Benutzer:Natzwae

Aus MediaeWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

1. Übersetzung - Winterlied 10

I

Mittelhochdeutsch Übersetzung
Dô der liebe summer Als der liebe Sommer
ureloup genam, Abschied nahm,
dô mouose man der tänze da musste man die Tänze
ûfm anger gar verphlegen. auf der Wiese unterlassen.
des gewn sît kummer Das bekümmerte seither
des herre Gunderam: den Herrn Gunderam.
der muose ouch sîn gestränze Der musste nun auch seine Großtuerei
dô lâzen under wegen. unterlassen.
der ist bickelmeister disen winder: Er ist diesen Winter Bickelmeister.
oeder gouch ist in dem lande ninder; Einen so widerwärtigeren Toren gibt es im Land nirgends
sîn rûrnegazze kaphet zallen zîten wol hin hinder. Sein Gassenräumer reicht stets weit nach hinten.

II

Waz er an den meiden Was er sich bei den Mädchen
wunders dâ begât, für Dinge erlaubt,
ê daz mîn vrouwe Schelle und das bevor Frau Glocke
volende ir gebot! ihren Auftrag beendet!
erst vil unbescheiden, Er ist sehr dreist:
wan swehle er bestât denn jede, der er sich nähert
diu wirt von slegen helle schreit laut von Schlägen
und mîdende den spot; und meidete den Spot;
dâ von lâzen alle ir smutzemunden, Daher sollten alle das Scherzen lassen,
des die jungen niht verheln enkunden! das die Jungen nicht verhüllen konnten!
des hât ir hant von solher meisterschefte dicke enphunden. Deswegen hat ihre Hand von solcher Lehre/Anweisung oft leiden müssen.

III

Immer, sô man vîret, Immer, wenn man feiert
sô hebent sî sich dar machen sie sich auf
mit einer samenunge, mit einer Gesellschaft,
den ich wol schaden gan. denen ich wohl Schaden gönne.
Werenbreht der lîret, Werenbreht leiert
sô sumbert Sigemâr. und Sigemar trommelt.
daz in dâ misselunge, Dass ihnen das misslingt
daz laege et eben an! das wäre verdient.
daz sich doch vil lîhte mac verrîden: Kann sich doch sehr leicht alles verschlimmern:
wellents ir getelse niht verrîden, wollen sie mit ihrem Geklimper nicht aufhören,
sich mugen zwêne an mîner weibelrouten wol versnîden. können sich zwei beachtlich an meinem Schwert schneiden.

IV

Koeme ich zeinem tanze, Käme ich zu einem Tanz,
dâs alle giengen bî, wo alle vorbeikämen/teilnähmen,
dâ wurde ein spil von hende da würde ein Spiel beginnen
mit beiden ekken zuo. mit beiden Schwertschneiden.
lîhte geviele ein schanze, Vielleicht fiele eine Chance,
daz vor mit laegen drî. dass vor mir drei lägen.
ich hielte ez âne wende, Ich würden den Einsatz beibehalten.
verbüte ez einer vrou. Auch wenn es hart wäre.
sige und saelde hulfen mir gewinnen, Glück würde mir dazu verhelfen zu gewinnen
daz si halbe müesen dan entrinnen. dass sie halb davon laufen müssten.
nu ziehen ûf und lâzen in ir gogelheit zerinnen! Nun ziehen sie ein und lassen sich ihre 'gogelheit' vergehen!

V

Sîne weidegenge Seine Jagdzüge
die verewnt mich grâ lassen mich ergrauen/grau werden,
swenn er verwendeclîchen wenn er eitlen Hauptes
vür mîne vrouwen gât. vor meine Herrin tritt.
trîbet erz die lenge, Treibt er das lange,
bestât er danne dâ, und behält es bei,
man hilft im ûz der kcîhen, hilft man ihm aus ....,
daz er vil riuwic stât. dass er sehr traurig steht.
er und etelîcher sîn geselle, Wenn ich ihn oder einen seiner Gesellen
den ich tanzent an ir hant ersnelle, tanzend an ihrer Hand erwische,
des sî gewis, ich slahe in, daz sîn offen stât ein elle! kann er gewiss sein, dass ich ihn so schlage, dass ein ellengroßes Loch entsteht/überbleibt!

VI

Im hilft niht sîn treie Ihm hilft weder sein Wams
noch sîn hiubelhot; noch sein Helm.
ez wirt im in getrenket: Es wird Rache an ihm genommen,
er zuhte ir einen bal. hat er ihr doch eine Ball gestohlen.
erst ein toerscher leie; Er ist ein törichter Kerl.
sîn tumbelîcher muot Sein torenhafter Verstand
der wirt im dâ bekrenket. wird ihm noch weiter beschränkt.
wil er vür Riuwental Will er vor Riuwental
hin und her sô vil gewentschelieren, so viel hin und her streichen will,
er wirt wol zezeiset under vieren. wird er unter anderen wohl zerzaust.
her Werenbrecht, waz mag ich des, wirt im der umberieren? Herr Werenbrecht, was kann ich dafür, wird ihm auch etwas überbleiben?

2. Übersetzung - Sommerlied 4

I

Mittelhochdeutsch Übersetzung
Heid, anger, walt in fröuden stât. Heide, Acker, Wald sind freudenvoll.
diu hânt sich bereitet mit ir besten wât, Wie haben sich mit ihrem besten Gewand geschmückt,
die in der meie hât gesant. dass er Mai ihnen gesandt hat.
sǐ wir alle Sind wir alle
frô mit schalle! froh mit Jubel
sumer ist komen in diu lant. Sommer ist ins Land gekommen!

II

Wol ûz der stuben, ir stolzen kint, Raus aus der Stube, ihr Kinder,
lât iuch ûf der strâze sehen! hin ist der scherfe wint Lasst euch auf der Straße sehen! Hinfort ist der scharfe Wind
unde ouch der vil kalte snê und auch der eiskalte Schnee.
hebt iuch balde Macht euch bald auf
zuo dem walde! zu dem Wald!
vogelîn singent, den was wê Vöglein singen nach dem Schmerz.

III

Diu sint ergetzet leides gar. Sie sind für ihr Leid entschädigt.
ir sult mirz gelouben! nehmt sîn selbe war, Gaubt mir! Nehmt es selber wahr,
waz der sumer erzeiget hât! was der Sommer offenbart hat!
er wil rîchen Es reich machen,
sicherlîchen sicherlich,
manegen boum mit loubes wât. jeden Baum mit einem Laubkleid.

IV

Die nû vor grôzer huote megen Die es nun trotz aller Vorsicht vermögen
die suln balde ir bestez vîrtacgwant an legen, sollen sich bald ihr bestes Festtagskleid anlegen,
lâzen sich dar inne ersehen! und sich darin betrachten lassen!
wir suln schouwen Wir sollen erblicken
vor den ouwen vor unseren Augen
maneger hande bluomen brehen. manch einen Blumenglanz.

V

Swie Riuwental mîn eigen sî Auch wenn Reuental mein eigen ist
ich bin disen sumer aller sorgen frî ich bin diesen Sommer frei von allen Sorgen,
sît der winter ist dâ hin. seit der Winter vorbei ist.
ich wil lêren Ich will
die jungen êren die jungen Menschen lehren
freude: dar nâch stêt mîn sin. Freude zu achten: Danach steht mir der Sinn.

