Benutzer:Bernsteinmediae

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Übersetzungen von Liedern Neidharts ins Nhd

Winterlieder

Winterlied 1

Winter, deine Gewalt will uns in die Stube dringen, weit von der Linde: Deine Winde sind kalt Lerche, lass dein Singen! Dir hat beides der Reif und auch der Schnee untersagt. Du musst stillschweigen: So verklage ich den grünen Klee. Mei, ich will dir neigen, mir schmerzt der Wind.

Tanzet, lachet, seiet froh! Dass dünkt den Kindern diesen Winter lang. Euch zum Beistand in dieser Zeit von meiner Zunge einen neuen Gesang, sodass ihr ohne große Gesinnung Freude erlangen könnt. Engelmar, deine Stube ist edel, doch die Kälte ist am Obstwein. Der Winter macht seinen Schaden.

Etzel, Ruoze und Adelber und der geile Rüele haben alle zusammen geschworen auf einen erhabenen Bauernburschen. Dieser ist von Witenbrüle und erlebt große Wut. Das erfuhr ich noch bevor ihr nie am schlichten seid. Rüele wollte Widerstand leisten, den Reien zu tanzen, das was Lanzen beneidete.

Lanze trägt einen Wams, dieser ist vom Wettschießen grüner als der Klee. Zum Weihe hat er sich gerüstet. Er lebt in der Zuversicht, dass ihm nichts widersetzt. Denn er hat ein gutes Hemd aus Eisen eingenäht. Knurrend wie ein Bär geht er, ein freundliches Gemüt ist ihm fremd.

Lanze, der hat noch Freunde, die ihn nicht gehen lassen, als sei er ein Kind. Drei habe ich euch sogleich kundgetan, die ihm auf der Straße beistehen und sind Eisenbolt, Eisenhart und der junge Fride. Rüele, der war nie so lieb, er wäre wohl durch einen Streit vor dem Verstoßen bewahrt.

So lass uns um die Frau kämpfen und zum Tanz gehen. Dort springen wir auf schöne Art in die Höhe. Nun wohl auf, unberührte und junge Frau, Afra, Engelin, Franze, die will uns etwas vorsingen. Metze zögert… und es kommt Adelheit und dazu… Engellint und Irmengart fröhlich, das sind sehr schöne Mädchen.

Winterlied 10

Als der freudige Sommer sich verabschiedet hatte, musste man mit den Tänzen auf den Felder ganz aufhören. Seitdem bekümmerte das den Herren Gunderam, der seine Prahlerei deswegen auch unterlassen musste. In diesem Winter ist er Aufseher. Einen solchen Narren gibt es sonst nicht im Land. Sein Gassenräumer schaut stets zurückgedrängt von hinten.

Was er sich dort für verwunderliche Taten bei den Mädchen anmaßt, bevor meine Frau Glocke ihren Auftrag zu Ende bringt! Er ist sehr rücksichtslos, denn jede, der er nahe kommt erfährt höllische Schläge und vermeidet diese Schande. Deshalb sollten sich alle das Lachen verkneifen, welches die Jungen nicht verheimlichten. Deswegen musste ihre Hand von solchem Machtwirken häufig Schmerzen empfinden.

Jeden Freitag erheben sie sich mit einer Versammlung, der ich Schaden wünsche. Werenbrecht spricht, während Siegmar trommelt. Auf dass es ihnen misslingt, das wäre nur angemessen. Es kann sich schnell zum Schlechteren verändern; wenn sie nicht mit ihrem Getue aufhören wollen, können sich zwei ordentlich an meinem Schwert schneiden.

Käme ich zum Tanz, zu dem alle gingen, dann würde es ein Spiel mit beiden Schwertschneiden geben. Vielleicht würde es eine Chance geben, sodass drei vor mir lägen. Ich hielte unabänderlich dagegen, sogar wenn mir einer zusetzen würde. Sieg und Glück würden mir dazu verhelfen so zu gewinnen, dass die Hälfte von ihnen davonrennen müssten. Nun ziehen sie sich zurück und lassen ihre Ausgelassenheit vergehen!

Seine Jagdzüge lassen mich grau werden, wenn er, den Kopf eitel umdrehend, vor meine Herrin steht. Treibt er dies auf Dauer und bleibt dran wird man ihn aus dem Keuchen heraushelfen, sodass er sehr traurig dasteht. Wenn ich ihn oder einen seiner Gehilfen mit ihr tanzend erwische, sei es klar, dass ich eine offene Stelle in sie schlage!

