Benutzer:ZimmerLaura

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Übersetzungen Seminar "Neidhart und seine Follower" (WS 20/21)

Winterlied 10 (Str. I - VI)

Mittelhochdeutsch Übersetzung
Dô der liebe summer Als der liebe Sommer
ureloup genam, seinen Abschied nahm,
dô mouse man der tänze da musste man die Tänze/ Lustspiele
ûfm anger gar verphlegen. auf dem Acker beenden.
des gewan sît kummer Daher überkam
der herre Gunderam: den Herrn Gunderam seither Kummer:
der mouse ouch sîn gestänze Er musste auch seine Landstreicherei
dô lâzen under wegen. sein lassen.
der ist bickelmeister disen winder: Er ist meister dieses Winters im Würfelspiel:
œder gouch ist in dem lande ninder; Es gibt nirgendwo einen törichteren Schmarotzer im Land;
sîn rûmegazze kaphet zallen zîten wol hin hinder. der sein Schwert immer hinter sich trug
Waz er an den meiden Was er an den Frauen
wunders dâ begât, Unvorstellbares da hat verübt,
ê daz mîn vrouwe Schelle ehe meine Herrin Schelle
volende ir gebot! ihr Verbot missachtete
erst vil unbescheiden, Beim ersten mal sehr rücksichtslos,
wan swelhe er bestât, als er betrunken kämpfte
diu wirt von slegen helle diese werden von Schlägen
und mîdende den spot; und meidete den Spott
dâ von lâzen alle ir smutzemunden, davon mussten alle schmunzeln,
des die jungen niht verheln enkunden! das konnten die Knaben nicht verbergen!
des hât ir hant von solher meisterschefte dicke enphunden. Das hat ihm Kummer bereitet.

Immer, sô man vîret, Immer, wenn man feiert,
sô hebent sî sich dar dann versammeln sie sich
mit einer samenunge, in einer Sammlung ,
den ich wol schaden gan. bei der ich Schaden anrichten würde
sô sumbert Sigemâr. während Sigemâr trommelt.
daz in dâ misselunge, Dass ihnen da missglückt,
daz læge et eben an! das wäre sinnvoll!
daz sich doch vil lîhte mac verrîden: Dass sich das vielleicht ändern mag:
wellents ir getelse niht vermîden, Will ihre Zügellosigkeit nicht aufhören,
sich mugen zwêne an mîner weibelruotem wol versnîden. mögen sich die zwei wohl an meiner Klinge des Schwerts schneiden!

Kœme ich zeinem tanze, Käme ich zu einem Tanz,
dâs alle giengen bî, bei dem sie alle zusammen wären,
dâ wurde ein spil von hende da beginnt ein Spiel mit Händen
mit beiden ekken zuo. samt beiden Schwertern.
lîhte geviele ein schanze, Vielleicht fällt ein Glückswurf,
daz vor mir lægen drî. sodass vor mir drei liegen.
ich hielte ez âne wende, Ich hielt es für möglich,
verbüte ez einer vruo. eine Frau es vertauscht hat.
sige und sælde hulfen mir gewinnen, Überlegenheit und Macht halfen mir zu gewinnen,
daz si halbe müesen dan entrinnen. sodass sie dann davonlaufen müssen.
nu ziehen ûf und lâzen in ir gogelheit zerinnen! Nun verspielen wir unseren Einsatz und lasst ihren Übermut dahinschwinden!

Sîne wiedegenge Sein Jagen
die verewent mich grâ, lässt mich ergrauen,
swenn er verwendeclîchen wann immer er hochmütig
vür mîne vrouwen gât. vor meine Herrin tritt.
trîbet erz die lenge, Treibt er es zu Lange,
bestât er danne dâ, verbleibt er doch dabei,
man hilft im ûz der kîchen, man helfe ihm beim keuchen ,
daz er vil riuwic stât. damit er leidvoll steht.
er und etelîche sîn geselle, Er als auch seine Gesellen,
den ich tanzent an ir hant ersnelle, die ich tanzend an ihrer Hand erwische,
des sî gewis, ich slahe in, daz sîn offen stât ein elle! das sei gewiss, dass ich sie schlagen würde und nicht unversehrt davonkommen!

Im hilft niht sîn treie Ihm hilft weder sein Wams,
noch sîn hiubelhout; noch sein Helm;
ez wirt im in getrenket: auch er wird ins Wasser geworfen:
er zuhte ir einen bal. er hat ihr einen Ball entrissen.
erst eon tœrscher leie; Erst ein törichter Leie;
sîn tumbelîcher muot sein unbedachter Mut
der wirt im dâ bekrenket. der wir ihn da verletzten.
wil er vür Riuwental Will er für Reuental
hin und her sô vil gewentschelieren, doch eifrig umherstreifen,
er wirt wol zezeiset under vieren. er wird wohl von vieren zerzaust.
her Werenbreht, waz mag ich des, wirt im der umberieren? Herr Werenbreht, was kann ich dafür, wenn für ihn etwas abfällt?

Die wîl ich die klingen Will ich überall meine Klinge
um mîne sîten trage, an meiner Seite tragen,
sô darf mir durch mîn sumber so darf mir niemand durch meine Kleidung
niemen stechen nieht. stechen.
er muoz vil wîte springen: Er muss sehr weit springen:
begrîfe ichn mit dem slage, treffe ich ihn mit einem Schlag,
ich slahe in, daz er tumber ich schlage ihn, sodass er besinnungslos
schouwet nimmer lieht. kein Licht mehr sieht.
ich hilf im des lîbes in den aschen ich half ihm freudig in die Asche
und slah im mit willen eine vlaschen, und gebe ihm mit Vergnügen einen Hieb,
daz im die hunt daz hirne ab der erde müezen naschen. sodass ihm die Hunde das Hirn von der Erde lecken können.

Her Nîthart hât gesungen, Herr Neidhart hat gesungen,
daz ich in hazzen wil dass ich ihn hassen will
durch mînes neven willen, durch meines Neffens Willen,
des neven er beschalt. den Neffen, den er von sich weggestoßen hat.
lieze ers unbetwungen! Ließe er es ungeschoren!
es ist im gar ze vil. Es ist ihm viel zu viel.
enpflæge er sîner grillen Soll er seine grellen Schreie zurückhalten
und het ouch der gewalt! und auch mit Gewalt!
ez ist ein schelten, daz mich freuden letzet. Es ist eine Beleidigung, dass mir dadurch Freude genommen wird.
wirt diu weibelruote mir gewetzet, Wenn er meine Klinge zu spüren bekommt,
ich trenne in ûf, daz man wol einen sezzel in in setzet. dann schneide ich ihn auf, sodass man einen Sessel in ihn setzten kann.