3. Übersetzung Sommerlied 18

I

Mittelhochdeutsch Übersetzung
"Uns wil ein sumer komen", "Zu uns wird bald ein Sommer kommen",
sprach ein magt: "ja han ich den von Riuwental vernomen. sprach ein Mädchen: "Ja, das habe ich von dem von Reuental vernommen.
ja wil ich in loben. Ja, ich will ihn preisen.
min herze spilt gein im vor vreuden, als ez welle toben. Mein Herz springt ihm vor Freude entgegen, als ob es verrückt werden würde.
ich hoer in dort singen vor den kinden. Ich höre ihn dort vor den Kindern singen.
jane wil ich nimmer des erwinden, Wahrlich, das will ich nie wieder missen,
ich springe an siner hende zuo der linden." ich springe an seiner Hand bis zu den Linden."

II

Diu muoter rief ir nach; Die Mutter rief ihr nach,
si sprach: "tohter, volge mir, niht la dir wesen gach! sie sprach: "Tochter, hör auf mich, handle nicht voreilig!
weistu, wie geschach Weißt du doch,
diner spilen Jiuten vert, alsam ir eide jach? wie es deiner Freundin Jiuten und ihrer Mutter letztes Jahr erging?
der wuohs von sinem reien uf ir wempel, Ihr wuchs der Bauch aufgrund seines Tanzes
und gewan ein kint, daz hiez si lempel: und sie bekam ein Kind, dass sie Lempel nannte:
also lerte er si den gimpelgempel." also lehrte er ihr seinen Tanz.

III

"Muoter, lat iz sin! Mutter, lass es sein!
er sante mir ein rosenschapel, daz het liehten schin, Er schickte mir einen Rosenkranz, der warf einen schönen Glanz
uf daz huobet min, auf meinen Kopf,
und zwene roten golzen brahte er her mir über Rin: und zwei rote Eisenhosen brachte er mir über den Rhein:
die trag ich noch hiwer an minem beine. die trage ich noch heute an meinen Beinen.
des er mich bat, daz weiz ich niewan eine. Was er mich bat, dass kennt kein anderer.
ja volge ich iuwer raete harte kleine." Ja, deshalb folge ich eurem Rate niemals."

IV

Der muoter der wart leit, Der Mutter war es leid,
daz diu tohter niht enhorte, daz si ir vor geseit; dass die Tochter nicht auf das hört, was sie ihr zuvor sagte.
iz sprach diu stolze meit: Da sagte das stolze Mädchen:
"ich han im gelobt: des hat er mine sicherheit. "Ich habe es ihm gelobt: deshalb hat er mein Treue.
waz verliuse ich da mit miner eren? Warum sollte ich denn damit meine Ehre verlieren?
jane wil ich nimmer widerkeren, Jawohl, ich will nie wieder zurückkehren,
er muoz mich sine geile sprünge leren." er wird mir seine glücklichen Sprünge beibringen."

V

Diu muoter sprach: "wol hin! Die Mutter sprach: "So geh!
verstu übel oder wol, sich, daz ist din gewin: dir wird es wohl oder übel so ergehen, schau, aber das ist dann dein Glück:
du hast niht guoten sin. du hast keine gute Menschenkenntnis.
wil du mit im gein Riuwental, da bringet er dich hin: Willst du mit ihm ins "Reuetal" gehen, dann bringt er dich dorthin:
also kan sin treiros dich verkoufen. So kann er deinen Tanz für sich verkaufen.
er beginnt dich slahen, stozen, roufen Er beginnt dich zu schlagen, zu schubsen, zu verprügeln
und müezen doch zwo wiegen bi dir loufen." und es müssen doch zwei Wiegen bei dir laufen.

4. Übersetzung Winterlied 24

I

Mittelhochdeutscher Text Neuhochdeutsche Übersetzung
Sumer, dîner süezen weter müezen wir uns ânen: Sommer, dein süßes Wetter müssen wir jetzt entbehren.
dirre kalde winder trûren unde senen gît. Dieser kalte Winter bringt uns nur Kummer und Leid.
ich bin ungetroestet von der lieben wolgetânen: ich kann nicht getröstet werden von der lieben Schönen:
wie sol ich vertrîben diese lange swaere zît Wie soll ich sie vertreiben, diese lange schwere Zeit,
diu die heide velwet unde mange bluomen wolgetân? die die Heide und die Blumenpracht welken lässt?
alsô sint die vogele in dem walde des betwungen, daz si ir singen müezen lân. Daher sind die Vögel im Wald dazu gezwungen, ihr Singen zu beenden.

II

Alsô hât diu vrouwe mîn daz herze mir betwungen, Genauso hat die Herrin mein Herz bezwungen,
daz ich âne vröude muoz verswenden mîne tage. dass ich meine Tage ohne Freude zubringen muss.
ez vervaehet niht swaz ich ir lange hân gesungen. Die Lieder, die ich ihr schon immer hab gesungen, nützen nichts.
mir ist alsô maere daz ich mêre stille dage. dies lehrt mich also, dass ich nun verstummen soll.
ich geloube niht des daz sî mannen immer werde holt. Ich glaube nicht, dass sie Männern jemals wieder zugeneigt sein wird.
wir verlisen, swaz wir dar gesingen unde gerûnen, ich und jener Hildebolt. Was wir für sie gesungen und geflüstert ist umsonst, ich und jener Hildebolt.

III

Der ist nû der tumbist under geilen getelingen, Der ist nun der dümmsten unter den kräftigen Gesellen.
er und einer, nennet man den jungen Willeher. er und einer, den man den jungen Willeher nennt.
den enkunde ich disen sumer nie von ir gedringen, den konnte ich den ganzen Sommer nicht von ihr drängen,
sô der tanz gein âbent an der strâze gie entwer. als der abendliche Tanz durch die Straßen zog.
mangen twerhen blic den wurfen sî mich mit den ougen an, So mach schiefen Blick warfen sie mir mit den Augen zu,
daz ich sunder mînes guoten willen vor in beiden ie ze sweime muose gân. dass ich entgegen meines guten Willens, vor den beiden hätte in die Luft gehen können.

IV

Wê, daz mich sô manger hât von lieber stat gedrungen Ach, dass mich so mancher hat weggedrängt von der Stätte der Liebe
beidiu von der guoten unde ouch wîlent anderswâ! beides, von der Guten und auch früher anderswo!
oedelîchen wart von in ûf mînen tratz gesprungen.
ir gewaltes bin ich vor in mînem schophe grâ. durch ihre Gewalt werde ich schon grau
iedoch sô neic diu guote mir ein lützel über schildes rant. Jedoch nickte mir die Gute zu, ein wenig über des Schildes Rand.
gerne mugt ir hoeren wie die dörper sint gekleidet: üppiclîch ist ir gewant. Gerne könnt ich rhören, wie die Bauern sind gekleidet: übertrieben ist ihr Gewand.

V

Enge röcke tragent sî und enge schaperûne, Enge Röcke tragen sie und schmale Mäntel
rôte hüete, rinkelohte schuohe, swarze hosen. rote Hüte, Schnallenschuhe, schwarze Hosen.
Engelmâr getet mir nie sô leide an Vriderûne Engelmar hat mich mit Friederun nie so beleidigt,
sam die zwêne tuont. ich nîde ir phellerîne phosen, wie diese beiden jetzt. Ich beneide ihre purpurfarbenen Taschen,
die sî tragent: dâ lît inne ein wurze, heizet ingeber. dies sie tragen: darin liegt eine Wurzel mit Namen Ingwer.
der gap Hildebolt der guoten eine bî dem tanze; die gezuhte ir Willeher. davon gab Hildebolt der Guten eine beim Tanz; das entriss ihr Willeher.

