Benutzer:Cenhinen

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Neidhart: Lied-Übersetzungen

Erbringung der Studienleistung (Erster Teil): Hier finden sich die Primärtext-Übersetzungen zur jeweiligen Sitzung pro Woche.

Sommerlied 22 (Woche 10)

I*

Der Winter hat ein Ende

zu uns gekommen ist der Mai,

der uns mancherlei Blumen bringt.

Ich hör die Vöglein singen.

Wir sollen alle springen,

lebensfroh/freudig/froh/vergnügt sein.

der Wald ist wohl belaubt,

die Linde trägt goldene Dolden (Blütenstand der Linde).


I

Die Linden wollen ihre Dolden

mit neuem Laub/Austrieb bereichern;

darunter lassen sich Nachtigallen streichend/flatternd nieder,

sie singen wohl zum Lobpreis

in fremder süßer Weise,

viele Töne/Lieder.

Sie freuen sich über den Mai:

Seine Ankunft, die ist ihren Herzen Spiel/Vergnügen.


II

Sie sprechen, dass der Winter

heuer sich in die Länge gezogen hat.

Nun aber ist die Wiese mit Blumen wohl gemengt/bestreut,

mit heller Augenweide

Rosen auf der Heide

durch ihren Glanz.

Aus diesen sandte ich Vriderun

einen wohlgetanen/wohlgeformten Kranz.


III

Die Vögel im Wald

singen wonnevoll.

Stolze/Prächtige Mädchen, ihr sollt etwas Neues erschaffen.

Erfreut euch an schöner Botschaft/Neuigkeit!

Mancherlei Herzens Schwere

wird zergehen.

Tut, was ich euch lehre,

zieht eure Kleider streichend an! (im Sinne von glattstreichend?)


IV

Ihr schnürt euch zu den Hüften/Lenden,

streift ab die Schleier!

Wir wollen auf dem Anger wohl tanzen/hüpfen/springen.

Vriderun wie eine Puppe

sprang in ihrem drehenden/wirbelnden Rock

bei der Schar:

Das nahm anderthalb (auf der anderen Seite?)

Engelmar sehr heimlich/verborgen/im Stillen wahr.


V

Da sich alle Liebenden

sogleich begannen, sich zu zweien (‚in Zweierpärchen zusammenfinden‘)

da sollte ich gesungen haben den Reien (bestimmte Tanzmelodie),

nur dass ich die Stunde

nicht bescheiden konnte

entgegen der Zeit,

so dass die Sommerwonne

so manchen Herzen Freude gibt.


VI

Nun heißen sie mich singen; (Bitte oder Befehl?)

ich muss ein Haus besorgen,

dass mich des Sanges wendet so mancher Morgen. (??)

Wie soll ich mich gebären/verhalten?

Mir ist an Engelmar

Ungemach/Unwohlsein,

dass er Vriderun

ihren Spiegel von der Seite (Hüfte?) brach.


VIa

Dem Bruder seiner Base (ursprünglich Cousine väterlicherseits)

hätte sie es wohl erlassen.

Er kann sich bei keinen Dingen mäßigen;

er ist ein törichter (närrische Dinge treibender) Bayer.

Er und der junge Meier

tun ihr leid.

Noch hat sie den Freund,

der (ihm es) die Länge/Entfernung nicht verträgt. (??)


VIb

Darum will sie aber

ein Engelmar vertreiben. (will ihre Fernbeziehung unterbinden?)

Er ist ein Gemsbock unter jungen Frauen.

Er ist ein ‚Ridelwanzler‘ (‚einer der den Ridelwanzel tanzt‘)

er ist ein Vortänzer im Gau (Gau bezeichnet eine Region, den Landstrich, die Gegend).

Seine Gewalt,

die ist beim Reien (bestimmter Tanz)

unter den Kindern (junge Mädchen?) mannigfaltig.


VIc

Das ist Vriderun

eine langwährende Schwere

von Engelmar, dem törichten Tanzgeprüften (er hat Erfahrung im Tanz),

als er es wagte (torste von ‚turren‘) ihr aufzulauern (wo? beim Tanz?)

Das beklagten alle ihre Verwandten.

Gegen den Schall

sollst du dich nun hüten,

Friedrun! flieh nach/zum Reuental! (Ort oder Person?)


VId

Der hat ihr genommen

in Schimpf eine Puppenwiege.

Das hätten wie verklagt, nicht außer den Spiegel

(der war aus Elfenbein,

glänzend/schön/kunstreich/zierlich/kostbar, sehr fein geschnitzt)

den seine Hand

ihr gewalttätig nahm;

davon schwand all meine Freude.


VIe

Ihr sollt mir’s wohl glauben

ich sag es nicht gerne:

Die Spiegelschnur, die kam aus ‚Iberne‘ (welches Land ist gemeint? Iberia = iberische Halbinsel d.h. Spanien und Portugal? oder Hibernia = Irland?)

es war eine kostbare Borte.

Nieder an dem Ort (das untere Ende des Spiegels)

standen Tiere

gewirkt aus rotem Gold.

Nie geschah mir so arges Leid.


VIf

Das ich nicht fröhlich singe,

dass wendet/bereitet mir eine Schwere,

von der ich all so gerne ledig wäre. (er will sie loswerden)

Diese Dorfbauern

die nehmen das ganz unteuer

Sie tragen mir Hass (entgegen).