Sommerlied 4 (Str. I - V)

Mittelhochdeutsch Übersetzung
Heid, anger , walt in fröuden stât; Wiese, Anger und Wald stehen in Freude
diu hânt sich bereitet mir ir besten wât, denn diese haben ihre besten Gewänder angezogen ,
die in der meie hât gesant. die ihnen der Mai gebracht hat.
sî wir alle Wir alle sind froh
frô mit schalle! und jubeln!
sumer ist komen in diu lant. Sommer ist in das Land gekommen.

Wol ûz der stuben, ir stolzen kint, Kommt aus der Stube, ihr törichten Kinder,
lât iuch ûf der strâze sehen! hin ist der scherfe wint lasst euch auf der Straße sehen! Fort ist der beißende Wind
unde ouch vil kalte snê. und auch der sehr kalte Schnee.
hebt iuch balde Brecht gleich
zuo dem walde! zum Wald auf!
vogelîn singent, den was wê. Vöglein singet, ihnen ging es schlecht

Diu sint ergetzet leides gar. Der Kummer wird vergessen.
ir sult mirz gelouben! nemt sîn selbe war, Das sollt ihr mir glauben! Nehmt es selbst wahr,
waz der sumer erzeiget hât! was der Sommer geschaffen hat!
er wil rîchen Er will
sîcherlichen bestimmt
manege boum mit loubes wât. viele Bäume mit einem Laubgewand belohnen.

Diu nû vor grôzer huote megen, Die nue
die suln balde ir bestez vîrtacgwant an legen, die sollen bald ihr bestes Festtagsgewand anlegen,
lâzen sich dar inne ersehen! und lassen sich darin sehen!
wir suln schouwen Wir sollen uns
vor den ouwen die Wiesen ansehen
maneger hande bluomen brehen. da vielerlei Blumen blühen.

Swie Riuwental mîn eigen sî, Auch wenn Reuental mein Eigen ist,
ich bin disen summer aller sorgen frî, ich habe diesen Sommer keine Sorgen
sît der winter ist dâ hin. seit der Winter vorbei ist.
ich wil lêren Ich will
die jungen êren den jungen Leuten lehren
freude: dar nâch stêt mîn sin. die Freude zu ehren: danach steht mir mein Sinn.

Sommerlied 18

Mittelhochdeutsch Übersetzung
"Uns wil ein sumer komen", "Bald wird der Sommer kommen",
sprach ein magt: "jâ hân ich den von Riuwental vernomen. sprach ein Mädchen: "Ja, den von Riuvental habe ich gehört.
jâ wil ich in loben. Ich will ihn loben.
mîn herze spilt gein im vor vreuden, als ez welle toben. Wegen ihm springt mein Herz vor Freude, als ob es toben würde.
ich hœr in dort singen vor den kinden. Ich höre ihn dort vor den Kindern singen.
jâne wil ich nimmer des erwinden, damit will ich nicht warten,
ich springe an sîner hende zuo den linden." ich springe an seiner Hand zu den Linden."

Diu muoter rief ir nâch; Die Mutter rief ihr nach;
sî sprach: "tohter, volge mir, niht lâ dir wesen gâch! sie sprach: "Tochter, folge meinem Rat, handle nicht voreilig!
weistû, wie geschach Du weißt was passier ist
dîner spilen Jiuten vert, alsam ir eide jach? es voriges Jahr Jiuten geschah, ebenso ihrer Mutter ?
der wuohs von sînem reien ûf ir wempel, Ihr wuchs ihr Bauch wegen seinen Tänzen,
und gewan ein kint, daz hiez si lempel: und bekam ein Kind, das nannte sie Lempel:
alsô lêrte er sî den gimpelgempel." auf diese Weise lehrte er sie den Gimpelgempel."

"Muoter, lât iz sîn! "Mutter, lass das sein!
er sante mir ein rôsenschapel, daz het liehten schîn, Er har mir einen Rosenkranz geschickt, welches einen leuchtenden Schein hat,
ûf daz houbet mîn, auf meinen Kopf,
und zwêne rôten golzen brâhte er her mir über Rîn: und zwei Beinschienen brachte er mir über den Rhein her:
die trag ich noch hiwer an mînem beine. die trage ich noch immer an meinen Beinen.
des er mich bat, daz weiz ich niewan eine. Um was er mich bat, dass weiß nur ich allein.
jâ volge ich iuwer ræte harte kleine." Deshalb folge ich euren Ratschlägen ganz und gar nicht.

Der muoter der wart leit, Der Mutter war es leid,
daz diu tohter niht enhôrte, daz si ir vor geseit; dass die Tochter nicht darauf hörte, was sie ihr vorher sagte;
iz sprach diu stolze meit: so sprach das stolze Mädchen:
"ich hân im gelobt: des hât er mîne sicherheit. "Ich habe es ihm versprochen: daher hat er mein Vertrauen.
waz verliuse ich dâ mit mîner êren? Warum sollte ich damit mein Ansehen verlieren?
jâne wil ich nimmer widerkêren, Hier will ich niemals zurückkehren,
er muoz mich sîne geile sprünge lêren." er muss mich seine frohe Sprünge lehren."

Diu muoter sprach: "wol hin! Die Mutter sprach: " Geh!
verstû übel oder wol, sich, daz ist dîn gewin: es wird dir wohl oder übel ergehen, schau das ist dein Glück:
du hâst niht guoten sin. du hast keinen guten Verstand.
wil dû mit im gein Riuwental, da bringet er dich hin: Willst du mit ihm nach Reuental, da bringt er dich hin:
alsô kan sîn treiros dich verkoufen. So kann sein Tanz dich verkaufen.
er beginnt dich slahen, stôzen, roufen er fängt an dich zu schlagen, zu stoßen, zu prügeln
und müezen doch zwô wiegen bî dir loufen." und müssen doch zwei Wiegen bei dir laufen."

Winterlied 24

Mittelhochdeutsch Übersetzung
Summer, dîner süezen weter müezen wir uns ânen: Sommer, auf dein schönes Wetter müssen wir verzichten:
dirre kalte winder trûren unde senen gît. dieser kalte Winter erweckt Trauer und Sehnsuchtsschmerz.
ich bin ungetrœstet von der lieben wolgetânen. Ich werde von der Schönen Geliebten nicht getröstet
wie sol ich vertrîben diese lange swære zît, Wie soll ich diese lange schwere Zeit überstehen,
diu die heide velwet unde mange bluomen wolgetân? welche die Wiesen und die schönen Blumen verblassen?
dâ von sint die vogele in dem walde des betwungen, daz si ir singen müezen lân. Deshalb sind die Vögel im Wald dazu gezwungen, mit dem Singen aufzuhören.