Ihm hilft weder seine Weste noch sein Helm. An ihm wird Rache verübt, er entnahm ihr gewaltsam den Ball. Er ist ein närrischer Mann, sein närrische Gesinnung wird ihm noch geschwächt. Will er vor Reuental derartig einstehen, wird er von manch einem zerzupft. Herr Werenbrecht, was kann ich dafür, wenn er ins Taumeln kommt?

Ich will dies erklingen lassen, um meiner Sitte wegen, darf niemand durch meinen Schlag bekämpft werden. Er muss deutlich weiter gehen. Wenn ich ihn mit meinem Schlag erfasse, schlage ich ihn, sodass er nicht mehr töricht schauen kann. Ich würde seinen Leib zur Asche werden lassen und mit einer breiten Schwertklinge schlagen, dass die Hunde seinen Schädel vom Boden fressen müssen.

Herr Neidhart hat gesungen, dass ich ihn hassen will wegen meinem Neffen, den er fortstößt. Ließe er es ungezwungen, denn es ist ihm wirklich zu viel. Hätte er seinen Zorn und so auch die Gewalt losgelassen! Es ist eine derartige Schande, dass es mir Freuden verhindert. Wird mir die Waffe gewetzt, so zertrenne ich ihn, dass man einen Stuhl in ihn stellen kann.

Winterlied 13

Wie überstehe ich beides, meine Freude und die Sommerzeit? Ich kann diese Schönheit nicht in so kurzer Zeit vergessen. Wegen diesem großen Leid, das mir Reue ohne Freude gibt, jammere ich nun ständig von Schulden in diesen trüben Tagen, die uns den Winter zeigen, der uns allerlei Freuden raubt. Vom Gesang haben die kleinen Vögelein abgelassen. Deshalb möchte ich mit meinem Gesang ganz still schweigen.

Sollte ich mir nicht mein Vertrauen und meine freudige Zuversicht fassen, so weiß ich nicht welche Gnade mich trösten kann. Denn ihr möchtet meinen Dienst missachten, den ich ihr eine lange Zeit bis nun leistete und mit Zuverlässigkeit pflegte. So würde ich es weiterhin tun und mich daran erfreuen, sodass mich die Bauernburschen nicht meines Lohnes fernhielten. Dessen ist Uoze und seine grobe Pelzmütze gierig.

Engelwan und Uotze, die beiden sind mir verhasst (aufgrund der Schulden und dem Neid muss ich mich von ihnen abwenden), und der übermutige Ruoze. Wie prächtig er sich rühmt, er hielt mich wegen ihnen zurück. Diese drei Widersacher waren beratend und bemerkend darüber, dass ich ohne Lohn verbliebe. Folge nicht ihrem Anraten, Herrin, die liebste aller Frauen! Belohne meine Jahre, lass mir kein Leid widerfahren!

Herrin, deine Gutmütigkeit erkenne ich so mannigfaltig an, dass ich von dir noch freudig meinen Lohn erwarten kann. Wegen ihrer Gesinnung, die Narren und ihre Gewalt, ist das mit den Blüten dahin. Nun möchte mich Engelwan von deinem Wohlwollen verstoßen. Ebendies muss ihm misslingen. Sodass hunderte Schwerter auf seinem Kopf laut erklingen! Sie zerschneiden ihn zurecht, sie verderben ihm das Glied.

Betrachtet den Engelwanen, wie hoch er sein Haupt trägt! Sobald er mit schwingendem Schwert zum Tanz kommt, so ist er nicht ohne flämisch, höfischen Anstand, obwohl sein Vater Batze wenig damit zu tun hat. Nun ist sein Sohn ein törichter Schmarotzer mit seiner rauen Schutzkappe. Ich vergliche seine Aufgeblasenheit mit einer übersättigten Taube, die mit vollem Hals auf einem Getreidekasten steht.

Wenn jemand durch sein Innerstes ihre Freude oder Schmerz erreichte, versteht derjenige sicherlich meine Sorgen und meinen Kummer. Da ich meinen Augen den Weg nicht verwehren kann, blicken sie dorthin, wo der Ruoze mit ihr an der Hand tanzt. Daher gehe ich schwerlich, damit ich mich mit demselben nicht raufe. Einen derartigen Wechsel nehmen sie an, die dort lieben, für ihren Erwerb. Liebe, lass mich frei! Mich erdrückt deine Gefangenschaft.