Wenn sie nicht wären,

so sänge ich für wahr besser.


VIg

Erkenbrecht und Uoze

und der Ungenannte,

Gozbrecht, der mich oft vom Singen abhielt,

die sind nun ganz und gar schweigend/verstummt

und ihre Freude neigt sich

hin und her.

Ihre Scheibe, die ging ebenmäßig,

die ist nun entweder (auf die eine und die andere Seite) gestrauchelt.


VIh

Frau Hilde und die Burschen,

die sprangen an ihren Händen,

ihr Tanz, der war da ohne unrechte Wendung.

Nun haben sie erworben,

dass er ist verdorben.

Ihre Üppigkeit/Übertriebenheit

ich meine, die hat geprüft/sich bewiesen

in so manchem Spott und Leid.


c1 (Woche 9)

I

Der schwarze Dorn ist weiß geworden,

nun hat der Mai seinen Fleiß (sein Bemühen, sein Bestreben?)

auf den Anger gelegt/gerichtet,

gar geschmolzen ist der Schnee,

man sieht heuer so wie ehedem

die schönen Blümlein schwanger.

Der Mai hat die Felder sehr schön besetzt/bestückt

mit Kamillen-Blümlein fein,

froh singen die Vögelein,

ihr Leid sind sie losgeworden.


II

Dafür lobe ich die reinen (unschuldigen?) Frauen,

deren wohlgetrauter (wohlgestalteter?) gelobter Leib

Hochgefühle bringen/schenken/auslösen kann.

Die haben sich vor falscher Hand gehütet,

die lobe ich für alles Gute,

so wohl dir, gute Frau!

Frau, behalte/schütze deine Ehre, das will ich dir raten,

mithilfe deiner fröhlichen weiblichen Züchtigkeit,

Frau, du auserwählte Frucht,

lass die dummen Liebhaber braten/schmorren!


III

Nun sang ich gern für meine Frauen,

so irrte (im Sinne von unfreiwillig ablenken, anderweitig beschäftigen) mich eine andere Pein,

ich sah die Dörper den Reigen tanzen

sehr üppig/übertrieben auf dem Platz,

beide, Damen und Männer,

die nahmen den Mai freudig in Empfang.

Hierher langer Lanze, das sollt ihr mir rächen,

dazu klage ich euch, Herr Pflug,

ihr rächt mir diesen Unfug,

dass ihnen ihre Rücken brechen.


IV

Ich kam dahin gegen/in Richtung Zeisselmauer,

die Fahrt/Reise war mir teilweise sauer/unleidig,

ich hörte da eine fremde/unbekannte Erzählung.

Da fand ich einen Lobestanz,

und viele Rosenkränze,

zergangen/zerflossen war meine Schwere.

Ich zog zu einem Wirt, der war zierlich/prächtig,

dessen wurde Engelmar gewahr (er nahm es missgünstig zur Kenntnis),

ellenweit war ihm sein Haar,

daraufhin eilte er schnell


V

zu vierzig guten Burschen,

üppiglich stand ihr Mut (sie strotzen nur so vor Überheblichkeit),

die tanzten bei der Linde.

Er sprach: „Herr Neithart, der ist hier,

der uns nie Spöttelei ersparte,

wohl auf, dass wir ihn finden.

Ihr sollt euch nichts Arges dabei denken,

ihr geht mir züchtig/anständig nach,

auch seit mit dem fechten nicht zu schnell,

wir wollen uns fröhlich geben.


VI

Vierzig Kännchen mit Wein

trugen sie in ein Gärtchen,

sehr groß war ihr Gebrüll:

Seid willkommen, Herr Neidhart,

euch sei voll eingeschenkt bei dieser Fahrt/Reise.“

Ich saß in meinem Schweiß, (Angstschweiß, Nervosität)

ich sprach: Ich bin dem Neidhart ungleich (verleugnet sich also selbst),

ich bin ein Jäger, mir zürnt man,

ich habe die Hunde verloren,

die des Fürsten von Österreich.


VII

Da bot ihm Engelmar an

bei seinem Leben bis in den Tod,

dass sie sie alle setzten.

So schenkte man zu Hand/geschwind ein

den sehr klaren Osterwein (Wein aus Österreich?)

den tranken sie unter schallendem Gelächter.

Er sprach: „Und wollt ihr die Zügellosigkeit (wortwörtlich: den Gockel-Furor) erkennen,

so sitztz und sei ein fröhlicher Mann,

ich helfe euch gemach/gemütlich/angenehm dort hin,

wenn ihr mich fortan nie mehr nennen wollt.“


VIII

„Dir sei gelobt auf die Hand:

Du wirst von mir nicht mehr genannt,

was ich fürbass (weiter, vorwärts, zukünftig) singen will,

und auch was ich dichten kann,

du heißt (ab sofort) der ungenannte Mann,

du sollst fröhlich springen,

und heiße die öden Scheiden aus dem Garten.“ (Verbannung der Dolchscheiden? = Verzicht auf Gewalt?)

„Wohl auf, ihr Herren, wir sollen gehen

sehr anständig zurück zum Platz

und den zarten Frauen dienen.“


IX

Die verschwanden geschwind,

da brachte man mir ein gutes Gewand,

dass musste ich von da an führen/tragen.