Alsô hat diu vrouwe mîn daz herze mir betwungen, Als meine Dame mein Herz bezwungen hat,
daz ich âne vröude muoz verswenden mîne tage. da musste ich Tage ohne Freude verbringen.
ez vervæhet niht, swaz ich ir lange hân gesungen; Egal was ich ihr vorsinge es ist erfolglos;
mir ist alsô mære, daz ich mêre stille dage. So ist es meine Absicht, dass ich fortan stillschweige.
ich geloube niht, daz sî den mannen immer werde holt: Ich glaube nicht, dass sie an anderen Männern gefallen finden wird:
wir verlisen, swaz wir dar gesingen unde gerûnen, ich und jener Hildebolt. es ist umsonst egal was wir da sangen und flüsterten, ich und jener Hildebolt.


Der ist nû der tumbist under geilen getelingen, Dieser ist nun der Tor unter den fröhlichen Gesellen,
er und einer, nennet man den jungen Willegêr. er und einer, den man den jungen Willegêr nennt.
den enkunde ich disen sumer nie von ir gedringen, Den konnte ich diesen Sommer nie von ihr fortdrängen,
sô der tanz gein âbent an der strâze gie entwer. als der Tanz gegen Abend an der Straße zu Ende ging.
mangen twerhen blic den wurfen sî mich mit den ougen an, Manchen schiefen Blick warfen sie mir mit den Augen zu,
daz ich sunder mînes guoten willen vor in beiden ie ze sweime muose [gân. sodass ich gegen meinen guten Willen das Weite suche musste.


Wê daz mich sô manger hât von lieber stat gedrungen Wehe, dass mich so mancher von der schönen Ort verdrängt hat
beidiu von der guoten unde ouch wîlent anderswâ! sowohl von der Guten als auch manchmal anderswo!
œdelîchen wart von in ûf mînen tratz gesprungen. Sie ärgerten mich mit ihren wiederwertigen Sprünge beim Tanz.
ir gewaltes bin ich vor in mînem schophe grâ. Von ihrer Gewalt werden meine Haare schon grau.
doch sô neic diu guote mir ein lützel über schildes rant. Doch so verneigte sich die Schöne ein wenig hinter ihrem Schild vor mir.
gerne mugt ir hœren wie die dörper sint gekleidet: üppiclîch ist ir gewant. Gerne mögt ihr hören wie die Bauern gekleidet sind: prächtig ist ihre Kleidung


Enge röcke tragent sî und enge schaperûne, Sie tragen knappe Röcke und schmale Kapuzenmantel,
rôte hüete, rinkelohte schuohe, swarze hosen. rote Hüte, Schnallenschuhe, schwarze Hosen.
Engelmâr getet mir nie sô leide an Vriderûne Engelmâr fügte mir nie so Leid zu wie Vriderûne
sam die zwêne tuont. ich nîde ir phellerîne phosen, wie sie es jetzt tun. Ich hasse ihre Gürteltaschen,
die sî tragent: dâ lît inne ein wurze, heizet ingeber. die sie tragen: darin liegt eine Wurzel, genannt Ingwer.
der gap Hildebolt der guoten eine bî dem tanze; die gezuhte ir Willegêr. .Davon gab Hildebolt der Schönen eine beim Tanz, die der Willeger ihr jedoch wieder wegriss.


Gern west ich, wie es die torpper unter einander trachten. Gerne wüsste ich, was die Bauern tragen wenn sie zusammen sind.
sie trugen peckkelhauben, darczu lange swert. Sie trugen Pickelhauben, dazu lange Schwerter.
ir spottigkeit, ir laster sie gar zu laster brachten: Ihre Spotten, ihre Vergehen brachten vollkommene Schande herbei:
des wurdens durch die goller mer denn halb gewert. daher wurden sie durch das Späße treiben noch mehr verdorben.
sie stritten mit einander einen ganczen summer langen tag. Sie stritten einen ganzen langen Sommertag miteinander.
das ir geläße sahe herre Neithart, do er in dem vas bey dem wein lag. Da sah Herr Neidhart ihr Benehmen, als er bei dem Fass Wein stand.


Sagte ich nû diu mære, wie siz mit ein ander schuofen, Erzählte ich nun die Geschichte, was sie miteinander treiben,
des enweiz ich niht: ich schiet von danne sâ zehant. das weiß ich nicht: Ich machte mich schnell davon
manneglîch begunde sînen vriunden vaste ruofen; Jeder begann seine Freunde laut zu rufen;
einer der schrê lûte: „hilf, gevater Weregant!“ einer schrie laut:„Hilfe, Gevatter Weregant!"
er was lîhte in grôzen noeten, dô er sô nâch helfe schrê. Er befand sich in großer Not, als er so nach Hilfe schrie.
Hildeboldes swester hôrte ich eines lûte schrîen: „wê mir mînes bruoder, [wê!“ Hildeboldes Schwester hörte ich laut schreien: „ Oh weh mein Bruder, oh weh!"
Dô kam schiere ein getelinc geloufen von dem strîte; Da kam sofort ein Verwandter von dem Streit angelaufen;
den fragt ich der mære. „Willeher mit ellen streit. den fragte ich über die Geschehnisse.„ Willeher streite mit allen.
Hildeboltes schapperun der ist zerzerret wîte Hildebolts Kapuzenmantel ist weit gerissen
und dar zuo sin enger roc wol drîer spannen breit." und sein enges Obergewand dazu gewiss drei Spannen breit.
daz geschach umb eine wurzen, die man uz der hende ir brach. Das geschah wegen einer Wurzel, die man ihr aus den Händen entriss.
des engalt vil mangiu spaehiu hûbe, die man bî dem tanze zerzerret [ligen sach. Dies wurde mit vielen kunstvollen Hauben gestraft, welche man bei dem Tanz zerrissen [daliegen sah.


Wâ bî sol man mîn geplätze hinne vür erkennen? Wodurch sollte man mein Geschwätz in Zukunft weiter erkennen?
hie envor dô kande man iz wol bî Riuwental. Zuvor da kannte man es wohl bei Reuental.
dâ von solde man mich noch von allem rehte nennen: Dort sollte man mich noch aus guten Grund erwähnen:
nust mir eigen unde lêhen dâ gemezzen smal. Mein Eigentum und Lehen sind dort nicht gering ausgemessen.
kint, ir heizet iu den singen, der sîn nû gewaltic sî! Kinder, nennt den Sänger, der nun mächtig werden soll!
ich bin sîn verstôzen âne schulde: mîne vriunt, nu lâzet mich des namen vrî! Ich bin ohne Schuld verstoßen worden: Meine Freunde, nun lasst meinen Namen frei!