Va

Gern west ich, wie es die torpper unter einander trachten. Gern wüsste ich, wie es die Bauern miteinander aushalten.
sie trugen peckkelhauben, darczu lange swert. sie trugen Pickelhauben und dazu lange Schwerter.
ir spottigkeit, ir laster sie gar zu laster brachten: ihr Spot und ihr Schimpf brachte ihnen Schande
des wurdens durch die goller mer denn halb gewert. dessen wurden sie durch die Goller (Halskrause/ Schmuck) mehr als halb (vergegenwätigt/gezeigt/...)
sie stritten mit einander einen ganczen summer langen tag. Sie stritten miteinander den ganzen langen Sommertag.
das ir geläße sahe herre Neithart, do er in dem vas bey dem wein lag. so dass Herr Neidhart ihr Benehmen sah, als er in dem Fass bei dem Wein lag (?)

VI

Sagte ich nû diu maere wie siz mit ein ander schuofen, Sollte ich die Geschichte erzählen, wie sie miteinander schliefen
des enweiz ich niht: ich schiet von danne sâ zehant. so weiß ich das nicht: ich machte mich alsbald auf den Weg.
manneglîch begunde sînen vriunden vaste ruofen. Jedermann begann, laut nach seinen Freunden zu rufen.
einer der schrei lûte: "hilf, gevater Weregant!" Einer schrie laut: „Hilf, Vetter Weregant!“
er was lîhte in grôzen noeten, dô er sô nâch helfe schrê. Er war womöglich in großer Not, das er so nach Hilfe schrie.
Hildeboldes swester hôrte ich eines lûte schrîen: "wê mirmînes bruoder, wê!" Hildebolds Schwester hörte ich lauthals schreien: „Ach mein Bruder, weh!“

VIa

Do kam schiere ein getelinc geloufen von dem strite; Da kam plötzlich ein Bauernbursche vom Streit angelaufen;
den fragt ich der maere. "Willeher mit ellen streit. den fragte ich nach den Geschehnissen: „Willeher schlägt mit Ellen
Hildeboltes schapperun der ist zerzerret wite Hildebolts Mantel ist in Stücke gerissen
und dar zuo sin enger roc wol drier spannen breit." und noch dazu ist sein enger Rock nun dreimal so breit.“
daz geschach umb eine wurzen, die man uz der hende ir brach. dies alles geschah im Streit um eine Wurzel, die man ihr aus der Hand entriss.
des engalt vil mangiu spaehiu hube, die man bi dem tanze zerzerret ligen sach. Das galt vielen, _____ _____ hauben (?), die man beim Tanz zerissen liegen sah.

VII

Wâ bî sol man hine vüre mîn geplätze erkennen? Wie soll man meine Geschwätz/Geklimper zukünftig als das meine erkennen?
hie envor dô kande man iz wol bî Riuwental. Bis jetzt kannte man es unter Reuental.
dâ von solde man mich noch von allem rehte nennen. Danach sollte man mich noch mit allem Recht nennen.
nust mir eigen unde lêhen dâ gemezzen smal. Doch jetzt sind mein Eigentum und mein Lehen von geringer Zahl.
kint, ir heizet iu den singen, der sîn nû gewaltic sî! Mädchen, lasst den für euch singe, der jetzt dort mächtig ist.
ich bin sîn verstôzen âne schulde: mîne vriunt, nû lâzet mich des namen vrî. Ich wurde verstoßen, ohne mein Verschulden: meine Freunde, nun befreit mich von dem Namen!

VIII

Ich han mines herren hulde vloren ane schulde: Ich hab meines Herren Ansehen verloren, ohne Schuld:
da von so ist min herze jamers unde turens vol. Davon ist mein Herz voller Kummer und Leid.
richer got, nu rihte mirz so gar nach diner hulde, großer Gott, richte mich nach deiner Gnade,
manges werden friundes daz ich mich des anen sol! dass ich so vieler Freunde beraubt werden soll!
des han ich ze Beiern lazen allez, daz ich ie gewan, Ich hinterlasse in Bayern alles, was ich je besaß,
unde var da hin gein Osterriche und wil mich dingen an den werden Osterman. und ziehe von dannen gen Österreich und will mich zuversichtlich wenden an den Österreicher.

IX

Mîner vînde wille ist niht ze wol an mir ergangen: Die Absicht meiner Feinde, hat sich an mir nicht erfüllt:
wolde ez got, sîn mähte noch vil lîhte werden rât. wenn Gott es wollte, würden sie noch weniger ausfallen.
in dem lande ze Oesterrîche wart ich wol enphangen Im Land Österreich wurde ich wohl empfangen
von dem edeln vürsten, der mich nû behûset hât. von dem edlen Fürsten, der mir nun ein Heim/Haus geschenkt hat.
hie ze Medelicke bin ich immer âne ir aller danc. Zur Medelicke bin ich trotz allem hier.
mir ist leit, daz ich von Eppen und von Gumpen ie ze Riuwental sô vil gesanc. Ich bin es leid, dass ich je von Eppen und von Grumpen zu Reuental gesungen habe.

IXa

Her Nithart hat uns hie verlazen als diu kra den stecken, Herr Neidhart hat uns hier verlassen wie die Krähe den stecken,
diu da hinne fliuget unde sitzet uf ein sat. die davon fliegt und sich auf einem Feld voll Saat niederlässt.
ez sol ein man mit fremden frouwen niht ze vil gezecken, Es soll ein Mann mit fremden Frauen nicht zu viel zu tun haben,
der der waren schulde an siner keine vunden hat. der seiner eigenen keine ____ hat.
er niez sin tegeliche spise (der hat er da heime genuoc), er soll bleiben bei seiner (all)täglichen Speise (davon hat er daheim genug),
laz Hildebolten mit gemache! ez was ein eichel, die er bi im in dem biutel truoc. lass Hildebolden in Ruhe! Es war eine Eichel, die er in seinem Beutel trug.

X

Rädelohte sporen treit mir Fridepreht ze leide, Radrunde Sporen trägt Fridebrecht mir zu leide,
niuwen vezzel hat er baz dan zweier hende breit. sein neuer Schwertgurt war mehr als zwei Hände breit.
rucket er den afterreif hin wider ûf die scheide, Wenn er den Hinterreif zurück auf die Scheide schiebt,
wizzent, mîne vriunde, daz ist mir ein herzenleit! dann wisst, meine Freunde, dass es mir im Herzen schmerzt!
zwêne niuwe hantschuoh er unz ûf den ellenbogen zôch. Ein paar neue Handschuhe zof er bis zu den Ellenbogen hoch.
mugt ir hoeren wie der selbe gemzinc von der lieben hiuwer ab dem tanze vlôch? Wollt ihr nun hören, wie dieser Ziegenbock von der Lieben während des Tanzes floh?