Geliebte, deine Schnüre, die bedrängen das Herz von mir, sodass ich mit irgendjemanden zu kämpfen habe für dich. Wie auch immer heimlich ich die Glocke deiner Kammer bewege, bin ich davon beherrscht dir Treue zu erweisen. Geliebte Dame, deine Macht gegen mich ist gewaltig. Königin, verhänge nicht deine Ungunst, sodass sie mich umbringe! Ja, sie gebietet über mich.

Winterlied 24

Sommer, deine lieblichen Wetterlagen müssen wir uns nun sehnen. Dieser kalte Winter bringt uns Leid und Sehnsucht. Die schönen Liebschaften trösten mich nicht. Wie kann ich diese lange, beschwerliche Zeit vertreiben? Diejenige Zeit, die die Felder und zahlreiche schöne Blumen erblasst. Davon sind die Vögelchen so sehr überwältigt, dass sie ihr Singen unterlassen müssen.

Die Frau hat mir mein Herz derartig eingenommen, sodass ich ohne Freude meine Tage verschwenden muss. Es verfliegt nicht, was ich ihr lange vorgesungen habe. Daher ist es mir gleichgültig, dass ich noch viel schweigen werde. Ich glaube nicht, dass sie den Männern zugeneigt bleibt. Wir geben auf, was wir dort vorgesungen und geflüstert haben, ich und der Hildebolt.

Dieser ist jetzt der Stürmische unter den übermütigen Gesellen. Er und ein anderer, nennt man den jungen Willegêr. Den konnte ich diesen Sommer nie von ihrer Seite verdrängen, sodass der Tanz gegen abends auf der Straße schief ging. Viele warfen mir schiefe Blick mit den Augen zu, sodass ich entgegen meinem guten Willen vor den beiden immer gehen musste.

Ach, dass mich so mancher von einem lieblichen Ort verdrängt hat, jetzt von der Schönen und auch früher anderswo. Die Törichten sind mir zum Hohn gesprungen. Ihre Gewalt lässt bereits meine Haare ergrauen. Jedoch nickte mir die Schöne über den Schildrand ein wenig zu. Gerne erzähle ich, wie die Bauerntölpel angezogen sind. Übertrieben eitel sind ihre Kleider.

Sie tragen enge Hemden und schmale Kapuzenmantel, rote Hüte, Schnallenschuhe, schwarze Hosen. Engelmar täte mir bei Vriderune nie so ein Leid, wie die beiden es nun tun. Ich beneide die purpurfarbenen Gürteltaschen. Darin liegt eine Wurzel, die Ingwer heißt. Von dieser gab Hildebolt der Schönen eine beim Tanz, diese entzog Willeher ihr allerdings.

Ich würde gerne wissen, wie Bauerntölpel voneinander denken. Sie trugen Pickelhaube, dazu lange Schwerter. Ihr Spott, ihre Fehler brachten sie ganz zu Schanden. Trotz diesen wurden sie durch den Brustharnisch mehr als halb aufrechterhalten. Sie stritten täglich miteinander einen ganzen Sommer lang. Dass ihr Benehmen zu beweinen/bedauern ist, sieht Herr Neidhart.

Soll ich nun davon erzählen, was sie miteinander taten, weiß ich es nicht, da ich mich schnell davon machte. Jedermann begann lautstark seine Freunden zu rufen. Einer schrie laut: „Hilfe, Gevatter Wergant!“. Er war vermutlich in großer Not, während er so sehr nach Hilfe schrie. Hildebolts Schwester hörte ich laut rufen: „Oh weh, mein armer Bruder, oh weh!“.

Da kam sogleich ein Geselle vom Streit hergelaufen, den fragte ich nach dem Vorfall. „Willeger kämpfte mit Mut. Hildebolts Kapuzenmantel ist weit zerrissen und dazu ist sein Rock fast dreimal weit gedehnt.“ Dies geschah wegen einer Wurzel, die man ihr gewaltsam aus den Händen riss. Daher wurde dies mit einem künstlerisch verzierten Helm bestraft, den man beim Tanz zertrümmert liegen sah.

Woran soll man mein Geschwätz zukünftig erkennen? Zuvor erkannte man es an dem Reuental. Nach dieser Bezeichnung soll man mich weiter mit vollem Recht nennen. Nur ist mein eigener Besitz und mein Darlehen daran gemessen klein. Mädchen, ihr heißt denjenigen singen, der dort seine Macht hat, doch ich bin von dort verstoßen worden ohne Schulden. Meine Freunde, so nennt mich nicht mehr bei diesem Namen!