Dazu gaben sie mir ein Pferd,

das war wohl dreißig Pfund wert

und zeltet nach den Schnüren/Zügeln (ein Zelter ist ein spezielles Gangpferd, dieses hier wurde wohl auf Zügelhilfen trainiert – sehr wertvolles Reitpferd!)

Dafür bedankte ich mich freundlich bei den Männern und Frauen

und ritt dann auf den Platz,

da mochten wohl siebenhundert stehen,

die mich (von Kopf bis Fuß) begutachteten.


X

Auf der Reise war es mir eilig,

mir war eine große Bergkuppe zurückliegend (d.h. er hat sie gerade überquert)

von hellen schönen Augen.

Frideruns Nacken,

der gab für die anderen Schein,

mit Lob ich’s immer kröne.

Ich ritt gegen Wien und sagte/erzählte die Abenteuer,

wie sie sich mir alle zugetragen haben,

als ich in dem Garten saß,

dennoch war mir ihre Steuer.


XI

Der Herzog sandte (wen?) nach Zeisselmauer,

er ließ frei denselben Bauer

und alle seine Hausgenossen.

Darüber war Engelmar froh,

der mir fröhlich half, der einzige aus der großen Schar,

wohl auf des Reichs Straßen.

Und Engelmar will ich ihn nicht mehr nennen,

er heißt nun der ungenannte Mann,

der gut mit Friderun kann,

ihr mögt ihn dennoch erkennen.


Winterlied 27 (Woche 8)

I

Mir ist von Herzen leid,

dass der kühle Winter

viele schöne Blumen verdirbt:

ebenso verdirbt mich eine sehnsüchtige/schmerzliche Mühe.

Diese beide Sorgen

drängen mich fort/von hinnen hinter

ans Ende meiner Freuden Ziel.

Oh weh, dass die Gute mit ihrem Willen das verträgt,

seit sie wohl verringern mag

all meine Schwere!

Hei, erlebte ich noch den Tag,

dass sie gnädig/nachgiebig wäre!


II

So wenn ich mich vereinige/verbinde

und an sie denke,

wär in der Frau Güte da,

die hätte sich so lange bei ihr nicht erworben.

Seit sie nur wenig belohnt

meine neuen Klänge,

wann dann sollte ich anderswo dienen?

Nein, ich will mit großer Anstrengung diesen Kummer lange erdulden.

Was, wenn eine selige Frau doch

noch ihren Sinn ändert?

Erfreue mein Herz und tröste den Leib!

Die zwei, die sind versehrt (im Sinne von verletzt/verwundet).


III

Zu dem Leid,

dass ich ihretwegen erleide,

so bezwingt mich noch ein anderes Leid,

dass vor allem Leid mich so sehr nie bezwang,

so wie ich darüber lache

und mich froh gebärde:

Mir hat ein Dorftölpel den Kampf angesagt,

um nichts anderes, als ausschließlich um meinen üppigen (übertriebenen, ausufernden) Gesang.

Der ist geheißen Adeltir,

gebürtig hier von Ense.

Zu allen Zeiten droht er mir

wie eine feiste (vollgefuttert, überfüttert = fett) Gans.


IV

Heuer bei einem Tanz

ging er um und um (kreisförmige Bewegung?).

Den Wechsel hatte er den ganzen Tag:

Ein glänzendes Schapel (Kranz) gab er im Tausch für neue Kränzlein.

Etzel und Lanze,

zwei dumme Jünglinge,

die plagten auch, wie jener plagte.

Lanze, der beschwerte/belästigte ein sehr stolzes Mädchen:

einen kleinen schönen Schleier

zerrte er ihr vom Haupt,

dazu einen Blumenhut,

wer hat ihm das erlaubt?


V

Oh weh, seine Hände!

Das sie ihm verwesen!

die Finger soll er verlieren,

denn damit hat er hinausgezerrt die schmerzbringende Zähre (=Träne)!

Hätte er ihr Gebende

un-zerzerrt gelassen,

das Kränzchen hätte auch sie verschmäht.

Er ist unhöflicher/unartiger als vormals Engelmar,

der gewalttätig nahm/raubte

den Spiegel Vrideruns.

Aus dem gleichen Grund bin ich dem Dörper übelgesinnt,

demselben Walberun.


VI

Diese alten Schulden

weckt mir das Neue:

es hat ein geiler Bauernbursche

heuer bei mir erweckt/in Erinnerung gerufen, was mir an Leid geschah.

Ehe ich es länger erdulde,

seht meine Treue,

ich springe zu ihm in den Ring,

er besteht/bekommt seine Buße, dass er ihr zur edlen Dame jagt,

der ich lange gedient habe

herb/bitter? mit ganzer Standfestigkeit!

Wollte er sie gereut lassen,

wie recht er dann täte!


VII

Weh, was hat er nur zu mucken!

Sie kommt ihm nicht zu Maß.

Zu was soll sein peinigendes Gebrechen/Übel?

Ihm vermag nicht zu helfen sein höfisches Gewand.

Er soll ihm (sich selbst?) eine suchen,

die ihn werben lässt.