Ich hân mînes herren hulde vloren âne schulde: Ich habe die Gunst meines Herren ohne Schuld verloren:
dâ von so ist mîn herze jâmers unde trûrens vol. deshalb ist mein Herz von Kummer und Trauer erfüllt.
rîcher got, nu rihte mirz sô gar nâch dîner hulde, Mächtiger Gott, ich wende mich nun deiner Gnade zu,
manges werden friundes daz ich mich des ânen sol! Ich werde auf Freunde verzichten, welche ich aufgeben soll!
des hân ich ze Beiern lâzen allez, daz ich ie gewan, Alles, was ich jemals gewann, das alles habe ich in Bayern gelassen,
unde var dâ hin gein Ôsterrîche und wil mich dingen an den werden [Ôsterman. und fahr da hin nach Österreich und will mich bei den Österreichern ehrenvoll [verdingen.
Mîner vînde wille ist niht ze wol an mir ergangen: Der Wille meiner Feinde geschieht mir nicht gut:
wolde ez got, sîn mähte noch vil lîhte werden rât. Wollte es Gott, seine Mächte werden noch viel Hilfe schenken.
in dem lande ze Œsterrîche wart ich wol enphangen In dem Land Österreich wurde ich freundlich
von dem edeln vürsten, der mich nû behûset hât. von den edlen Fürsten, der mich aufgenommen hat, empfangen.
hie ze Medelicke bin ich immer âne ir aller danc. Hier in Medelicke bin ich immer ohne ihren Dank.
mir ist leit, daz ich von Eppen und von Gumpen ie ze Riuwental sô vil [gesanc. Mir ist es leid, dass ich so viel von Eppen und von Gumpen im Reuental gesungen [habe.


Her Nîthart hât uns hie verlâzen als diu krâ den stecken, Herr Neidhart hat uns hier verlassen wie die Krähen,
diu dâ hinne fliuget unde sitzet ûf ein sât. die davon fliegen und auf die nächste Saat warten.
ez sol ein man mit fremden frouwen niht ze vil gezecken, Ein Mann soll fremde Frauen nicht zu viel necken,
der der wâren schulde an sîner keine vunden hât. der dann wahrhaft schuldig an irgendeiner ihrer Wunden ist.
er niez sîn tegelîche spîse (der hât er dâ heime genouc), Er genießt seine tägliche Speise (davon hat er zuhause genug),
lâz Hildebolten mit gemache! ez was ein eichel, die er bî im in dem biutel truoc. lass Hildebolt in Ruhe! Es war eine Eichel, die er bei sich im Beutel trug.


Rädelohte sporen treit mir Fridepreht ze leide, Runde Sporen trägt Friedpreht mir zum Ärger,,
niuwen vezzel hât er baz dan zweier hende breit. er hat einen neuen Schwertgurt, der ist mehr als zwei Hände breit.
rucket er den afterreif hin wider ûf die scheide, Rückt er den Reif am Schwert wieder zu der Schwertscheide,
wizzet, mîne vriunde, daz is mir ein herzenleit! wisst ihr, meine Freunde, das ist mir ein tiefes Betrübnis!
zwêne niuwe hantschuoh er unz ûf den ellenbogen zôch. Zwei neue Handschuhe zog er bis zum Ellenbogen hinauf.
mugt ir hoeren, wie der selbe gemzinc von der lieben hiuwer ab dem tanze [vlôch? Möchtet ihr hören. wie der selbe Gemsbock auf dem Tanz vor der Geliebten [geflohen ist?


Er gap versengelt wol, rehte als im waer an gebunden Er konnte gewiss davonlaufen, als er gerade angebunden werden sollte.
ein swînes blâse, alsô man den wilden hunden tuot. Eine Schweineblase, wie man den wilden Hunden vorwirft.
ofte brach er sînen zelt, als sî doch wol befunden, Damit will er uns nachts aus der Gasse vertreiben.
Hatze und Pletze und jeniu ir gespile Hademuot. Hatze und Pletze und deren Freund Hademuot.
frâget Engeltrûten, wiez laeg umbe ir bruoder Fridebreht! Fragt Engeltrûten, wie es um ihren Bruder Fridebreht steht!
„ach ach, er hât verrenket sich vor vorhte“, alsô hât si mir geseit, „der tœrsche [kneht.“ „Ach,ach, er hat sich vor Angst verrenkt“, so hat sie mir gesagt, „der schwerhörige [Knabe.“
Sach ab ieman jenen mit der gickelvêhen täcken? Ob jemand den mit der bunten Decke sah?
die treget er ûf der hende und klopfet ûf sîn niuwez swert: Diesen trägt er auf de Hand und klopft auf sein neues Schwert:
dâ mite er uns des nahtes ab der gazzen wil erschrecken. damit will er uns nachts auf den Straßen vertreiben.
der selbe dünket sich noch mêr dan drîer bônen wert, Derselbige hält sich für mehr als drei Bohnen wert,
als er danne gerûzet unde gedraeset, der vil übele man, als er dann lärmt und drängelt, der echt schlimme Mann,
und im sîn täcke ringeleht erklinget dem gelîche, als er trage ein goller an. und sein mit versehrter Zacken erklingt, als träge er einen Koller.