Ich habe die Gunst meines Herren verloren ohne Schulden, seitdem ist mein Herz voll von Klagen und Trauer. Rechtschaffender Gott, nun richte ich mich vollständig nach deiner Gunst. Viele werden Freunde, worauf ich verzichten soll! Das habe ich in Bayern gelassen, alles was ich je erreichte, und begebe mich nach Österreich und will mich an den angesehenen Österreicher wenden.

Der Wille meiner Feinde hat sich für mich nicht gut ausgewirkt. Wollte es Gott, so folgt auf sein Schaffen vielleicht noch Rat. Im Land Österreich wurde ich von dem edlen Fürsten gut aufgenommen, der mir eine Unterkunft gab. Hier in Mödling bin ich gegen den Willen von allen. Ich bin es leid so viel von Eppen und Gumpen im Reuental gesungen zu haben.

Herr Neidhart hat uns hier verlassen, sobald die Krähen die verdrängten, die dort hinten fliegt und auf einem Saatfeld sitzt. Ein Mann soll mit fremden Frauen nicht so viel zu tun haben. Er selbst war schuld daran, dass er keine gefunden hat. Er genoss seine täglichen Speisen, dabei hat er hinreichend zu Hause. Lass Hildebolt in Ruhe! Denn es war eine Eichel, die er bei sich im Beutel trug.

Zu meinem Leid trug Friedbrecht radförmige Sporen, einen neuen Schwertgurt und dazu zweierlei Gewänder. Wenn er den Reif wieder auf die Scheide schiebt, so müsst ihr wissen, meine Freunde, dass es mir Herzkummer bereitet. Zwei neue Handschuhe zog er bis zu seinen Ellenbogen hoch an. Möchtet ihr hören, wie dieser Gamsbock die Liebe in diesem Jahr mitten im Tanz verließ?

Er ist wohl davongelaufen, als ob ihm eine Schweinsblase angebunden wäre, wie man es bei ungestümen Hunden macht. Immer wieder unterbrach er seinen Schritt und so erkannte sie doch Hatze und Pletze und von dort her ihren Gefährten Hartmut. Fragt Engelslieblinge, wie es um ihren Bruder Friedbrecht aussieht! So erzählte sie mir „Ach, ach, er hat sich vor Furcht verdreht, der närrische Knabe.“

Wurde er von irgendjemanden mit der bunt gescheckten Spitze gesehen? Diese trägt er auf Händen und klopft auf sein neues Schwert, damit will er uns nachts in den Gassen erschrecken. Derjenige glaubt er sei mehr als das Geringste wert, wenn er dann lärmt und drängt, der bösartige Mann, und seine ringförmige Spitze gleichermaßen erklingen lässt, als würde er einen Brustharnisch tragen.

Winterlied 27

Strophe I: Mein Herz leidet darunter, dass der Kühle Winter die schönen Blumen verderben will. So verdirbt mich eine sehnsüchtige Arbeit. Diese beiden Sorgen drängen mich nach hinten zum Ende meiner Freuden Ziel. Oh weh, dass die Gute mit ihrem Willen das vertreibt, da sie wohl all meinen Kummer verringern kann! Ach, würde ich noch den Tag erleben, an dem sie gütig ist!

Strophe II: Wenn ich mich zurückziehe und an sie denke, wäre es die Güte der vertrauten Frau, hätte sie sich nicht so lange bei ihr. Da sie meinen neuen Klang gering lohnt, möchte ich anderswo dienen? Nein, ich möchte mit Willen diesen Kummer ertragen. Was ist, wenn noch eine herrliche Frau völlig die Gesinnung abwendet? Erfreu mein Herz und tröste den Leib! Die zwei, die sind verwundet.

Strophe III: Zu diesem Kummer, den ich durch sie erleide, bedrückt mich ebenso ein anderes Leid, das vor allem Leid mich niemals derartig heftig überwältigte, wiewohl ich darüber lache und mich fröhlich aufführe. Mir hat ein Bauernbursche wiedersagt, es handelte von meinen überflüssigen Gesang. Der wurde Adeltir genannt, stammt gebürtig von der Ense. Zu jeder Zeit droht er mir wie einer überfettete Gans.