Seine roten Busenbleche,

die sind ihr sehr unangenehm, dazu sein Wangenband.

Enge Ärmel trägt er lang,

die sind vorn verbrämt,

innen schwarz und außen blank.

mit seiner Rede spricht er nach Art der Flamländer.


VIIa

Seiner Schnüre Stränge

dengeln an den Orten:

da hängt wundersamer Pfeffer dran,

Muskat, Nägele (Lexer: Gewürznelken), Pfauenspiegel (Bidens tripartita L., auch bekannt als Zweyzahn, Wasserdost, Wasserhanf und Wassersternkraut): Das ist de Dörper Glanz.

Er will überdrängen/überwältigen

ein Mädchen mit süßen Worten,

dabei kann ihm doch nicht helfen

sein übertriebenes Gewand und dazu sein sehr glänzender/schöner Schwanz (?)

Ein sehr gutes Leinentuch,

sechzehn Ellen klein,

hat sein Hemd und auch seine Bruche:

diese Sitte ist ungemeinsam/fremdartig.


VIIb

Herr Neidhart, könnt ihrs lassen?

Es wird euch misslingen.

Nun habt es auf meine Treue (abgesehen?),

und kann ich, so muss euch beim Tanz Leid geschehen!

Wollt ihr auf der Straße

uns sehr hart bedrängen,

wie breit abstehend euer Melkkübel? (lat. mulctra) auch sei,

und wie der Glanz hervorscheint unter eurem geringelten/gekräuselten Rock/Hemd

und solltet ihr gar der Teufel sein

mit eurem glitzernden Hut,

mache ich trotzdem im Blut Fahrt

mit meinem guten Schwert.


VIIc

Nun da, gezierte Gesellen,

nun steht mir allgleich,

helft, dass wir gegen ihn bestehen,

der uns beim Tanz nicht mit Nachsicht entlässt!

„Ich traue mir zu, ihn zu fällen,“

so sprach Amelrich,

„Die Hand, die muss er mir hier lassen,

da der gesprenkelte Vogel oben auf steht,

und dazu den rechten Fuß.

Daran klingt der Sporen.

Ja, so verschaffe ich mir seine Buße,

dass er von uns nicht mehr singt.“


Winterlied 1 (Woche 7)

I

Winter, uns will deine Gewalt/Macht/Kraft

in die Stuben drängen

von der Linde breit/weit weg:

deine Winde, die sind kalt.

Lerche, lass dein Singen!

Dir hat widersprochen

sowohl Reif als auch Schnee;

du musst stillschweigen:

so beklage ich den grünen Klee.

Mai, ich will mich vor dir verneigen;

mir tut der Winter weh.


II

Tanzt, lacht, seit froh!

Das ziemt sich wohl den Jungen

in diesem langen Winter.

Euch zur Stütze gebe ich da

heuer von meiner Zunge

einen neuen Sang (ein neues Lied),

damit ihr ohne schweren Mut (betrübte Gesinnung)

Freude mögt erbitten.

Engelmar, deine Stube ist gut:

Kühle ist in deinem Bett. (lexer: lît = ‚Bett‘)

Der Winter bringt Schaden.


III

Etzel, Ruoze und Adelber

und der geile Rüele

haben zusammen geschworen

alle auf einen Dorftölpel:

Der ist von Witenbrüel

und prüft/erprobt sich in großem Zorn.

Das konnte ich eher/vormals noch seit

niemals fest und sicher glauben,

Rüele wollte im Widerstreit

beim Reigen (reien = reigen) springen:

dem war Lanze feindlich gesinnt.


IV

Lanze trägt eine Jacke,

die ist aus Barchent (lateinisch barracanus, laut Wikipedia wohl ein „Mischgewebe aus Baumwoll-Schuss auf Leinen-Kette“, auf einer Seite glatt, auf der anderen angeraut)

so grün wie der Klee.

Zur Weihe? hat er sich vorbereitet,

er lebt in der Hoffnung,

dass ihm nichts widersteht.

Darin hat er gesteppt

ein gutes eisernes Hemd,

knurrender als ein Bär geht er;

gute/freundliche Gesinnung ist ihm fremd.

Er ist Kind, der ihn (besteht?)


IVa

Lanze, der hat noch die Freunde,

die ihn nicht entlassen/verlassen

so sehr er auch ein Kind sei.

Drei habe ich euch schnell vorgestellt,

die ihm auf der Straße

beiständig sind:

Isenbolt und Isenhart

und der junge Vrite.

Rüele, der war nie so zart,

er wäre bei dem Kampf

unversehrt geblieben. (verhe/verch = Leben, Blut, (tödliche) Wunde)


IVb

So lassen wir sie fechten um den Leib.

Derweil gehen wir zu dem Tanz:

Da springen wir schön empor.

Nun, wohl auf, Mädchen und junge Frauen,

Afra, Englin, Franze,

die will uns vorsingen.

Metze zögert [… Lakune?]

und kommt Adelheit

und über [… Lakune?] Engellint

und Irmengart Fröhlichkeit,

das sind sehr schöne Kinder/Mädchen.


Winterlied 13 (Woche 6)

I

Wie überwinde ich beide

meinen Leib und die Sommerzeit?

Ich kann die Wohlgestalteten in so kurzer Zeit nicht ausreichend beklagen.