Xa

Er gap versengelt wol, rehte als im waer an gebunden Er floh so schnell, als wäre ihm eine
ein swines blase, also man den wilden hunden tuot. Schweinsblase angebunden, wie man es mit wilden Hunden tut.
ofte brach er sinen zelt, als si doch wol befunden, Oft fiel er aus dem Passgang
Hatze und Pletze und jeniu ir gespile Hademuot.
fraget Endeltruten, wiez laeg umbe ir bruoder Fridebreht! Fragt Engeltrut, wie es um ihren Bruder Fridebrecht steht!
"ach ach, er hat verrenket sich vor vorhte", also hat si mir geseit,"der toersche kneht." „Ach, er hat sich fast verrenkt vor Furcht“, so hat sie mir gesagt, „so ein törichter Knecht.“

Xb

Sach ab ieman jenen mit der gickelvehen täcken?
die tregt er uf der hende und klopfet uf sin niuwez swert:
da mite er uns des nahtes ab der gazzen wil erschrecken.
der selbe dünket sich noch mer san drier bonen wert,
als er danne geruzet unde gedraeset, der vil übele man,
und im sin täcke ringeleht erklinget dem geliche, als er trage ein goller an.

5. Übersetzung: Winterlied 13

I

Mittelhochdeutscher Text Neuhochdeutsche Übersetzung
Wi überwinde ich beide Wie kann ich beides überwinden
mîn líep únd die súmerzît? meine Liebe und die Sommerzeit?
ine kan die wolgetânen schiere niht verklagen. Ich kann so schnell nicht aufhören um diese Schönheit zu klagen.
von sô grôzem leide, Von so großen Kummer,
mir ríuwe âne vröude gît, der mir Betrübnis ohne Freude bringt,
trûre ich wol von schulden nû ze disen trüeben tagen, leide ich gewiss begründet nun an diesen trüben Tagen.
di uns den winder kündent, der uns manger vröude roubet. Die verkünden uns den Winter, der uns mancher Freude beraubt.
sanges habent sich diu kleinen vogelîn geloubet: Den Gesang haben die kleinen Vögel aufgegeben,
alsô möhte ich wol mit mînem sange stille dagen. ebenso möchte ich mit meinem Gesang verstummen.

II

Sol mich niht vervâhen Soll mich nicht erfassen
mîn trôst únd mîn líeber wân, mein Trost und meine Hoffnung,
sô enweiz ich, waz genâden ich mich troesten mac. so weiß ich nicht, welche Gnade mich noch zu trösten vermag.
wol mac ir versmâhen Wohl mag sie verschmähen,
mîn díenést, den ích ir hân meinen Dienst, den ich ihr seit langer Zeit
lange her geleistet und des ie mit triuwen phlac. geleistet habe und den ich treu pflegte.
alsô phlaege ichs immer gerne, möhte ich des geniezen, So pflegte ich es immer gerne, ich möchte es genießen,
sô daz mich die dörper mínes lônes iht verstiezen. sodass mich die Dörper meines Lohnes nicht berauben.
des ist Uoze grîfic und sîn rûher schavernac. Danach giert Uoze mit seinem rauen Unsinn.

III

Engelwân und Uoze Engelwan und Uoze
die zwênè sint mír geház die zwei sind mir verhasst.
(schaden unde nídes muoz ich mich von in versehen) (vor deren Schaden und Neid muss ich mich vorsehen)
und der geile Ruoze: under der übermütige Route
wie tíuwèr er sích vermáz, wie ungehörig wertvoll er sich gab
der bestüende mich durch sí! die drîe widerwehen der mich um ihretwillen herausgefordert hat. Die drei Widersacher
râtent unde brüevent, daz ich ane lôn belîbe. berieten und erwägten, damit ich ohne Lohn bliebe.
niht envolge ir lêre, vrouwe, liebist aller wîbe! Folgt nicht ihren Lehren, Herrin, schönste aller Frauen!
lone mîner jâre; lâz in leit an mir geschehen! Belohne meine Jahre; lass mir kein Leid geschehen!

IV

Vrouwe, dîne güete Herrin, deine Güte
di erkénne ìch sô mánicvált, die sehe ich so vielfältig,
daz ich liebes lônes von dir noch gedingen hân. sodass ich auf der Liebe Lohn noch hoffen kann.
daz mich ie gemüete, Was mich stets beschäftigt
die spränzlér und ír gewált, sind die Bauern und ihre Gewalt,
daz was mit den bluomen hin. nu wil mir Engelwân da war es mit den dahin. Nun will mir Engelwan
dîne hulde verren: daz im müeze mísselingen, deine Zuneigung entziehen; das muss ihm misslingen,
sô daz hundert swert ûf sînem kophe lûte erklingen! so dass hundert Schwerter auf seinem Kopf erklingen!
snîdent sî ze rehte, sî zerüttent im den spân. Schneiden sie recht, verderben sie ihm seine Locken.

V

Seht an Engelwânen, Seht Engelwan an,
wie hôhe ér sîn hóubet tréit! wie hoch er den Kopf trägt!
swanne er mit gespannem swerte bî dem tanze gât, wenn er mit angeschnalltem Schwert zu dem Tanz geht,
sô ist er niht âne so ist er nicht ohne
der vlaemìschen höveschéit, die flämische Manier
dâ sîn vater Batze wênic mit ze schaffen hât. mit der sein Vater wenig zu schaffen hat.
nu ist sîn sun einoeder gouch mit sîner rûhen hûben: Nun ist sein Sohn ein einsamer Narr mit seiner rauen Haube
ich gelîche sîn gephnaete ze einer saten tûben, Für mich gleicht seine Aufgeblasenheit einer satten Taube,
diu mit vollem krophe ûf einem korenkasten stât. die mit vollem Kropf auf einem Kornspeicher sitzt.

VI

Swer in siner tougen Wer in seinem Innersten
ie liep ode leit gewan, je Lieb' oder Leid gewann,
dem sint mine sorgen und min kumber wol bekant. dem sind meine Sorgen und mein Kummer wohl bekannt.
sit ich minen ougen Seit ich meinen Augen
den stic niht verbieten kan, den Weg (Das Wandern) nicht verbieten kann
si enblicken hin, da Rouze tanzet an ir hant, blicken sie hin, wenn Rouze an ihrer Hand tanz,
so verlaze ich kume, deich mich selben niht enroufe: da geht es nur mit Mühen, dass ich mich selbst nicht raufe:
solhen wehsel nement, die da minnent, an ir koufe. Solch einen Wechsel nehmen die in Kauf, die begehren.
Minne, la mich vri! mich twingent sere diniu bant. Minne lass mich frei! Mich erdrücken deine Fesseln.

VII

Minne, dine snüere Minne, deine Fesseln
die twingent daz herze min, sie erdrücken mein Herz,
daz ich han ze strite wider dich deheine wer. dass ich im Streit gegen dich niemand wär.
swie verholne ich rüere Sowie ich heimlich anschlage
den zimbel der zelle din, das Glockenspiel in deiner Kammer,
so bin ich betwungen des, daz ich dir hulde swer. bin ich gezwungen dir die Treue zu schwören.
vrouwe Minne, din gewalt ist wider mich ze strenge; Herrin Minne, deine Gewalt über mich ist zu streng,
küneginne, diner ungenade niht verhenge, Königin, lass deiner Ungnade an mir nicht freien Lauf,
daz si mich verderbe! ja ist si über mich ein her. dass sie mich verdirbt! Ja sie ist Herr über mich.