Winterlied 13

Mittelhochdeutsch Neuhochdeutsch
Wi überwinde ich beide Wie überwinde sowohl
mîn líep ùnd die súmerzît? meine Geliebte als auch die Sommerzeit?
ine kan die wolgetânen schiere niht verklagen. Ich kann die Schönheiten nicht schnell vergessen.
von sô grôzem leide, Von so großem Leid betroffen ,
mir ríuwe ầne vröude gît, der Verlust mir keine Freude spendet,
trûre ich wol von schulden nû ze disen trüeben tagen, trauere ich gewiss mit Recht während diesen trüben Tagen,
di uns den winder kündent, der uns manger vröude roubet. die uns der Winter verkündet hat, der uns viel Freude raubt.
sanges habent sich diu kleinen vogelîn geloubet: Die kleinen Vöglein haben auf den Gesang verzichtet:
alsô möhte ich wol mit minem sange stille dagen. deswegen möchte ich auch mit meinem Gesang verstummen.
Sol mich niht vervâhen Sollte ich mir nicht nützen
mîn trốst ùnd mîn líeber wấn, mit meinem Vertrauen und meiner Hoffnung ,
sô enweiz ich, waz genâden ich mich trœsten mac. so weiß ich nicht, wie ich mich trösten mag.
wol mac ir versmâhen kann mein Dienst ihr verächtlich vorkommen
mîn díenèst, den ích ir hấn , den ich ihr
lange her geleistet und des ie mit triuwen phlac. lange schon geleistet habe und dies mit immer mit treuer Fürsorge.
alsô phlæge ichs immer gerne, möhte ich des geniezen, So pflege ich es immer noch und möchte ich damit Erfolg haben,
sô daz mich die dörper mînes lônes iht verstiezen. sodass die Bauern mich nicht meines Lohnes berauben.
des ist Uoze grîfic und sîn rûher schavernac. Das macht Unze mit seiner rauen Pelzmütze
Engelwân und Uoze Engelwân und Uoze
die zwéne sint mír geház sind von mir beide gehasst.
(schaden unde nîdes muoz ich mich von in versehen) (vor ihrem Schaden und Neid muss ich mich in Acht nehmen)
und der geile Ruoze: und der übermütige Ruoze:
wie tíuwer er sich vermáz, wie sehr er sich rühmt,
der bestüende mich durch sî! die drîe widerwehen und dachte mich zu bekämpfen! Die drei Widersacher
râtent unde brüevent, daz ich âne lôn belîbe. beraten und schreien untereinander , um mich um mein Lohn zu berauben.
niht envolge ir lêre, vrouwe, liebist aller wîbe! Folge nicht ihrer Anweisung,Frau , Liebste aller Frauen!
lône mîner jâre; lâz in leit an mir geschehen! Belohne meine Jahre; lass ihnen für mich Schlimmes widerfahren!
Vrouwe, dîne güete Frau, deine Güte
di erkénne ìch sô mánicvált, die erkenne ich so oft,
daz ich liebes lônes von dir noch gedingen hân. ohne dass ich einen lieben Dank von dir erwartet habe.
daz mich ie gemüete, Weil mich
die spränzlér und ír gewált, die Narren und ihre Gewalt immer bedrängen,
daz was mit den bluomen hin. nu wil mir Engelwân war es mit den Blumen pflücken vorbei. Nun will mir Engelwân
dîne hulde verren: daz im müeze misselingen, deine Freundlichkeit nehmen: Das muss ihm misslingen,
sô daz hundert swert ûf sînem kophe lûte erklingen! sodass hundert Schwerter laut über seinem Kopf erklingen!
snîdent sî ze rehte, sî zerüttent im den spân. .....


Seht an Engelwânen, Seht Engelwân an,
wie hôhe er sîn houbet treit! wie hoch er sein Haupt trägt!
swanne er mit gespannem swerte bî dem tanze gât, Wann er auch mit gezogenen Schwert zum Tanz geht,
sô ist er niht âne dann verhält er sich ohne
der vlæmischen hövescheit, den flämisch höfischen Anstand,
dâ sîn vater Batze wênic mit ze schaffen hât. damit hat sein Vater Batze wenig mit zu tun.
nu ist sîn sun ein œder gouch mit sîner rûhen hûben: Nun ist sein Sohn mit seiner Pelzmütze ein törichter Dummkopf:
ich gelîche sîn gephnætze ze einer saten tûben, Ich vergleiche sein Schnauben mit einer Taube,
diu mit vollem krophe ûf einen korenkasten stât. welche mit vollem Hals auf einem Kasten Korn steht.


Swer in sîner tougen Wer in seiner Heimlichkeit
ie líep ode leit gewan, jemals Freude oder Schmerz erlang,
dem sint mîne sorgen und mîn kumber wol bekannt. dem sind meine Sorgen und mein Kummer gewiss bekannt.
sît ich mînen ougen Seit ich meine Augen
den stîc niht verbieten kann, den Weg nicht verbieten kann,
sî enblicken hin, dâ Ruoze tanzet an ir hant, sie blicken dorthin, wo Ruoze an ihrer Hand tanzt,
sô verlâze ich kûme, deich mich selben niht enroufe: so gehe ich mit Mühe fort, damit ich mich nicht mit ihm raufe.
solhen wehsel nement, die dâ minnent, an ir koufe. Solchen Wechsel erfahren sie, die da lieben, bei ihrem Dienst.
Minne, lâ mich vrî! mich twingent sêre dîniu bant. Geliebe, befreie mich! Dein Bann bezwingt mich schmerzlich.
Minne, dine snüere Geliebte, deine Bänder
die twingent daz herze min, die zerdrücken mein Herz,
daz ich han ze strite wider dich deheine wer. dass ich mich zur Wehr setzen muss.
swie verholne ich rüere Sobald ich heimlich
den zimbel der zelle din, in deiner Kammer erklingen die Klinge erklingen lasse
so bin ich betwungen des, daz ich dir hulde swer. so bin ich dazu gezwungen, dass ich dir Treue schwöre.
vrouwe Minne, din gewalt ist wider mich ze strenge; Geliebte, deine Macht über mich ist zu stark;
küneginne, diner ungenade niht verhenge, Königin, verhänge dich meiner Ungunst,
daz si mich verderbe! ja ist si über mich ein her. sodass sie mich ins Verderben stürzt! Ja, sie ist mir überlegen.