Von so großem Leid,

das mir Reue ohne Freude gibt,

trauere ich wohl verschuldet nun an diesen trüben Tagen,

die uns den Winter ankünden, der uns viel Freude raubt.

Des Gesanges haben die kleinen Vögel nun abgeschworen,

genau so möchte ich auch mein Singen verstummen lassen.


II

Es soll mich nicht erfassen,

mein Trost und mein lieber Wahn,

ich weiß doch, mit welcher Gnade/Glückseligkeit ich mich trösten kann.

Wohl mag sie verschmähen

meinen Dienst, den ich ihr

lange geleistet habe und den ich stets mit Treue/Gewissenhaftigkeit pflegte.

Dennoch tue ich es noch immer gerne, ich möchte es genießen,

sodass mich die Dorftölpel nicht meines Lohnes verstoßen/berauben.

Dessen ist Uoze greifend und sein roher/rauer Schabernack.


III

Engelwan und Uoze

die zwei sind mir verhasst

(Schaden und Neid muss ich mir von ihnen gefallen lassen)

und der geile Ruoze:

wie teuer er sich vermaß/verschätzte,

(er glaubte), er könne gegen mich durch sie/mit ihrer Hilfe bestehen! Die drei Widersacher

beraten sich und brüten (wie sie es anstellen können), dass ich ohne Lohn bleibe.

Folge nicht ihrer Lehre/ihrem Beispiel, edle Dame, Liebste aller Frauen!

Belohne meine Jahre, lass ihnen Leid durch mich geschehen!


IV

Edle Dame, deine Güte

die erkenne ich so mannigfaltig,

dass ich noch fest auf Liebeslohn von dir hoffe.

Das mich je bedrückten,

diese Gecken/Stutzer (Lexer: spranz ‚der geck, stutzer‘ + sprënzen ‚in verschiedenen farben glänzen‘ + sprenzen ‚sprengen, spritzen‘) und ihre Gewalt,

das war damals mit den Blumen. Nun will mir Engelwan

deine Huld/Gunst stehlen: Das soll ihm misslingen,

so dass hundert Schwerter auf seinem Kopf laut erklingen!

Sie schneiden/stutzen ihn zurecht, sie zerütten/verderben ihm den ?(Holz)Span?


V

Seht euch Engelwan an,

wie hoch er sein Haupt trägt!

Wenn er mit gespanntem (umgeschnallten?) Schwert beim Tanz umhergeht,

so ist er nicht ohne

flämisch-höfisches Gebaren, (flämisch = belgisches Niederländisch + Region)

mit der sein Vater Batze wenig zu schaffen hat.

Nun ist sein Sohn ein widerlicher Trottel mit seiner rohen Haube

Ich vergleiche sein Gepluster mit einer satten Taube,

die mit vollem Kropf auf einem Kornkasten steht.


VI

Wer in seiner Heimlichkeit

je Leib oder Leid gewann,

dem sind meine Sorgen und mein Kummer wohl bekannt.

Seit ich meinen Augen

den Stich nicht verbieten kann,

blicken sie dort hin, wo Ruoze an ihrer Hand tanzt,

ich verlasse kaum/kümmerlich (im Sinne von ‚mit Mühe, schwerlich, schwach, gebrechlich‘), der ich mich selbst nicht entreißen kann:

Solchen Wechsel nehmen, die da umwerben, in ihrem Geschäft.

Minne/Liebesdienst, lass mich frei! Mich bezwingt sehr dein Band.


VII

Minne, deine Schnüre/Fesseln/Bänder

die bezwingen mein Herz,

sodass ich im Kampf wider dich keine Gegenwehr mehr aufbringen kann.

Wie verstohlen rühre ich

die Zimbel deiner Wohnkammer,

so bin ich dessen bezwungen, dass ich dir Huld/ewigen Dienst schwöre.

Frau Minne, deine Gewalt wider mich ist zu streng;

Königin, deine Ungnade/Härte/Strenge verhänge nicht,

damit sich mich nicht verderbe! Ja, ist sie über mich ein her(gefallen.)


Winterlied 24 (Woche 5)

I

Sommer, auf dein süßes Wetter müssen wir (nun) verzichten:

Dieser kalte Winter gibt (nur) Trauern und Sehnen/Sehnsüchte.

Ich werde nicht getröstet von der lieben Wohlgestalteten/Schönen.

Wie soll ich mir diese lange schwere Zeit vertreiben,

die die Heide und viele schöne Blumen verwelkt?

Davon sind die Vögel im Wald gezwungen, dass sie ihr Singen sein lassen müssen.


II

Genau so hat meine edle Dame das Herz mir bezwungen,

dass ich ohne Freude meine Tage verschwenden muss.

Es verfängt (im Sinne von nützt) nichts, was ich ihr lange gesungen habe;

mir ist das genau bekannt, sodass ich fortan stillschweige.

Ich glaube nicht, dass sie den Männern jemals wieder hold/gewogen sein wird.

Wir verlieren, was wir ihr da gesungen und zugeraunt haben, ich und jener Hildebolt.


III

Der ist zurzeit der dümmste unter den geilen Bauernburschen,

er und einer, den man den jungen Willeger nennt:

den konnte ich diesen Sommer nie von ihr abdrängen,

wenn der Tanz gegen Abend auf der Straße hin und her ging.