6. Übersetzung: Winterlied 1

I

Mittelhochdeutscher Text Neuhochdeutsche Übersetzung
Winder, uns wil din gewalt Winter, deine Gewalt will uns
in die stuben dringen in die Stuben dringen
von der linden breit: von der großen Linde weg.
dine winde die sint kalt. Deine Winde, die sind kalt.
lerche, la din singen! Lerche, lass dein Singen!
dir hat widerseit Dir haben zugesetzt;
beide rife und ouch der sne; beide, Reif und auch der Schnee;
du muost stille swigen: Du musst still schweigen:
so klag ich den grüenen kle. so beklage ich den grünen Klee.
meie, ich wil dir nigen; Mai, ich will mich vor dir verneigen,
mir tuot der winder we. mir tut der Winter weh.

II

Tanzet, lachet weset vro! Tanzt, lacht, seid froh!
daz zimt wol den jungen Das passt wohl den Jungen
disen winder lanc. in diesem langen Winter.
iu ze stiuwer gibe ich so Als Steuer gebe ich dazu
hiwer von miner zungen dieses Jahr, von meiner Zunge,
einen niuwen sanc, einen neuen Gesang,
daz ir ane swaeren muot damit ihr ohne schweres Gemüt
vreude mugt erbiten. Freude erwarten könnt.
Engelmar, din stube ist guot: Engelmar, deine Stube ist gut:
küele ist an der liten. kühl ist es an dem Berghang.
der winder schaden tuot. Der Winter richtet Schaden an.

III

Etzel, Ruoze und Adelber Etzel, Ruoze und Adelber
und der geile Rüele und der übermütige Rüele
zesamen hant gesworn haben sich alle verschworen
alle uf einen dörper her: gegen einen Dörper:
derst von Witenbrüele Der ist von Witenbrüele
und brüevet grozen zorn. und hegte großen Zorn.
daz enkunde ich e noch sit Das erfuhr ich, doch konnte
nie voltagedingen nie schlichten.
Rüele enwolte enwiderstrit Rüele wollte um die Wette
an dem reien springen: beim Reigentanz springen:
daz was Lanzen nit. da wurde Lanze wütend/fuchsteufelswild.

IV

Lanzen einen treien treit, Lanzen ,
diu ist von barchane, der ist aus Barchan,
grüene also der kle. grün so wie der Klee.
ze wige hat er sich bereit: Er hat sich auf den Streit vorbereitet:
er lebet in dem wane, Er lebt in dem Glaube,
daz im niht widerste. dass ihm nichts widersteht.
dar in er gesteppet hat Da er es gepolstert hat,
ein guot isnin hemde ein gutes eisernes Hemd.
limmende als ein ber er gat; Knurrend wie ein Bär geht er,
guot muot ist im vremde. ein guter Wille ist ihm fremd.
erst kint, der in bestat. Er ist ein Kind (einfältig), der ihn bestätigt

IVa

Lanze der hat noch die frünt, Lanze hat noch die Eigenschaft,
die in niht enlazen, die ihn nicht loslässt,
swie gar er si ein kint. zu sein wie ein Kind.
dri han ich iu schiere gekünt, Drei habe ich gleich erkannt,
die im uf der strazen die ihm auf der Straße
bigestendic sint: beigestanden sind.
Isenbolt und Isenhart Isenbolt und Isenhart
und der junge Vrite. und der junge Vrite.
Rüele der wart nie so zart, Rüele, der war nie so vertraut.
er waer an dem strite Er wurde bei dem Streit
ze verhe wol bewart. wohl verschont.

IVb

So laz wirs vehten umb den lip. So lassen wir das Streiten um den Mensch.
und ge wir zuo dem tanze: Und wir gehen zu dem Tanz:
da spring wir schone enbor. Dort springen wir schön empor.
nu wol uf, meide und jungiu wip, Nun wohl auf, Mädchen und junge Weiber,
Afra, Englin, Franze, Afra, Englin, Franze,
diu wil uns singen vor. die wollen uns vorsingen.
Metze beit..... Metze zögert.....
und kumet Adelheite und kommt Adelheit
und über ..... Engellint und über ..... Engellint
und Irmengart gemeite, und die fröhliche Irmengart,
daz sint gar schoeniu kint. das sind gar schöne Mädchen.

7. Übersetzung: Winterlied 27

I

Mittelhochdeutscher Text Neuhochdeutsche Übersetzung
Mirst von herzen leide, Es ist mir von Herzen leid,
daz der küele winder dass der kühle Winter
verderbet schoener bluomen vil: so viele schöne Blumen verdirbt.
so verderbet mich ein senelichiu arebeit. Ebenso verdirbt mich eine Sehnsucht.
dise sorge beide Diese beiden Sorgen
dringent mich hin hinder drängen mich nach hinten
ze ende an miner vreuden zil. zum Ende meiner Freuden Ziel.
owe, daz diu guote mit ir willen daz vertreit, Weh, dass die Gute dies mit ihrem Willen vertritt,
sit si wol geringen mac vermag sie doch
alle mine swaere! alle meine Leiden zu verringern!
hei, gelebte ich noch den tac, Hei, erlebte ich noch den Tag,
daz si gnaedic waere! dass sie mir gnädig wäre!

II

Swenne ich mich vereine Sobald ich allein bin
unde an si gedenke, und an sie denke
waer inder wibes güete da, würde die Frau Güte besessen,
diune haete sich so lange bi ir niht verholn. die sich so lange nicht bei ihr erwerben ließ.
sit si lonet kleine Seit sie nur wenig
miner niuwen klenke, meine neuen Klänge lohnt,
wan mag ich dienen anderswa? wann kann ich woanders dienen?
nein, ich wil mit willen disen kumber langer doln. Nein, ich will (gewiss) diesen Kummer weiter ertragen.
waz, ob noch ein saelic wip Was, ob noch eine vollkommene Frau
gar den muot verkeret? nicht doch noch ihre Meinung ändert?
vreu min herze und troeste den lip! Erfreue mein Herz und tröste meinen Körper!
diu zwei diu sind geseret. Die zwei die sind verwundet.

III

Zuo dem ungemache, Zu dem Unheil
den ich von ir lide, das ich von ihr leide,
so twinget mich ein ander leit, erdrückt mich noch ein anderes Leid,
daz vor allem leide mich so sere nie betwanc, das mich vor allen anderen noch nie so sehr bedrängte,
swiech dar umbe lache wenn ich auch darüber lache
und gebare blide: und mich heiter gebe:
mir hat ein dörper widerseit Ein Dörper widersetz sich (mir)
umb anders niht wan umbe den minen üppeclichen sanc. um nichts anderes als meinen prachtvollen Gesang.
derst geheizen Adeltir, Der heißt Adeltir,
bürtic her von Ense, gebürtig aus Ense,
zallen ziten drot er mir Zu aller Zeit droht er mir
als einer veizten gense. wie eine(r) gemästeten Gans.

IV

Hiwer an einem tanze Vor Kurzem bei einem Tanz
gie er umbe und umbe. ging er rundherum
den wehsel het er al den tac: Den Wechsel machte er den ganzen Tag:
glanziu schapel gap er umbe niuwiu krenzelin. glänzenden Kopfschmuck und neue Kränze gab er umher.
Etzel und Lanze, Etzel und Lanze,
zwene knappen tumbe, zwei törichte Knappen,
die phlagen ouch, des jener phlac. taten auch was jener tat.
Lanze der beswaeret ein vil stolzez magedin: Lanze, der bedrängte ein sehr stattliches Mädchen:
eine kleine risen guot ein zartes Band
zarte er ab ir houbet, zerrte er ihr vom Kopf
dar zuo einen bluomenhuot: dazu auch einen Blumenhut (-kranz):
wer het im daz erloubet? Wer hat ihm das erlaubt?