Winterlied 1

Mittelhochdeutsch Übersetzung
Winder, uns wil dîn gewalt Winter, uns will deine Gewalt
in die stuben dringen in die Stuben drängen
von der linden breit: weg von der großen Linde:
dîne winde die sint kalt. Deine Winde sind kalt.
lerche, lâ dîn singen! Lerche, lass deinen Gesang sein!
dir hât widerseit Dir haben sie den Kampf angekündigt
beide rîfe und ouch der snê; der Frost und auch der Schnee ;
dû muost stille swîgen: du musst nun stillschweigen:
sô klag ich den grüenen klê. So trauere ich um den grünen Klee.
meie, ich wil dir nîgen; Mai, ich will mich dir zuneigen;
mir tuot der winder wê. der Winter tut mir weh.
Tanzet, lachet weset vrô! Tanzt, lacht, seid froh!
daz zimt wol den jungen Das dünkt gewiss den Jungen
disen winder lanc. diesen Winter lang.
iu ze stiuwer gibe ich sô Für eure Unterstützung gebe ich euch
hiwer von mîner zungen aus meinen Worten
einen niuwen sanc, ein neues Lied,
daz ir âne swæren muot sodass ihr ohne schweres Gemüht
vreude mugt erbîten. Freude erwarten könnt.
Engelmâr, dîn stube ist guot: Engelmâr, deine Stube ist gut:
küele ist an der lîten. Kühl ist es am Bergabhang.
der winder schaden tuot. Der Winter richtet Schaden an.
Etzel, Ruoze und Adelber Etzel, Ruoze und Adelber
und der geile Rüele und der lustige Rüele
zesamen hânt gesworn haben sich alle zusammen
alle ûf einen dörper hêr: gegen einen Bauern verschworen:
derst von Wîtenbrüele der ist von Wîtenbrüele
und brüevet grôzen zorn. und hegt großen Zorn hervor.
daz enkunde ich ê noch sit Das konnte ich früher oder später
nie voltagedingen. niemals schlichten.
Rüele enwolte enwiderstrît Rüele wollte nicht um die Wette
an dem reien springen: bei den Tänzen springen:
daz was Lanzen nît. Das war Lanze nicht.
Lanzen einen treien treit, Lanze trägt ein Wams,
diu ist von barchâne, das ist der Preis vom Wettschießen
grüene also der klê. grüner als der Klee.
ze wîge hât er sich bereit: Zum Kampf hält er sich bereit:
er lebet in dem wâne, Er lebt in der Hoffnung,
daz im niht widerstê. dass sich ihm nicht Wiederstehen kann.
dar in er gesteppet hât Da hat er sich
ein guot îsnîn hemde. ein gutes Panzerhemd genäht.
limmende als ein ber er gât; Er ging brummender als ein Bär;
guot muot ist im vremde. freundliches Gemüht ist ihm fremd.
erst kint, der in bestât. Nur Kinder stehen ihm bei.
Lanze der hât noch die frünt, Lanze, der hat noch die Freude,
die in niht enlâzen, die ihn nicht im Stich lässt,
swie gar er sî ein kint. als wäre er noch ein Kind.
drî hân ich iu schiere gekünt, Drei habe ich erkannt
die im ûf der strâzen welche auf den Straßen
bîgestendic sint: zu ihm halten:
Îsenbolt und Îsenhart Îsenbolt und Îsenhart
und der junge Vrîte. und der junge Vrîte.
Rüele der wart nie sô zart, Rüele, der war nie so zart,
er wær an dem strîte er würde sich bei dem Streit
ze verhe wol bewart. sehr zuverlässig zurückziehen.
Sô lâz wirs vehten umb den lîp. So kämpften wir um .....
und gê wir zuo dem tanze: Und wir gingen zu dem Tanz:
da spring wir schône enbor. Dort sprangen wir schön die Höhe.
nu wol ûf, meide und jungiu wîp, Nun wohl auf, Mädchen und junge Frauen,
Afrâ, Englîn, Franze, Afrâ, Englîn, Franze,
diu wil uns singen vor. die wollen uns etwas vorsingen.
Metze beit ...... Metze lässt sich Zeit......
und kumet Adelheite und Adelheit erscheint
und über ... Engellint und über ... Engellint
und Irmengart gemeite, und die lebensfrohe Irmengart,
daz sint gar schoeniu kint. das sind ganz und gar schöne Kinder.

Winterlied 27

Mittelhochdeutsch Neuhochdeutsch
Mirst von herzen leide, Mir tut es im Herzen weh,
daz der küele winder dass der kalte Winter
verderbet schœner bluomen vil: viele schöne Blumen verdirbt:
sô verderbet mich ein senelîchiu arebeit. ebenso wie der Liebesdienst....
dise sorge beide Diese beiden Sorgen
dringent mich hin hinder drängen mich zurück
ze ende an mîner vreuden zil. an das Ende meiner Zuversicht.
owê, daz diu guote mit ir willen daz vertreit, Oh weh , seit die Gute mit ihrem Willen mir verwehrt,
sît si wol geringen mac weil sie alle meine Schmerzen
alle mîne swære! gewiss verringern kann!
hei, gelebte ich noch den tac, Hei, erlebe ich noch den Tag
daz sî genædic wære! an dem sie gnädig wäre!


Swenne ich mich vereine Wenn ich mich zurückziehe
unde an sî gedenke, und an sie denke,
wær inder wîbes güete dâ, wäre in ihr Güte vorhanden,
diune hæte sich sô lange bî ir niht verholn. die hätte sich so lange bei ihr nicht verdient.
sît si lônet kleine Obwohl sie
mîner niuwen klenke, meinen neuen Klängen keine Aufmerksamkeit schenkt
wan mac ich dienen anderswâ? wann kann ich anderswo dienen?
nein, ich will mit willen disen kumber langer doln. Nein, ich will diesen Kummer lange ertragen.
waz, ob noch ein sælic wîp Was, wenn noch eine selige Frau
gar den muot verkêret? gar den Mut ändert?
vreu mîn herze und trœste den lîp! Erfreue mein Herz und tröste den Leib!
diu zwei diu sint gesêret. Die zwei die sind verletzt.


Zuo dem ungemache, Zu dem Unbequemen,
den ich von ir lîde, das ich durch sie erleide,
sô twinget mich ein ander leit, so zwingt mich andere Sorge,
daz vor allem leide mich sô sêre nie betwanc, dass mich wie kein anderer Schmerz so quält,
swiech dar umbe lache auch wenn ich darüber lache
und gebâre blîde: und mich ebenso erfreut:
mir hât ein dörper widerseit Mir hat sich ein dörper den Kampf erklärt
umb anders niht wan umbe den mînen üppeclîchen sanc. um nichts anderes als um meinen überflüssigen Gesang.
derst geheizen Adeltir, Der heißt Adeltir,
bürtic her von Ense. gebürtig aus Ense.
zallen zîten drôt er mir Zu allen Zeiten droht er mir
als einer veizten gense. wie einer fetten Gans.


Hiwer an einem tanze Jedes mal bei einem Tanz
gie er umbe und umbe. ging er im Kreis.
den wehsel het er al den tac: Den Wechsel hätter er den ganzen Tag:
glanziu schapel gap er umbe niuwiu krenzelîn. Gänzenden Kopfschmuck gab er mit neuen Kränzen herum.
Etzel und Lanze, Etzel und Lanze,
zwêne knappen tumbe, Zwei törichte Buben,
die phlâgen ouch, des jener phlac. die sorgten auch dafür, dass jener die Aufsicht führte.
Lanze der beswæret ein vil stolzez magedîn; Lanze der belästigte ein sehr stolzes Fräulein;
eine kleine rîsen guot einen kleinen guten Schleier
zarte er ab ir houbet, zerrte er von ihrem Kopf herunter,
dar zuo einen bluomenhuot: dazu einen Blumenhut:
wer het im daz erloubet? Wer hat ihm das erlaubt?