Strophe IV: Neulich bei einem Tanz ging er umher und umher. Den Tausch hat er den ganzen Tag: Einen hellstrahlenden Blumenkranz gab er für einen neuen Schmuckkranz. Etzel und Lanze, zwei dumme Knechte, die züchtigen auch, da jener es tat. Lanze, der verärgert eine sehr stolze Hofdame. Einen kleinen guten Schleier zog er ihr vom Kopf, dazu einen Blumenhut. Wer hat ihm das erlaubt?

Strophe V: Oh, weh seine Hände! Auf dass sie verflucht sind! Die Finger müssen verloren werden, damit hat er den schädlichen Riss gezerrt! Hätte er ihren Kopfschmuck unberührt gelassen, hätte das Kränzle auch sie erwählt. Er ist ungestümer als damals Engelmar, der gewalttätig den Spiegel von Friderune nahm. Dessen bin ich dem Bauernburschen zornig, demselben Walberun.

Strophe VI: Diese alten Vergehen erwecken mir die neuen: Es hat ein übermütiger Geselle in diesem Jahr in mir geweckt, was mir zu jeder Zeit als Leid geschah. Bevor ich es länger geschehen lasse, sähe meine Treue das, würde ich zu ihm in den Kampfring springen, er würde seine Buße eingestehen, dass ihn zur Frau trieb, der ich lange Zeit mit voller Zuverlässigkeit gedient habe! Wolle er sie ihn Ruhe lassen, dann täte er recht!

Strophe VII: Weh, was hat er Mucken! Sie kommt ihm nicht zur Mäßigung. Wer soll seine Straffälligkeit niederringen? Ihn vermag sein höfliches Gewand nicht zu verhelfen. Er soll ihm eine suchen, die ihn werben lässt. Die seine rote Metallbrustbekleidung, die sind ihr gar abstoßend, dazu sein Wangenverband. Enge Ärmel trägt er lang, die sind angebrannt, innen schwarz und außen weiß. Er spricht nach Flamländer Art.

Strophe VIIa: Seine geschnürten Riemen klopfen an den Orten. Dort hängen wundersame Pfeffer an, Muskat, Nelke, Pfauenkraut: Das ist der Glanz der Bauernburschen. Er will ein Bauernmädchen mit süßen Worten überwältigen, dabei kann ihm jedoch sein eitles Gewand und kunstvoller Tanz nicht helfen. Ein sehr gutes Leinentuch, sechzehn kleine Kämpfe, hat sein Hemd und auch seine Hose; die Art ist fremd.

Strophe VIIb: Herr Neidhart, könnt ihr es lassen? Euch soll es misslingen. Nun habt ihr es von meiner Aufrichtigkeit und ich sage, es muss euch der Tanz leid werden! Möchten sie auf den Straßen viel mit uns drängen, wie auch immer weit verbreitet euer Geschwätz sein mag, da scheint der Glanz unter eure ringförmige … und sollt ihr gar der Teufel mit eurem glänzenden Hut sein, mache ich ihn wahrlich blutgefärbt mit meinem ordentlichen Schwert.

Strophe VIIc: „Nun da, prächtige Gesellen, steht mir gleichermaßen beiseite und helft, sodass wir ihn standhalten, der uns beim Tanz mit Gemach nicht verlässt! Ich erwarte ihn niederzubringen.“ So sprach Amelrich; „Die Hand, die muss er mir überlassen, da der gefleckte Vogel obendrauf steht, und dazu den rechten Fuß. Da er an der Spore klingt. Ja, ich schaffe mir seine Abhilfe, sodass er von uns nicht singt.“

Winterlied 34

Dass sie nicht den Ritter an den Finger stieß, als er noch neu und würdevoll war! Damals hätte sie sich dem Knecht vollumfänglich gegeben. Ich weiß wirklich nicht, weshalb sie das ließ. Vielleicht war in ihren Augen der Knecht am liebsten. Liebe ist derartig mächtig, wenn man sie begehrt, und so bedrängend, wenn jemand den Willen in Taten umsetzt, sodass sie sich dort hinbegibt, wo ihre Ehre ungeschützt ist.

Herr Neidhart, früher war eure Dichtung völlig vereinigend. Im jetzigen Zeitalter […]. Tüchtige Knechte können euch nicht mehr freundlich gesinnt werden. Wenn ein Knecht einmal eines Siegels war, solltet ihr ihn dem Neid verschonen. Ritter sollten angemessener Weise Seide und Gold tragen. Das Wahrzeichen soll angemessen von Haaren sein, sodass ein Knecht seine Finger darin stieße.