V

Owe siner hende! Wehe seinen Händen!
daz si sin verwazen! Sie sollen verflucht sein!
die vinger müezen werden vlorn, Die Finger müsste er verlieren
da mit er gezerret hat den schedelichen zar! da er mit ihnen den Kranz entrissen hat!
hiete er ir gebende Hätte er ihr Band
ungezerret lazen, unversehrt gelassen,
daz kränzel hiete ouch si verkorn. den Kranz hätte sie noch verschmerzen können.
er ist ungevüeger danne wilen Engelmar, Er ist noch ungestümer/ unhäflicher als es einst Engelmar war,
der gewalticlichen nam als er gewaltsam
den spiegel Vriderune, den Spiegel Friederuns nahm.
des bin ich dem dörper gram, Deshalb bin ich mit den Dörpern zornig
dem selben Walberune.

VI

Dise alten schulde Diese alte Schuld
wecket mir diu niuwe: weckt in mir die Neue:
ez hat ein geiler getelinc Es hat ein übermütiger Geselle
hiwer an mir erwecket, swaz mir leides ie geschach. in mir wiedererweckt, was für ein Leid mir geschah.
e ichz langer dulde, Eh ich es länger erdulde,
set des mine triuwe, nehmt mich bei meiner Ehre,
gespringe ich zuo zim in den rinc, springe ich zu ihm in den Ring,
er bestat sin buoze, daz er ir ze vrouwen jach, er wird es büßen, dass er die Dame beansprucht
der ich lange gedienet han der ich lange,
der mit ganzer staete! beständig gedient habe!
wolde er si geruowet lan, Würde er sie in Ruhe lassen,
wie rehte der danne taete! wie richtig er dann handeln würde!

VII

We, waz hat er muochen! Weh, was hat er für Flausen! (Weh, was bildet er sich ein!)
si kumt im niht ze maze. sie ist für ihn nicht passend/ zu viel/gut
zwiu sol sin pineclich gebrech? Was soll sein peinlicher Lärm?
im enmac gehelfen niht sin hovelich gewant. Ihm kann auch nicht sein höficher Aufzug helfen.
er sol im eine suochen, Er soll sich eine suchen
diu in werben laze. die ihn werben lässt (um sich werben)
diu sinen roten buosemblech Sein roter Brustpanzer
diu sint ir ungenaeme gar, dar zuo sin hiufelbant. ist ihr unangenehm, genauso wie sein ____
enge ermel treit er lanc, Enge, lange Ärmel trägt er,
die sint vor gebraemet, vorne mit Spitze/Perlen,
innen swarz und uzen blanc. innen schwarz und außen weiß.
mit siner rede er vlaemet. Er flämelt, wenn er redet.

VIIa

Siner snüere strangen Seine langen Schnüre
tengelnt an den orten: hängen ________:
da hanget wunder pfeffers an, daran sind besondere Pfeffer/Gewürze
muscat, negele, pfawenspiegel: dest der dörper glanz. Muskat, Nelken, Pfauenkraut: das ist der Stolz/Reichtum der Dörper
er wil überdrangen Er will überwältigen
ein meit mit süezen worten, ein Mädchen mit süßen Worten,
des im doch niht gehelfen kan Dabei kann ihm auch nicht helfen
sin üppiclich gewant und dar zuo sin vil waeher swanz. sein prachtvolles Gewand und seine wehende Schleppe (?).
ein vil guotez linin tuoch, Aus einem sehr guten Leinentuch,
sehzehn elen kleine, sechzehn Ellen klein,
hat sin hemde und ouch sin bruoch: ist sein Hemd und auch seine Hose:
der site ist ungemeine. die passen nicht zusammen.

VIIb

Her Nithart, mugt irz lazen? Herr Neidhart, wollt ihr's lassen?
iu mac misselingen. Euch wird es misslingen.
nu habt ez uf die triuwe min. Vertraut auf meine Treue/ Ich gebe euch mein Wort
und mag ich, ez muoz iu bi dem tanze werden leit! möchte ich es, wird es euch beim Tanze ein Leid.
welt ir uf der strazen Wollt ihr uns auf der Straße
vil mit uns gedringen, wegdrängen
swie breit ab iuwer multer sin, wie breit auch euer Brustpanzer ist,
da gelpfe schinet under iuwer ringelehte pfeit, und wie glänzend auch euer Kettenhemd scheint,
und sult ir sin der tiuvel gar solltet ihr sogar der Teufel selbst sein
mit iuwerm glitzeden huote, mit eurem glitzernden Hut/Helm
zware ich mache in bluotes var gewiss ich färbe blutig
mit minem swerte guote. mein gutes Schwert.

VIIc

"Nu dar, ziere gesellen, "Nun wohl, schmucke Gesellen,
nu stat mir algeliche, nun steht mir bei!
helfet, daz wir in bestan, helft, dass wir gegen den bestehen
der uns bi dem tanze mit gemache niht enlat! der uns beim Tanze nicht in Frieden lässt!
ich truwe in wol ervellen", ich vertraue, dass ich ihn zu Fall bringen werde.",
so sprach Amelriche; so sprach Almerich;
"die hant die muoz er mir hie lan, "Die Hand, die muss er mir hier lassen,
da der spreckelehte vogel oben ufe stat, die den gesprenkelten Vogel oben auf sitzen hat,
und dar zuo den zeswen fuoz, und dazu den rechten Fuß
dar an der spore klinget. an dem die Sporen klingelt.
ja geschaffe ich mir sin buoz, Ja so verschaffe ich (mir) Abhilfe,
daz er von uns niht singet." so dass er vor uns nicht singt."

8. Übersetzung: c1

I

Mittelhochdeutscher Text Neuhochdeutsche Übersetzung
Der swarcze dorn ist worden weis, Der schwarze Dorn ist weiß geworden
nun hat der maie seinen vleis nun hat der Mai seinen Fleiß
geleget an den anger, am Acker ausgelebt
gar zergangen ist der schne, der Schnee ist komlett geschmolzen
man siht hewer aber als ee man sieht mehr noch als früher
die liechten plumblein swanger, die leuchtenden Blümlein.
der maie hat die veld gar schön beseczet Der Mai hat die Felder so schön beschenkt
mit gamillen plumlein fein, mit feinen Kamillenblumen.
fro so singen die vogelein, Fröhlich singen die Vögelein,
irs laids sind sie ergeczet. weil sie von ihrem Leid erlöst sind.

II

Da für ich lob die rainen weib, Dafür lobe ich die reinen Frauen,
der wolgetraut globter leib deren wohlgestalteter, gelobter körper
kan pringen hoch gemüte. Frohsinn bringen kann.
die sich vor valsche hand behüt, Die sich vor falschen Händen hüten,
die lob ich für alles gut, die lobe ich über alles
so wol dir, weibes gute! also wohl dir, gute Frau!
weib, behalt dein er, das will ich dir raten, Frau, behalte deine Ehre, das will ich dir raten,
durch dein frölich weiplich zucht, durch deine fröhliche, weibliche Art,
weib, du auserwelte frucht, Frau, du auserwählte Frucht,
la tüme minner braten! lass uns weniger reden.

