fügte diese Wendung hinzu, wodurch schließlich die Wirkung evoziert wird, Guenevere verursache Lancelot vielmehr Probleme als dass sie ihm Vergnügen bereiten würde.
- Als Lancelot Elaine of Astolat deutlich macht, dass er sie niemals wird lieben können, stirbt diese. Guenevere klagt Lancelot mehrfach ob seines Umgangs in Sachen Liebe an. Die Beziehung wird derart in ein negatives Licht gerückt, was überraschend ist, beachtet man, dass es sich um eines der beiden weltweit berühmtesten Liebespaare handelt (neben Tristan und Isolde). "In fact we hardly ever see them when they are not quarreling or in crisis."
- Malorys Guenevere: "passionate, loving, selfish, cool and entirely convincing – here, and elsewhere, the most fascinating, exasperating, and human of all medieval heroines." (Brewer, 1968)
- Wenige Szenen, in denen Guenevere und Lancelot nicht streiten:

  1. Lancelot rettet Guenevere in The Knight of the Cart.
  2. Guenevere wird nachts in Lancelots Gemach ertappt: "Lancelot toke the quene in hys armys and kyssed her."


- Der Glaube wahrer Liebender wird auf die Ebene des Glaubens christlicher Märtyrer gehoben, worin Malory sich von seinen Quellen unterscheidet. Nachdem die Angreifer geflohen sind, küsst Lancelot die Königin erneut und sie tauschen Ringe aus. Auch dies entstammt originär der Feder Malorys.
- Lancelots Hauptaufgabe ist es, den ehrenvollen Ritter in einer Gesellschaft zu verkörpern, in der worship (Ansehen, Ehre) von höchster Bedeutung ist.
- Wenn auch die romantische Liebe eine wichtige Rolle in der Legende um Artus und in der Version Malorys spielt, so ist männliche Kameradschaft mindestens genauso von Bedeutung: Artus hasst Lancelot nicht. Wir erfahren, dass der König "had a demyng" von der Affäre, diese aber aus Dankbarkeit und Liebe zu Lancelot nicht zum Thema machen möchte.
- Erst die Tatsache, dass Lancelot unverheiratet ist, ermöglicht die Struktur einer Abenteuergeschichte, in welcher der Held Objekt weiblichen Verlangens ist, selbst wenn dieser eine heimliche Geliebte hat. <> Film: Lancelot ist mit Elaine verheiratet.


"A Good Ende"

- Das gute Ende, das Malory Guenevere zuteil werden lässt, ist deren Rückzug ins Kloster (wie auch bei Geoffrey Monmouth). (Mort Artu: Tod sowohl Lancelots als auch Gueneveres; Morte Arthur: Guenevere beklagt ihre eigene Schuld und auch diejenige Lancelots und schickt diesen für immer fort). - Malory hielt sich stark an die englische Version, wobei er einige Änderungen hinsichtlich der Erzählung vornahm.
In beiden Versionen (Morte Arthur, bei Malory) macht Guenevere sich und Lancelot für den Krieg verantwortlich. Als sie ins Kloster eintritt, fordert Lancelot einen letzten Kuss, den sie jedoch nicht erwidert. Gleichzeitig wird klar, dass die Ablehnung der Liebe Lancelots auch für sie schmerzhaft ist.
Bei Malory: Wenn auch Lancelot hoffte, die verwitwete Königin zu heiraten, so spricht er hier dennoch von Artus und Guenevere als einem Paar, den Status quo derart akzeptierend. - In allen drei Versionen verbringt Lancelot die letzten Jahre seines Lebens fromm an der Seite der Ritter der Tafelrunde, was klar die Intention verfolgt, ihn von vergangenen Sünden freizusprechen. Schließlich beweist sein heiliger Tod, dass die Buße ihm Rettung ist. Der Tod Lancelots stellt einen krassen Kontrast zu jenem trostlosen von Artus dar, der sich off-stage abspielt.

- Während es nicht überrascht, dass die Schreiber der Artuslegende zeitgenössische Sorgen und Werte in die Erzählung einfließen lassen, so ist es demgegenüber sehr bemerkenswert, in welcher Weise Malory Lancelot in den Mittelpunkt stellt und Artus eher außen vor bleibt, insbesondere am Ende der Erzählung.

- Bei Malory und Morte Arthur: Artus verschwindet auf mysteriöse Weise und es wird dem Leser vorenthalten, ob dieser wirklich tot ist oder nicht.
--> Film: Man sieht, wie Artus stirbt.
Die Erzählung nimmt ein gutes Ende – im Sinne eines christlichen Verständnisses.