Owê sîner hende! Oh weh, seine Hände!
daz si sîn verwâzen! Sie sollen verflucht sein!
die vinger müezen werden vlorn, Die Finger müssen verloren gehen,
dâ mit er gezerret hât den schedelîchen zar! mit denen er das Stück auf schadenbringende Weise abgerissen hat!
hiete er ir gebende Hätte er ihre Bänder
ungezerret lâzen, nicht zerrissen,
daz kränzel hiete ouch sî verkorn. den Kranz hätte auch sie verschmerzt
er ist ungevüeger danne wîlen Engelmâr, Er ist noch unartiger als Engelmâr,
der gewalticlîchen nam der gewaltstam entriss
den spiegel Vriderûne. Vriderun den Spiegel.
des bin ich dem dörper gram, Deshalb bin ich auf den dörper wütend,
dem selben Walberûne. genauso wie Walberûne.


Dise alten schulde Diese alte Schuld
wecket mir diu niuwe: weckt in mir die Neue:
ez hât ein geiler getelinc Es hat einen übermütigen Gesellen
hiwer an mir erwecket, swaz mir leides ie geschach. dieses Jahr in mir erweckt, was auch immer mir an Leid geschah.
ê ichz langer dulde, Bevor ich es länger dulde,
sêt des mîne triuwe, siehe da meine Treue,
gespringe ich zuo zim in den rinc, springe ich zu ihm in den Ring,
er bestât sîn buoze, daz er ir ze vrouwen jach, er hielt der Strafe stand , dafür dass er die Dame jagte,
der ich lange gedienet hân der ich lange bitter gedient habe
her mit ganzer stæte! mit ganzer Treue!
wolder er sî gerouwet lân, Wollte er es lassen, sie zu rauben,
wie rehte er danne tæte! wie recht er dann täte!


Wê, waz hât er muochen! Wehe+, was hat er für Flausen im Kopf!
si kumt im niht ze mâze. Sie ist ihm nicht angemessen.
zwiu sol sîn pîneclîch gebrech? Wozu soll ein quälender Lärm gut sein?
im enmac gehelfen niht sîn hovelîch gewant. Ihm wird auch nicht sein höfisches Gewand helfen.
er sol im eine suochen, Er soll ihm eine suchen,
diu in werben lâze. die ihn werben lässt.
diu sînen rôten buosemblech Seine roten ....
diu sint ir ungenæme gar, dar zuo sîn hiufelbant. die sind ihr gar unangenehm, dazu auch sein Band an der Wange.
enge ermel treit er lanc, Er trägt enge und lange Ärmel,
die sint vor gebræmet, die sind ... (verbrämt?)
innen swarz und ûzen blanc. innen schwarz und außen weiß.
mit sîner rede er vlæmet. Er spricht nach Art der Flamländer/flämisch


tengelnt an den orten: baumeln überall :
dâ hanget wunder pfeffers an, Da hängen wunderliche Gewürze,
muscât, negele, pfâwenspiegel: dêst der dörper glanz. Muskatnuss, Nelke, Pfauenkraut: Das ist der Glanz der dörper.
er wil überdrangen Er will überwältigen
ein meit mit süezen worten, ein Mädchen mit süßen Worten,
des im doch niht gehelfen kan da ihm doch nicht helfen kann
sîn üppiclîch gewant und dar zuo sîn vil wæher swanz. sein überflüssiges Gewand und dazu seine glänzende Schleppe.
ein vil guotez lînîn tuoch, Aus einem sehr guten Leinentuch,
sehzehn elen kleine, sechzehn Ellen lang,
hât sîn hemde und ouch sîn brouch: ist sein Hemd und auch seine Hose
der site ist ungemeine. Das passt nicht zusammen.


Her Nîthart, mugt irz lâzen? Herr Neidhart, könnt ihr es sein lassen?
iu mac misselingen. Euch wird es misslingen.
nu habt ez ûf die triuwe mîn, Ihr habt es auf meine Treue abgesehen,
und mag ich, ez muoz iu bî dem tanze werden leit! und wenn ich kann, dann wird es euch beim Tanze leid tun!
welt ir ûf der strâzen Wollt ihr auf der Straße
vil mit uns gedringen, mit uns streiten,
swie breit ab iuwer multer sîn, wie berühmt auch immer eure.......
dâ gelpfe schînet under iuwer ringelehte pfeit, dort scheint der Glanz unter euren geringelte Rock,
und sult ir sîn der tiuvel gar und solltet ihr gar der Teufel sein
mit iuwerm glitzeden huote, mit eurem glänzenden Hut,
zwâre ich mache in bluotes var gewiss mach ich ihn blutig
mit mînem swerte guote. mit meinem guten Schwert.


"Nû dar, ziere gesellen, "Nur zu, prächtige Gesellen,
nu stât mir algelîche, steht mir bei,
helfet, daz wir in bestân, helft, dass wir ihm Stand halten ,
der uns bî dem tanze mit gemache niht enlât! der uns beim Tanze mit seinem Vergnügen nicht in Ruhe lässt!
ich trûwe in wol ervellen", Ich hoffe sehr ihn zu Fall zu bringen",
sô sprach Amelrîche; so sprach Amelrîche;
"die hant die muoz er mir hie lân, "die Hand, die muss er mir hier lassen,
dâ der spreckelehte vogel oben ûfe stât, dort oben steht der gefleckte Vogel,
und dar zuo den zeswen fuoz, und dazu den rechten Fuß,
dar an der spore klinget. der dort an dem Sporn ertönt.
jâ geschaffe ich mir sîn buoz, Ja wenn ich seine Strafe anordne,
daz er von uns niht singet." dann wird er von uns nicht mehr singen".



Sommerlied 22

Mittelhochdeutsch Neuhochdeutsch
Der winter hât ein ende. Der Winter hat ein Ende.
komen ist uns der meie, Der Mai ist eingetroffen,
der uns bluomen bringet manger leie. der uns viele Blumen bringt.
ich hœr diu vogelîn singen. Ich hör die Vögelchen singen.
wir suln alle springen, Wir sollen alle tanzen und
sîn gemeit. uns freuen.
der walt ist wol geloubet, Der Wald ist grün,
diu linde guldîn tolden treit. die Linde trägt eine goldene Krone.


Der linden welnt ir tolden Der Linde ihr Wipfel will
von niuwem loube rîchen, sie mit neuem Laub bereichern.
dar under lâzent nachtigal dar strîchen: darunter putzen sich die Nachtigallen:
si singent wol ze prîse Sie singen sehr um zu loben
vremde süeze wîse, in fremder süßer Art und Weise,
dœne vil. tönen sehr.
si vreunt sich gein dem meien: Sie freuen sich über den Mai:
sîn kunft diu ist ir herzen spil. Seine Ankunft tut ihren Herzen gut.