III

Nun sung ich gern der frawen mein, Während ich gerne sang für meine Frau
so irret mich ein ander pein, da störte mich ein anderes Leid,
ich sahe die dörper raien Ich sah die dörper reien/tanzen
gar uppiglichen auf dem plan, ganz übertrieben auf dem Platz
baide, frawen unde man, beide, Frauen und Männer
die empfingen schön den maien. empfingen freudig den Mai.
her langer Lancze, daz sult ir mir rechnen, Herr lange Lanze, das sollt ihr mir büßen
darczu so clag ich euch, herr Pflug, dazu klage ich euch, Herr Pflug
ir rechet mir diesen ungefug, ihr büßt mir diesen Unfug,
das in ir rücken brechen. dass euch euer Rücken bricht.

IV

Ich kam dohin gein Zeisselmaur, Ich kam dahin richtung Zeisselmauer,
die fart ward mir eins tails zu sawer, die Fahrt war mir teils zu beschwerlich
ich hört da fremde mere, dort hörte ich fremde Geschichten,
do fand ich einen lobetancz fand dort einen Lobestanz
und von rosen mangen krancz, und so manchen Rosenkranz,
zergangen was mein swere. und vergangen war meine Schwere.
ich zogt zu einem wirte, der was ziere, Ich ging zu einem Wirt, der war prächtig,
des ward Engelmair gewar, es war der tüchtige Engelmar,
elen weit was im sein har, ellenlang war sein Haar,
da hin so eilt er schiere. er eilte sogleich.

V

zu vierczig gättelingen gut, Vierzig gute Burschen,
uppiglich stund in ir mut, übermütig in ihrem Stolz,
die tanczten bei der linden. die tanzten bei der Linde.
er sprach: "herr Neithart der ist hie, Einer sprach: "Herr Neidhart ist hier,
der uns gespöttes nie erlie, der uns sein Gespött nie erlässt.
wol auf, das wir in finden. Los auf, dass wir ihn finden.
ir solt euch keines argen gedencken, Ihr sollte euch keine Gedanken machen,
ir get mir züchtiglichen nach, ihr geht mir brav/ordentlich nach,
auch seit zu fechten nicht zu gache, und seid euch auch zum Fechten nicht zu schade
wir sond im frolich schencken." wir sind ihm fröhlich____"

VI

Vierczig käntelin mit wein Vierzig Krüge mit Wein
sie trungen in ein gertelein, trugen sie in ein Gärtchen,
gar gros was ir geraisse: gar groß war ihr ______:
"seit got wilkum, herr Neidhart, "Seid herzlich Wilkommen, Herr Neidhart,
euch sei geschenckt an diser fart." seid beschenkt auf dieser Fahrt."
ich saß in einem swaisse, Ich saß da im Schweiß,
ich sprach: "ich pin dem Neidhart ungeleiche, ich sprach:" Ich bin nicht Neidhart
ich pin ein jeger, mir ist zorn, ich bin ein Jäger, es ist mir ein Zorn
ich hab die hunde sein verlorn, ich hab seine Hunde verloren,
des fursten von Osterreiche." die des Fürsten von Österreich."

VII

Engelmair in da gepot Engelmar gebot da,
bei dem leben an den todt, bei Leben und Tod,
das sie sich saczten alle. dass sich alle se´tzen sollen.
so zuhant da schnackt man ein Sofort schenkte man ein
den vil klaren osterwein, den so klaren Osterwein,
den truncken sie mit schalle. den sie mit Freude tranken.
er sprach: "und wolt ir gogelfur erkennen, Er sagte:" Und wollt ihr Ausgelassenheit sehen
so siczt und seit ein frolich man, so setzt euch und seid ein fröhlicher Mann,
ich hilf euch mit gemach hin dan, ich werde euch dabei helfen,
wolt ir mich nimer nennen." wenn ihr mich niemehr nennt."

VIII

"Dir sei gelobet an die hant: "Ich gelobe es an der Hand:
du wirst von mir nicht mer genant, du wirst von mir nicht mehr genannt,
was ich will furbas singen, was ich von nun an singe,
und auch was ich gedichten kan, und was ich auch dichten kann,
du haist der ungenante man, du hei0t (darin) der ungenannte Mann,
du solt frolichen springen, du sollst fröhlich springen,
und hais die öden schaiden aus dem garten." und die Öden (?) aus dem Garten schicken."
"wol auf, ir herrn, wir sollen gan "Wohl auf ihr Herren, wir sollen gehen
gar zuchtiglichen auf den plan ganz züchtig auf den Platz
und dienen frauen zarten." und den zarten Frauen dienen."

IX

Die verswunden so zuhant, Sie verschwanden sogleich,
do bracht man mir ein gut gewant, da brachte man mir ein schönes Gewand,
das must ich dannen furen. bevor ich von dannen fahren musste.
darczu so gabns mir ein pfert, Dazu gaben sie mir ein Pferd,
das was wol dreissig pfunde werdt da wohl dreißig Pfund wert war,
und zeltet nach den schnüren. und aufs Wort folgte.
des danckt ich schon den manen und den frawen Dafür dankte ich den Männern und Frauen
und rait daczu in auf den plan, und ritt zu ihnen auf den platz,
da mochten silben hundert stan, da mochten siebenhundert stehen
die mich begunden schawen. die mich begannen anzuschauen.

X

Auf die rais so was mir gah, Auf der Reise geschah es so
mir ward ein michel kaffen nach
von liechten augen schöne. eine Schöne mit leichten Augen
Friderunen näckelin, Friderun nackt.
das gab fur die andern schein, Das macht für die anderen den Eindruck,
mit lob ichs imber kröne. dass ich es mir mit Lob kröne.
ich rait gein Wien und sagt die abenteure, Ich ritt gen Wien und erzählte von den Abenteuern
wie sie mir alle trügen has, wie sie sich mir zugetragen haben,
da ich in dem garten saß, als ich jedoch in dem Garten saß
iedoch ward mir ir stewre. wurde es mir _____

XI

Der herczog sandt gein Zeisselmaur, Der Herzog schickte mich gen Zeisselmauer
er lie frei den selben pauer er ließ den selben Bauern
und all sein hausgenossen. und all seine Hausgenossen frei.
des ward fro der Engelmar, Das machte Engelmar froh,
der mir half frölich von der schar der mir fröhlich von der Schar half
wol auf des reiches strassen. die auf den Straßen des Reiches waren.
und Engelmar will ich in nimer nennen, Und Engelmar will ich nicht mehr nennen,
er haist der ungenannte man, er heißt der ungenannte Mann,
der wol mit Friderunen kan, der wohl mit Friderun bekannt war,
ir mugt in wol erkennen. ihr mögt ihn wohl kennen.

9. Übersetzung: Sommerlied 22

I*

Mittelhochdeutscher Text Neuhochdeutsche Übersetzung
Der winter hât ein ende. Der Winter hat ein Ende.
komen ist uns der meie, zu uns gekommen ist der Mai,
der uns bluomen bringet manger leie. der uns so mancherlei Blumen bringt.
ich hœr die vogeliín singen, Ich höre die Vögelchen singen,
wir suln alle springen, wir sollen alle tanzen,
sîn gemeit und voller Freude sein.
der walt ist wol geloubet, Der Wald ist wohl belaubt
diu linde guldîn tolden treit. und die Linde trägt einen goldenen Wipfel.