Manchen schiefen Blick warfen sie mir mit den Augen zu,

sodass ich abgesondert/abseits von meiner guten Absicht vor ihnen beiden jeweils zu einem Schwung (abschweifende, ausweichende Bewegung) gehen musste.


IV

O weh, dass mich so mancher von einem geliebten Platz verdrängt hat

beide von der Guten und auch ehemals anderswo!

Widerwärtig (Lexer: œde adj. bei Neidhart ‚eitel, widerwärtig, dumm, töricht‘) war von ihnen mir zum Trotz gesprungen.

Aufgrund ihrer Gewalt bin ich vorzeitig auf meinem Schopf grau.

Dennoch neigte die Gute sich mich ein wenig über den Schildrand entgegen.

Gern sollt ihr hören, wie die Bauerntölpel gekleidet sind:

üppig (negativ konnotiert, im Sinne von protzig/überflüssig/eitel) ist ihr Gewand.


V

Enge Röcke tragen sie und schmale Kurzmäntel,

rote Hüte, mit Rinken/Schnallen versehen Schuhe, schwarze Beinlinge.

Engelmar tat mir nie so leidvolles bei Vriderune,

so wie die zwei es tun. ich neide ihnen ihr Beutel/Gürteltaschen aus kostbarem Seidenstoff,

die sie tragen: darin liegt eine Wurzel, die Ingwer heißt.

so eine gab Hildebolt der Guten beim Tanz; die zog/stahl ihr Willeger.


Va

Gerne wüsste ich, wie sich die Dörfler unter ihresgleichen trachten/kleiden.

Sie trugen Pickelhauben, dazu lange Schwerter.

Ihre Peinlichkeit, ihr Laster machten sie wahrlich zu einem Laster:

die wurden durch ihre Halskrause mehr als nur halb gewehrt.

Sie stritten miteinander einen ganzen Sommertag lang.

Ihr Gebaren sah Herr Neidhart, als er im Fass beim Wein lag.


VI

Erzählte ich euch nun die Geschichte, was sie miteinander taten,

so weiß ich es doch nicht: ich entfernte mich auf der Stelle.

Jeder begann nach seinen Freunden zu rufen;

einer, der schrie laut: „Hilf, Vater Weregant!“

Er befand sich wahrscheinlich in großen Nöten, als er so nach Hilfe schrie.

Hildebolts Schwester hörte ich ebenso laut schreien: „O weh, mein armer Bruder, weh!“


VIa

Da kam schnell ein Bauernlümmel vom Streit angelaufen:

Den fragte ich nach Neuigkeit. „Willeher kämpft mit großer Kraft.

Hildebolts Kurzmantel, der ist weit aufgerissen

und ebenso sein enger Rock, wohl drei Spannen breit.“

Das geschah wegen einer Wurzel, die man ihm aus der Hand brach/stahl.

Das galt auch für viele schöne hauben, die man beim Tanz zerrissen liegen sah.


VII

Woran soll man mein Geblök/Geplärr fortan erkennen?

Zuvor erkannte man es wohl bei (der Nennung des Wortes) ‚Jammertal‘.

Jetzt soll man mich erst recht so nennen:

Doch ist mir Eigen und Lehen schmal bemessen.

Kind/Mädchen, heißet nun den singen, der jetzt Gewalt über euch hat!

Ich bin schuldlos verstoßen: Mein Freund, nun befreit mich von diesem Namen!


VIII

Ich habe die Gunst meines Herrn schuldlos verloren:

Davon ist mein Herz von Jammer und Trauer voll.

Reicher Gott, so richte es mir nach deiner Güte,

dass ich nicht auch noch meine vielen kostbaren Freunde verliere!

Ich habe in Bayern alles gelassen, dass ich je besaß,

nun ziehe ich nach Österreich und will mich dem werten Ostermann (??) andienen.


IX

Der Wille meiner Feinde ist mir nicht gut ergangen:

Wollte es Gott, so möchte vielleicht noch ein Ausweg erscheinen. (Kommt Zeit, kommt Rat)

In dem Land zu Österreich wurde ich gut/freundlich empfangen

von dem edlen Fürsten, der mich nun mit einem Haus versorgt hat.

Hier, zu Medelick bin ich nun für immer ohne ihrer aller Dank.

Mir ist es leid, dass ich von Eppen und von Gumpen so viel über ‚Reuental‘ vorgesungen habe.


IXa

Herr Neidhart hat uns nun verlassen wie die Krähe den Stecken,

die dahin fliegt und auf der Saat sitzt.

Es soll ein Mann mit fremden Frauen nicht zu viel zecken (spielerisch necken),

der sich selbst überhaupt nicht für schuldig befunden hat.

Er genoss seine tägliche Speise (von der er daheim genug hatte),

lass Hildebolt mit Gemach/Nachsicht! Es war eine Eichel, die er bei sich im Beutel trug.


X

Mit Rädern versehen Sporen trägt Frideprecht, mir zum Leid/Ärger,

ein neues Band (Schwert oder Schild?) hat er, besser als zwei Hände breit.

Rückt er den Hinter-Ring wieder auf die Scheide,

wisset, meine Freunde, das ist mir ein Herzensleid!