Überall in diesem Lande fragen sich hinreichend viele Personen, wer er sein möge, der so schön sang. Von den Narren umgeben, von denen es viele gibt, so will ich ihn benennen, der von Reuental. Glücklich sind diejenigen, die mir ganz und gar ihren Dank ausdrücken! Sodann singe ich neue Freuden, dass das Trauern verweht. Schaut, sie können ihr Trauern lassen! Mir verlangt es sehr nach Mechthilden, da diese Schmeicheleien für mich haben.

Sommerlieder

Sommerlied 4

Die Weide, die Wiese, der Wald sind glückselig. Sie haben sich mit ihrem prächtigsten Gewand ausgestattet, das der Mai ihnen geschickt hat. So sind wir alle fröhlich mit lautem Jubel! Denn der Sommer ist im Land angekommen.

Richtigerweise kommt ihr aus den Häusern heraus, ihr schönen Kinder, lasst euch auf der Straße sehen! Der starke Wind ist fort und ebenso der kalte Schnee. Macht euch alsbald auf zum Wald! Den singenden Vögelchen schmerzt es danach.

Diesen wird ihr Schmerz vollständig entschädigt. Das sollt ihr mir glauben! Nehmt selbst wahr, was euch der Sommer gebracht hat! Er will in Ruhe an zahlreichen Bäumen mit Blättergewand zunehmen.

Nun die, die an großer Obhut vermögend sind, sollen schnell ihre beste Festtagsbekleidung anziehen und sich darin sehen lassen! Wir sollen bei den Wiesen ihre vielen Blumen beim Leuchten betrachten.

Auch wenn das Reuental mein eigen sei, bin ich diesen Sommer frei von allen Sorgen, seitdem der Winter vorüber ist. Ich will den jungen Menschen beibringen, Freude wertzuschätzen, danach verlangt es mir.

Sommerlied 18

„Es wird ein Sommer zu uns kommen“, sprach ein Mädchen: „Ja, das habe ich von dem vom Reuental gehört. Ja, ich möchte ihn preisen. Mein Herz ist vergnügt vor Freude, als wolle es toben. Ich höre ihn dort vor den Kindern singen. Ich möchte wirklich nicht aufhören ihm zuzuhören, ich springe an seinen Händen zur Linde hoch.“

Die Mutter rief nach ihr, sie sprach: „Tochter, höre mir zu, handle nicht unüberlegt. Erinnerst du dich, was damals deiner Freundin Jiuten und ebenso ihrer Mutter widerfuhr? Wegen seinem Tanz wurde sie schwanger und bekam ein Kind, das sie Lempel nannte und so lehrte er ihr das Hüpfen.“

„Mutter, lass es sein! Er schickte mir einen Rosenkranz, der hell auf mein Kopf leuchtete und zwei rote Strümpfe brachte er mir über den Rhein her, die ich heute noch an meinen Beinen trage. So wie er mir half, kann niemand anderes. Ja, deshalb werde ich deinen harten fürsorglichen Rat nicht annehmen.“

Die Mutter war es leid, dass die Tochter nicht hörte, was sie ihr zuvor erzählte. Dann sprach das stolze Mädchen, „Ich habe mich ihm versprochen, deshalb hat er meine Treue. Warum sollte ich damit meine Ehre verlieren? Ja, ich möchte nicht mehr zurückkommen. Er muss mir seine fröhlichen Sprünge lehren.“

Die Mutter sprach: „Dann gehe! Es wird dir wohl oder übel ergehen, aber weiß darum, dass das deine Sache ist! Du hast keinen guten Verstand. Wenn du mit ihm ins Reuental möchtest, so wird er dich dort hinbringen. So kannst du dich seiner Melodie hingeben. Er wird anfangen dich zu schlagen, zu stoßen, zu raufen und es müssen doch zwei Wiegen bei dir laufen.“

Sommerlied 22

Strophe I*: Der Winter hat ein Ende. Gekommen ist der Mai, der uns Blumen und machen Leien bringt. Ich höre die Vögelein singen. Wir sollen tanzen. Wir sind zuversichtlich. Der Wald ist gut belaubt. Die Linde trägt eine goldene Krone.

Strophe I: Die Linde wählt ihre Krone mit neuem Laub zu bereichern. Darunter lassen sie Nachtigallen heranziehen. Sie singen wohl zum Lobpreisen, auf eigene, liebliche Weise singen sie viel.