I

Der linden welnt ir tolden Der Wipfel der Linde will
von niuwem loube rîchen. sich mit neuem Laub bereichern.
dar under lâzent nahtigal dar strîchen: Darunter lassen sich Nachtigallen nieder:
si singent wol ze prîse Sie singen wohl um zu preisen,
vremde süeze wîse, auf fremde, süße Weise
dœne vil. viele Töne.
si vreunt sich gein dem meien: Sie freuen sich auf den Mai:
sîn kunft diu ist ir herzen spil. seine Ankunft tut ihren Herzen gut.

II

Si sprechent, daz der winder Sie meinen, dass der Winter
hiuwer sî gelenget. ungeheuer lang gewesen sei.
nu ist diu wise mit bluomen wol gemenget, Nun ist die Wiese schön mit Blumen durchzogen,
mit liehter ougenweide mit strahlender Augenweide
rôsen ûf der heide die Rosen auf der Heide
durch ir glanz. durch ihren Glanz.
der sante ich Vriderûnen Da schickte ich Friederun
einen wolgetânen kranz. einen schönen Kranz.

III

Die vogele in dem walde Die Vögel im Wald
singen wünneclîchen. singen freudebringend.
stolze mägde, ir sult ein niuwes tîchen. Stolze Mädchen, singt nun etwas neues!
vreut iuch lieber mære! Erfreut euch an der schönen Botschaft!
maneges herzen swære Manche schweres Herz
wil zergân. wird vergehen.
tuot, als ich iuch lêre, Tut, was ich euch lehre,
strîchet iuwer kleider an! zieht eure Kleider an!

IV

Ir brîset iuch zen lanken, Schnürt euch um die Hüften,
stroufet ab die rîsen! streift den Schleier ab!
wir sulnz ûf dem anger wol wikîsen. Wir sollen auf dem Anger tanzen.
Vriderûn als ein tocke Friederun sprang wie eine Puppe
spranc in ir reidem rocke in ihrem drehenden Rock,
bî der schar: in der Schar.
des nam anderthalben Dies nahm Engelmar von der anderen Seite
Engelmâr vil tougen war. ganz heimlich war.

V

Dô sich aller liebes Als sich alle Liebenden
gelîch begunde zweien, zu zweit zusammenfanden,
dô sold ich gesungen haben den reien, da sollte ich das Tanzlied singen.
wan daz ich der stunde Nur dass ich zu der Stunde/Zeit
niht bescheiden kunde nicht in der Lage war
gegen der zît, trotz der Zeit
sô diu sumerwünne in der die Sommerwonne
manegen herzen vreude gît. so manchen Herzen Freude gibt.

VI

Nu heizent sî mich singen; Nun fordern sie mich auf zu singen
ich muoz ein hûs besorgen, Ich muss ein Haus versorgen
daz mich sanges wendet manegen morgen. das mich von Gesang abwendet so manchen Morgen.
wie sol ich gebâren? Wie soll ich mich verhalten?
mirst an Engelmâren Engelmar ist mir
ungemach, verhasst,
daz er Vriderûnen weil er Friederun
ir spiegel von der sîten brach. ihren Spiegel von der Seite riss.

VIa

Sîner basen bruoder Seinem Vater (?)
hiet sis wol erlâzen. hätte sie es wohl erlassen.
er kan sich deheiner dinge mâzen; Er kann sich bei nichts mäßigen;
er ist ein tœrscher Beier. er ist ein ungestümer Bayer.
er und der junge meier Er und der junge Meier
tuont ir leit. tun ihr Leid an.
noch hât sî den vriunt, Noch hat sie den Freund,
der imz die lenge niht vertreit. der die Länge nicht verträgt.

VIb

Dar umbe wil si aber Darum aber will
ein Engelmâr vertriben. sie Engelmar vertreiben.
er ist ein gemzinc under jungen wîben. Er ist ein Gemsock unter jungen Damen.
er ist ein ridewanzel, Er tanzt den Ridewanzel,
in dem geu vortanzel. ein Vortänzer im Gau.
sîn gewalt Seine Gewalt
der ist an dem reien ist beim Reien-Tanz
under den kinden manicfalt. unter den Mädchen vielfältig.

VIc

Daz ist Friderûne Dies bedeutet für Friederun
ein langer werndiu swære eine andauernde Beleidigung
von Engelmâre dem tœrschen tanzprüevære, durch Engelmar, den dreisten Tanzerprobten.
daz er ir torste lâgen. Als er ihr nachstellte,
daz klagtes al ir mâgen. das klangt sie ihrer ganzen Familie.
umbe den schal Wegen dem Schall
solt dû dich nu hüeten, sollst du dich jetzt hüten,
Friderûn! fliuch gein Riuwental! Freiderun, flieh gen Riuwental!

VId

Der het ir genomen Er hat ihr
in schimphe ein tockenwiegel. im Spiel eine Puppenwiege genommen.
daz hiet wir verklagt, niewan den spiegel Das hätten wie schnell vergessen, nicht den Spiegel,
(der was von helfenbeine, (der war aus Elfenbein,
wæhe, ergraben kleine), zierlich, fein graviert)
den sîn hant den seine Hand
ir nam gewalticlîche; ihr gewaltsam entriss;
dâ von al mîn vreude swant. dadurch schwand all meine Freude.

VIe

Ir sult mirz wol gelouben, Ihr könnt es mir wohl glauben,
ich sag iz niht gerne: ich sag es nicht gerne:
diu spiegelsnour diu kom her von Iberne, Die Spiegelschnur kommt aus Spanien/Portugal,
ez was ein wæher borte. es war eine kunstvolle Borte.
niden an dem orte Am unteren Ende
stuonden tier befanden sich Tiere
geworht von rôtem golde. aus rotem Gold.
nie geschach sô leide mir. Nie geschah mir so ein Leid.

VIf

Daz ich niht frœlîch singe, Dass ich nicht fröhlich singe,
daz wendet mir ein swære, das bereitet mir Schmerz,
von der ich alsô gerne ledic wære. von welchem ich gerne frei wäre.
dise dorfgebûwer Diese Dorfbauern
die nimt des gar untûwer: für sie ist es unbedeutend:
si tragent mir haz. Sie empfinden für mich nur Hass.
ob si niht enwæren, Wenn sie nicht wären,
sô sunge ich für wâr fürebaz . so würde ich wahrlich singen.

VIg

Erkenbreht und Uoze Erkenbrecht und Uoze
und der ungenante, und der Ungenannte,
Gózbreht, der mich ofte sanges wante, Gosbrecht, der mich oft vom Singen abhielt,
die sint nu gar gesweiget Sie sind nun ganz verstummt
unde ir freude seiget und ihre Freude schwankt
hin unt her. hin und her.
ir schîbe, diu gienc ebene, Ihre Scheibe, die gerade drehte,
diu ist gestrúchet nú entwer. die ist nun ins Straucheln geraten.

VIh

Frou Hilde und getelinge, Frau Hilde und ein paar Burschen,
die sprungen an ir hende, die tanzten an ihrer Hand,
ir tanz der was dô âne missewende. und ihr Tanz verlief ohne schlechte Wendung.
nu habent sî erworben, Jetzt haben sie es letztendlich geschafft,
daz er ist verdorben. dass er verdorben ist.
ir üppekeit Ihre Übertriebenheit
ich wæn diu hât geprüevet ich fürchte sie hat sich bestätigt
in manec gespötte unde leit . in manchem Gespött und Leid.