Si sprechent, daz der winder Sie sagen, dass der Winter
hiuwer sî gelenget. nun zu Ende sei.
nu ist diu wise mit bluomen wol gemenget, Nun ist die Wiese mit Blumen sehr bestückt,
mit liehter ougenweide mit heller Augenweide
rôsen ûf der heide Rosen auf der Heide
durch ir glanz. durch ihren Glanz
der sante ich Vriderûnen Da gab ich Friederun
einen wolgetânen kranz. einen schöne gearbeiteten Kranz.


Die vogele in dem walde Die Vögel in dem Wald
singent wünneclîchen. singen herrlich.
stolze mägde, ir sult ein niuwez tîchen. Freudige Mädchen, ihr sollt etwas neues schaffen.
vreut iuch lieber mære! Freut euch an der Botschaft
maneges herzen swære Manches schweres Herzen
wil zergân. wird vergehen.
tuot, als ich iuch lêre, Tut, was ich euch sage.
strîchet iuwer kleider an! zieht eure Kleider an!


Ir brîset iuch zen lanken, Schnürrt euch die Kleider um die Hüften,
stroufet ab die rîsen! streift die Schleier ab!
wir sulnz ûf dem anger wol wikîsen. Wir sollen auf der Wiese tanzen,
Vriderûn als ein tocke Friederun tanzt wie eine Puppe,
spranc in ir reidem rocke in ihrem sich drehenden Rock
bî der schar: in der Menge umher:
des nam anderthalben Das beobachtete
Engelmâr vil tougen war. Engelmar sehr heimlich.


Dô sich aller liebes Als sich alle Liebenden
gelîch begunde zweien, so gleich begannen, sich zueinander zu gesellen
dô sold ich gesungen haben den reien, da sollte ich zum Tanz singen,
wan daz ich der stunde nur als ich das in dem Moment
niht bescheiden kunde ......
gegen der zît, ....
sô diu somerwünne so gibt die Sommerwonne
manegem herzen vreude gît. manchem Herzen Freude.


Nu heizent sî mich singen; Nun bitten sie mich zu singen;
ich muoz ein hûs besorgen, ich muss ein Haus suchen,
daz mich sanges wendet manegen morgen. damit ich dem Gesang .....
wie sol ich gebâren? Wie soll ich mich verhalten?
mirst an Engelmâren Mir ist an Engelmar
ungemach, ungemach,
daz er Vriderûnen dass er Friederun
ir spigel von der sîten brach. ihren Spiegel aus der Hand riss und brach.


VIa
Sîner basen bruoder Dem Bruder seiner Cousine
hiet sis wol erlâzen. hätte sie es wohl erlassen.
er kan sich deheiner dinge mâzen; Er kann sich irgendwelcher Dinge messen;
er ist ein tœrscher Beier. er ist ein dummer Bayer.
er und der junge meier Er und der junge Meier
tuont ir leit. tun ihr leid.
noch hât sî den vriunt, Noch hat sie den Freund,
der imz die lenge niht vertreit. der ..........


VIb
Dar umbe wil si aber Darum will sie aber
ein Engelmâr vertrîben. Engelmar vertreiben.
er ist ein gemzinc under jungen wîben. Er ist ein ungestümer Gemsbock unter den Frauen.
er ist ein ridewanzel, Er ist einer, der den Ridewanzel tanzt,
in dem geu vortanzel. bei dem Vortanzen.
sîn gewalt Seine Gewalt
der ist an dem reien die ist bei dem Tanz
under den kinden manicvalt. unter den Kindern verbreitet.


VIc
Daz ist Friderûne Das bedeutet für Friederun
ein lange werndiu swære ein lang währendes Lied
von Engelmâre dem tœrschen tanzprüevære, vor Engelmar .........
daz er ir torste lâgen. dass er an der Tür ihr auflauerte
daz klagtes al ir mâgen. beklagt sie.
umbe den schal Vor dieser Schale
solt dû dich nu hüeten, sollst du dich nun hüten
Friderûn! fluch gein Riuwental! Friederun ! Flüchte nach Reuental!


VId
Der het ir genomen Der hat ihr in einem Spiel
in schimphe ein tockenwiegel. eine Puppenwiege genommen
daz hiet wir verklagt, niewan den spiegel Das hätten wir ertragen, nur nicht den Spiegel
(der was von helfenbeine, (Der war aus Elfenbein,
wæhe, ergraben kleine), von Schönheit, freie graviert),
den sîn hant den seine Hand
ir nam gewalticlîche; ihr gewaltsam nahm;
dâ von al mîn vreude swant. davon schwand all meine Freude.


VIe
Ir sult mirz wol gelouben Ihr sollt es mir wohl glauben
ich sag iz niht gerne: ich sage es nicht gerne:
diu spiegelsnuor diu kom her von Iberne. Die Spiegelschnur kommt aus ....
ez was ein wæher borte. Es war eine schöne ....
niden an dem orte Am unteren Ende
stuonden tier befanden sich Tiere
geworht von rôten golde. mit rotem Gold.
nie geschach sô leide mir. Nie geschah mir so ein Leid.


VIf
Daz ich niht frœlîch singe, Dass ich nicht fröhlich singe,
daz wendet mir ein swære, bereitet mir Sorge
von der ich alsô gerne ledic wære. von der ich so gerne frei wäre.
dise dorfgebûwer Diese Dorfbauern
die nimt des gar untûwer: beschäftigen das nicht:
si tragent mir haz. Sie .........
ob si niht enwæren, Wenn sie nicht wären,
sô sunge ich für wâr fürebaz. würde ich besser singen.


VIg
Erkenbreht und Uoze Erkenbrecht und Uoze
und der ungenante, und der Ungenannte,
Gozbreht, der mich ofte sanges wante, Gozbrecht, der mich oft vom singen abhielt.
die sint nu gar gesweiget die sind nun stumm
unde ir freude seiget und ihre Freude neigt sich
hin unt her. hin und her.
ir schîbe, diu gienc ebene, Ihre Kugel , rollt gleichmäßig
diu ist gestrûchet nû entwer.


VIh
Frou Hilde und getelinge, Frau Hilde und ihre Gesellen,
die sprungen an ir hende, die tanzen Hand in Hand,
ir tanz der was dô âne missewende. ihr Tanz der war .....
nu habent sî erworben, Nun haben sie bekommen,
daz er ist verdorben. dass er verdorben ist.
ir üppekeit Ihr Übermut hat
ich wæn diu hât geprüevet wie ich glaube, Zeugnis abgelegt
in manec gespötte unde leit. mit Gespött und Lied