Strophe II: Sie sprechen, damit der Winter sich zu dieser Zeit nicht in die Länge zieht. Jetzt ist die Wiese mit Blumen völlig vermischt, mit leuchtendem Anblick der Rosen auf der Heide durch ihren Glanz. Von diesem sandte ich Friderun einen prächtigen Kranz.

Strophe III: Die Vögele in dem Wald singen herrlich. Edle Bauernmädchen, ihr sollt neu beginnen. Erfreut euch an lieblichen Erzählungen! Manch schweres Herz wird zergehen. Tut, wie ich euch lehre, zieht eure neuen Kleider an!

Strophe IV: Ihr schnürt euch die Taillen zu, streift die Schleier ab! Wir sollen auf dem Acker wohl tanzen. Friderun sprang wie eine Puppe in ihrem gekräuseltem Spinnrocken vor der Menge: Das nahm auf der anderen Seite Engelmar ganz heimlich wahr.

Strophe V: Als sich die Geliebten gleichmäßig zu zweit fanden, da sollte ich den Reien gesungen haben, wenn doch ich zu der Stunde nicht berichten konnte und die Zeit, so sehr die Wonne des Sommers vielerlei Herzen Freude gibt.

Strophe VI: Nun geheißen sie mich zu singen: Ich muss ein Haus besorgen, das mich vom Sang abhält an manchem Morgen. Wie soll ich verfahren? Mir ist Engelmar lästig, dass er Friderun ihren Spiegel von der Hüfte entriss.

Strophe VIa: Seiner Schwester des Vaters Bruder hatte sie es wohl entlassen. Er kann sich derartige Dinge anmaßen; er ist ein törichter Bayer. Er und der junge Meier tun ihr leid. Noch hat sie den Freund, der ihm die Länge nicht fortträgt.

Strophe VIb: Darum will sie aber einen Engelmar vertreiben. Er ist ein Gemsbock unter jungen Frauen. Er ist ein Tänzer des Reuentanz, in dem Gau vortänzelt. Seine Gewalt, die ist beim Reien unter den Mädchen zahlreich.

Strophe VIc: Das ist Friderun ein langwährender Schmerz von Engelmar dem törichten Tanzbeobachter, dass er wagte ihr aufzulauern. Dessen klagte sie vor all ihrer Menge. Vor diesem Schall solltest du dich nun hüten, Friderun! Flüchte zum Reuental!

Strophe VId: Der hat ihr genommen, ihn verspotte man eine Puppenwiege. Das hatten wir angeklagt, vor allem den Spiegel (der war aus Elfenbein, kostbar, sorgfältig geformt), den seine Hände ihr gewalttätig entrissen, davon verschwand all meine Freude.

Strophe VIe: Ihr sollt es mir vollwertig glauben, ich sag es nicht gerne: Das Band des Handspiegels, das kommt aus Irland. Es war ein wertvolles Band. Unten bei diesem Ort standen Wildtiere, aus rothaarigem Gold. Nie geschah mir solches Leid.

Strophe VIf: Dass ich nicht fröhlich singe, das bringt mir einen Kummer, von dem ich sehr gerne freigelassen wäre. Diese Dorfgemeinschaft, die nimmt das als kaum bedeutsam wahr: Sie bringen mir Hass entgegen. Wenn sie nicht so wären, dann würde ich weiterhin wahrhaftig singen.

Strophe VIg: Erkenbrecht und Utze und der Ungenannte, Gotzbrecht, der mich oft vom Gesang abhielt, die sind nun gänzlich still und ihre Freude schwankt hin und her. Ihr Glücksrad, das eben lief, das ist nun ins Straucheln geraten.

Strophe VIh: Frau Hilde und Gesellen, die sprangen ihr zu Händen, ihr Tanz, der war bisweilen ohne Schande. Nun haben sie erlangt, dass er verdorben ist. Ihre Eitelkeit, ich denke sie hat sich in vielem Spott und Leid gezeigt.

C Lieder

C1

Strophe I: Der schwarze Dornenstrauch ist weiß geworden, nun hat der Mai seinen Leib über die Wiesen gelegt. Ganz geschmolzen ist der Schnee, man sieht ihn sogleich, wie früher die trächtigen Blümlein. Der Mai hat die Felder gar schön belagert mit feinen Kamillenblümlein. Froh, so singen die Vögelein, ihres Leides ganz vergessen.