Zwei neue Handschuhe zog er uns auf die Ellbogen.

Wollt ihr hören, wie derselbe Gemsbock vor der Lieben neulich beim Tanz floh?


Xa

Er gab Fersengeld, wohl zurecht, als wäre ihm angebunden

eine Schweinsblase, so wie man es bei wilden Hunden tut.

Oft unterbrach er seinen Zelter (Passgang), wie sie es gut fanden,

Hatze und Pletze (plez - Lexer: eingeweide, kaldaunen) und jener, ihr Gefährte Hademuot.

Fragt Engeltrut, wie es um ihren Bruder Fridebrecht steht!

„Ach, ach, er hat sich vor Furcht verrenkt (den Magen verdorben?) “, so hat sie mir gesagt, „der törichte Knecht.“


Xb

Sah aber jemand jenen mit der buntscheckigen Decke/Bedeckung?

Die trägt er auf Händen und klopft auf sein neues Schwert:

damit will er uns des Nachts auf der Gasse erschrecken.

Derselbe hält sich doch tatsächlich für mehr wert als drei Bohnen,

wie er so lärmt und schnaubt, der sehr üble Mann,

und ihm seine Decke geringelt erklingt, dem gleich, als trüge er einen Koller (Kragen/ Halsbedeckung/ Halskrause).


Sommerlied 18 (Woche 4)

I

„Uns will ein Sommer kommen“,

sprach ein Mädchen, „Oh ja, so habe ich den von Reuental vernommen/gehört.

Oh ja, ich will ihn loben.

mein Herz spielt gegen ihn vor Freude, als wollte es toben. (Herzklopfen, Herzrasen)

Ich höre ihn dort singen vor den Kindern.

Oh ja, niemals will ich damit aufhören,

ich springe an seiner Hand zu der Linde.“


II

Die Mutter rief ihr nach;

sie sprach: „Tochter, folge mir, lass es dir nicht hitzig/übermütig werden!

weißt du, wie es geschah

deiner Spielgefährtin Jiute Lauf/Gang (Lebensweg/Lebenslauf), der er ebenso Eide versprach?

Der wuchs von seinem Reigentanz hoch/auf ihr Bauch (wempel = Wampe)

und sie gewann ein Kind, dass sie ‚Lempel‘ (Lemmel von Lamm? Oder Lümmel?) nannte,

genau so lehrte er sie den ‚Gimpelgempel‘ (Lexer: ‚mutwilliger hüpfer, springer, penis‘).“


III

„Mutter, lass es sein!

er sandte mir ein Rosenschapel (Schapel = Schmuckreif aus Blumen oder Metall, der auf dem Haar oder Schleier getragen wird, in diesem Fall wohl ein aus Rosen gewundener Kranz)

das hat lichten/hellen Schein (ist vielleicht doch ein Reif aus Metall gemeint?)

für mein Haupt,

und zwei rote Beinlinge (oder Strümpfe) brachte er mir über den Rhein mit,

die trage ich noch heuer (in diesem Jahr) an meinen Beinen.

worum er mich bat, dass weiß nur ich, niemand sonst.

Oh ja, ich folge eurem Rat auf keinen Fall/niemals.“


IV

Der Mutter war es leid,

dass die Tochter nicht hören wollte/berücksichtigte, was sie ihr vorhersagte;

Es sprach das stolze/hochmütige Mädchen:

„Ich habe mich ihm gelobt (verlobt?), dafür hat er meine Sicherheit/mein Wort.

Was verliere ich da an meiner Ehre?

Oh ja, niemals will ich aufhören,

er muss mich seine geilen (Lexer: adj. von wilder kraft, mutwillig, üppig) Sprünge lehren.“


V

Die Mutter sprach: „Wohl hin/davon/fort!

Ob du’s im Guten oder Bösen einsehen willst, dass ist dein Gewinn:

Du hast keine gute Gesinnung.

Willst du mit Reuental gehen, so bringt er dich genau da hin:

Genau so wird sein Tanzlied dich verkaufen/preisgeben.

Er beginnt dich zu schlagen, stoßen, raufen,

so müssen doch zwei Wiegen bei dir laufen.“


Sommerlied 4 (Woche 3)

I

Heide, Anger, Wald stehen in Freude/Glückseligkeit;

die Hand hat sich (vor)bereitet mit ihrem besten Gewand,

das ihr der Mai gesandt hat.

Seien wir alle

froh mit Schall/Lärm/Echo!

Der Sommer ist in das Land gekommen.


II

Wohl aus der Stube, ihr stolzen (übermütigen) Kinder,

lasst euch auf der Straße sehen! Dahin (vorbei) ist der scharfe Wind

und auch der sehr kalte Schnee.

Hebt euch (begebt euch) schnell

zu dem Wald!

Vögel singen, denn es war Weh/Schmerz.


III

Die machen das Leid ganz vergessen.

Ihr sollt mir`s glauben! Nehmt es selbst wahr,

was der Sommer hervorgebracht hat!

Er will bereichern

sicherlich

viele Bäume mit Laubes Gewand.


IV

Die nun mit großer Vorsorge können,

die sollen bald/rasch ihr bestes Festtagsgewand anlegen,

sie sollen sich darin sehen lassen!

Wir wollen schauen

vor den Auen

wie viele Hände Blumen brechen.