Strophe II: Dafür lobe ich die reinen Frauen, der wohlvertraute Körper kann großes Begehren bringen. Diejenige, die sich vor falscher Hand behütet, die lobe ich zweifellos. Wohl dir, gute Frage! Frau, behalte deine Ehre, das will ich dir raten. Durch deine fröhlich, weibliche Art, Frau, du auserwählte Frucht, verbrennst den Daumen des Liebhabers.

Strophe III: Nun sang ich gerne den Frauen vor, doch es stört mich ein anderer Schmerz. Ich sah die Bauernburschen den Reigen tanzen, ganz unsinnig auf dem freien Platz. Beide, Frauen und Männer, empfingen freudig den Mai. Herr langer Lanze, das sollt ihr mir rächen. Dazu klag ich euch, Herr Pflug, ihr rächt mir diesen Unfug, es soll ihm den Rücken brechen.

Strophe IV: Ich kam dorthin zur Zeiselmauer, die Fahrt war mir ein Stück zu weit. Dort hörte ich fremde Erzählungen. Dort fand ich einen Ehrenztanz und von Rosen gemachte Kränze, zerronnen ist mein Kummer. Ich zog zu einem Gastwirt, der etwas zierte, das dem Engelmar gewahr wurde. Ellenweit war es im scharfen Wind.

Strophe V: So eilte er rasch dorthin, gut zu vierzig Gesellen, übertrieben stehend in ihrem Hochmut, tanzten die bei den Linden. Er sprach: „Herr Neidhart, der ist hier, der uns des Spottes nie erließ. Wohl auf, sodass wir ihn finden. Ich sollt euch nicht besorgen ihr geht mir vorbildlich nach, auch seid ihr zum Kämpfen nicht zu voreilig, wir tränken auf fröhliche Art und Weise.“

Strophe VI: Vierzig Bekannte mit Wein, sie trunken in einem Gärtchen, ganz große war ihre Aufregung: „Sei Gott willkommen, Herr Neidhart, euch sei geschenkt durch diese Fahrt.“ Ich saß in einem Schweiß, ich sprach: „Ich bin dem Neidhart ungleich, ich bin ein Jäger. Ich bin wütend, ich habe seine Hunde verloren, vom Fürst Österreich.“

Strophe VII: Engelmar bot ihnen dar, das Leben und den Tod, das sagten sie sich alle. Sogleich da schenkte man ein, den sehr klaren Wein aus dem Osten, den tranken sie schallend. Er sprach: „Und wollt ihr Torgetriebenen erkennen, so sieht es und seid ein fröhlicher Mann, ich helfe euch mit Gemach dorthin. Dann wollt ihr mich nicht mehr so nennen.“

Strophe VIII: „Dir sei gelobt an der Hand: Du wirst von mir nicht mehr genannt. Was ich künftig singen will, und auch was ich dichten kann, du heißt der ungenannte Mann. Du sollst fröhlich springen und die Törichten aus dem Garten ordnen.“ „Wohl auf, ihr Herren, wir sollen ganz vorbildlich diesem Plan folgen und den teuren Frauen dienen.“

Strophe IX: Die verschwanden sogleich, da brachte man mir ein gutes Gewand, das musste ich von dort fortschaffen. Dazu gaben sie mir ein Pferd, das war wohl dreißig Pfund wert und geht im Passgang nach den Schnüren. Dessen dankte ich den Männern und Frauen und ritt dahin nach Plan, dort mochten siebenhundert stehen, die mich beginnen anzuschauen.

Strophe X: Auf der Reise, so ging es mir, war ein großes Staunen von leuchtend schönen Augen. Friderun unbekleidet, das gab für die anderen Schein, mit Lob ich es jederzeit auszeichne. Ich reite nach Wien und erzählte von den Abenteuern, wie sie mir alle Hasse entgegenbrachten, als ich in dem Garten saß, jedoch bekam ich ihre Steuer.

Strophe XI: Der Herzog sendete nach Zeiselmauer, er ließ frei denselben Bauer und all seine Hausgenossen. Dessen war der Engelmar froh, der half mir fröhlich von der Menge leichtlich zu den reichen Straßen. Und Engelmar will ich ihn nicht mehr nennen, er heißt der ungenannte Mann, der wohl gut mit der Friderun kann. Ihr möget ihn wohl erkennen.

Mediaewikiartikel zu Minne und Abhängigkeit in Winterliedern Neidharts

http://mediaewiki.de/wiki/Minne_und_Abh%C3%A4ngigkeit_in_Winterliedern_(Neidhart)