V

So wie Reuental mein eigen sei,

so bin ich doch diesen Sommer frei von allen Sorgen,

seit der Winter dahin/fort ist.

Ich will lehren

die Jungen, zu ehren

die Freude, danach steht mein Sinn.


Winterlied 10 (Woche 2)

I

Als der liebe/freundliche Sommer

Abschied nahm,

da musste man der Tänze

auf dem Anger (Dorfwiese) gänzlich aufhören zu pflegen.

Davon gewann sich Kummer

der Herr Gunderam:

der musste auch sein müßiges Umherlaufen (Umherstromern)

da unterlassen.

Der ist Würfelmeister (Aufseher/Schiedsrichter beim Würfelspiel) diesen Winter:

ein anderer Kuckuck/Tor/Narr ist in dem Land nicht;

sein ‚Gassenräumer‘ gafft zu allen Zeiten wohl zum Hintern.


II

Was er an den Maiden/Mädchen

Unanständiges da begeht,

ehe das meine Frau Glocke

vollendet ihr Gebot!

Er ist sehr ungezogen/rücksichtlos/ruchlos,

welcher er (gerade) nahesteht,

die wird von Schlägen hell/bleich

und meidet den Spott/Scherz;

Deshalb ließen alle ihren Schmunzelmund (das gegenseitige Necken/Herumalbern)

den die Jungen nicht verheimlichen konnten!

Das hat ihre Hand von solcher Meisterschaft (Überwachung) sehr schmerzhaft empfunden.


III

Immer wenn man feiert,

so erheben sie sich da

mit einer Versammlung,

der ich sehr wohl Schaden gönne.

Werenbrecht, der leiert (spielt die Leier),

so trommelt Sigemar.

Das ihnen das misslingt,

das läge doch eben an!

Das kann sich doch sehr leicht (höchst wahrscheinlich) verkehren:

wollet ihr das Getöse nicht vermeiden (bleiben lassen),

so können sich zwei an meiner Amtsträger-Rute sehr stark schneiden.


IV

Komme ich zu einem Tanz,

bei dem alle beigingen/mitmachten,

da wurde daraus ein Spiel von Hand

mit beiden Ecken zwei.

Vielleicht fiele ein Glückswurf,

dass vor mir lägen drei.

Ich hielt es ohne Wende (für unabänderlich),

(jedoch) vertauschte es einer früh.

Sieg und Glück würden mir helfen gewinnen,

dass sie zur Hälfte müssten entrinnen (davonlaufen),

nun sollen sie abziehen und ihr ausgelassenes Treiben auflösen!


V

Seine Weidegänge,

die verewigen mich grau,

wenn er den Kopf wendend (Lexer: den kopf in eitler, hochmütiger, trotziger weise ab- oder umwendend) vor meiner Herrin geht (stolziert).

Treibt er es in die Länge,

besteht/bleibt er dann dabei,

so hilft man ihm aus dem Keuchen,

dass er sehr traurig dasteht.

Er und etliche seiner Gesellen,

die ich tanzend an ihrer Hand erwische,

dessen sei gewiss, ich schlage ihn, dass ihm offen steht eine Elle (ein Loch/eine Wunde, so lang und breit wie eine Elle).


VI

Ihm hilft nicht seine Jacke/sein Wams,

noch sein Haubenhut (eine Art Helm),

es wird ihm darin getränkt, (der Helm wird mit Flüssigkeit gefüllt, sein Kopf darin getaucht?)

er zog ihr einen Ball (Diu Krone: boese nâchrede trîbet man sam einen bal - ‚einen Ball nach sich ziehen‘, ist hier womöglich ein Sprichwort gemeint, dass so viel bedeutet wie ‚jemandem üble Nachrede bescheren‘?)

Er ist ein törichter Laie;

sein dummer Verstand

wird ihm da gekränkt.

Will er vor Reuental,

hin und her so viel scharwenzeln,

so wird er wohl zerzaust/zerrissen unter Vieren.

Herr Werenbrecht, was kann ich dafür, wenn er davon taumelnd/schwankend wird?


VIa

Die Klingen will ich

um meine Seiten tragen,

so darf mir durch meinen Korb (oder Trommel?)

niemand stechen.

Er muss sehr weit springen:

ergriffe ich ihn mit dem Schlag

ich schlüge ihn, dass er dummer

schaut, nimmer (nie wieder) hell/klar.

ich helfe ihm mit dem Körper in die Asche,

und schlage ihn willentlich mit einer Flasche,

dass ihm die Hunde das (verspritzte) Hirn von der Erde lecken können.


VIb

Herr Neidhart hat gesungen,

dass ich ihn hassen will,

um meines Verwandten willen,

dessen Verwandter, den er beleidigte.

Ließ er es unbezwungen!

Es ist ihm gänzlich/völlig zu viel.

Enthielte er sich seiner Grillen (Grille = sehr sonderbarer, schrulliger Gedanke, Einfall)

und hätte auch der Gewalt!

Es ist ein Schelten/Tadeln, dass mich freuen lässt.

Wird die Amtsträger-Rute mir gewetzt,

so trenne ich ihn auf (aufschneiden?), dass man gut und gerne einen Sessel/Schemel in ihn setzen könnte.