Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival): Unterschied zwischen den Versionen

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Eines der zentralen Themen im Parzivalroman ist der widerstreit zwischen zwei Bedeutenden Gruppierungen: den Rittern der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]]einerseits und der Gralsgesellschaft um den Heiligen Gral mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] als letztem Anführer.
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Diese zwei Gruppierungen sind einerseits Königreiche unter den genannten Herrschern, andererseits aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen der ritterlichen Gesellschaft. Diese Unterschiede haben in den vergangenen gut 200 Jahren der Parzivalforschung unterschiedliche Ergebnisse und Interpretationen hervorgebracht und sind bis heute nicht wirklich abschließend ausgearbeitet und interpretiert. Vor allem die Thematik einer Hirarchie und der Bedeutung von Weltlichkeit und Geistigkeit stehen dabei im zentrum.
  
Hier entsteht ein Artikel zur heute im Seminar behandelten Thematik.
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Zur Erläuterung der Thematik ist eine stringent bleibende Verwendung von Begriffen von nöten, dabei werden die jeweiligen Gesamtbereiche als "Sphären" bezeichnet, die Ritterschaft als Ritterbünde (Gralsritter und Tafelrunde), die Betreffenden Reiche als Königreiche (Engelland, Löver und Bretane für Artus, Terre de Salvaesche für den Gralskönig) und die Herrscher als Könige (Artus und Anfortas bzw. Parzival).
Dabei werden die zwei Organisationen als Bünde sowie als Herrschaftsverbände betrachtet.
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=Forschungsansätze=
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Die Parzivalforschung besteht mittlerweile seit gut 200 Jahren, in dieser Zeit wurde eine erdrückende Anzahl an Literatur veröffentlicht und eine beeindruckende Varianz an Interpretationen verschiedenster Themenschwerpunkte erstellt. Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären ist dabei auch immer wieder in das Blickfeld geraten. Dabei war das frühere Hauptthema die Stellung der beiden Sphären zu einander, in wie fern sie vergleichbar, hiarchisch angeordnet oder unabhängig sind.
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Als Modelle sind dabei vor allem ein dualistisches, ein Gradualistisches sowie ein typologisch Heilsgeschichtliches verbreitet. Die dualistische Deutung ist davon die älteste und einseitigste. Sie stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber, die Tafelrunde stellt das Bild der höfischen auf Ehre, Kampf und Minne fokusierte Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum ist weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen ist die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stellt eine Art kirchliches Rittertum dar, die Kämpfe sind auf Verteidigung des Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gibt es nicht, auch an politischem Machtgewinn ist der Gralskönig nicht interessiert da für ihn nur Terre Salvaesche relevant ist. In dieser Deutung entwickelt sich also nichts, es handelt sich nur um zwei Gegenpole, die Gralsgesellschaft als besonders religiöse wird dabei oft als Überlegen und Übergeordnet zur weltlich, verdorbenen Gesellschaft betrachtet.
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=Die Rittergesellschaften bei Wolfram von Eschenbach=
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==Unterschiede zu Chrétin de Troyes 'Perceval'==

Version vom 30. Juni 2012, 16:04 Uhr

Eines der zentralen Themen im Parzivalroman ist der widerstreit zwischen zwei Bedeutenden Gruppierungen: den Rittern der Tafelrunde um König Artuseinerseits und der Gralsgesellschaft um den Heiligen Gral mit Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) als letztem Anführer. Diese zwei Gruppierungen sind einerseits Königreiche unter den genannten Herrschern, andererseits aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen der ritterlichen Gesellschaft. Diese Unterschiede haben in den vergangenen gut 200 Jahren der Parzivalforschung unterschiedliche Ergebnisse und Interpretationen hervorgebracht und sind bis heute nicht wirklich abschließend ausgearbeitet und interpretiert. Vor allem die Thematik einer Hirarchie und der Bedeutung von Weltlichkeit und Geistigkeit stehen dabei im zentrum.

Zur Erläuterung der Thematik ist eine stringent bleibende Verwendung von Begriffen von nöten, dabei werden die jeweiligen Gesamtbereiche als "Sphären" bezeichnet, die Ritterschaft als Ritterbünde (Gralsritter und Tafelrunde), die Betreffenden Reiche als Königreiche (Engelland, Löver und Bretane für Artus, Terre de Salvaesche für den Gralskönig) und die Herrscher als Könige (Artus und Anfortas bzw. Parzival).

Forschungsansätze

Die Parzivalforschung besteht mittlerweile seit gut 200 Jahren, in dieser Zeit wurde eine erdrückende Anzahl an Literatur veröffentlicht und eine beeindruckende Varianz an Interpretationen verschiedenster Themenschwerpunkte erstellt. Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären ist dabei auch immer wieder in das Blickfeld geraten. Dabei war das frühere Hauptthema die Stellung der beiden Sphären zu einander, in wie fern sie vergleichbar, hiarchisch angeordnet oder unabhängig sind. Als Modelle sind dabei vor allem ein dualistisches, ein Gradualistisches sowie ein typologisch Heilsgeschichtliches verbreitet. Die dualistische Deutung ist davon die älteste und einseitigste. Sie stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber, die Tafelrunde stellt das Bild der höfischen auf Ehre, Kampf und Minne fokusierte Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum ist weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen ist die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stellt eine Art kirchliches Rittertum dar, die Kämpfe sind auf Verteidigung des Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gibt es nicht, auch an politischem Machtgewinn ist der Gralskönig nicht interessiert da für ihn nur Terre Salvaesche relevant ist. In dieser Deutung entwickelt sich also nichts, es handelt sich nur um zwei Gegenpole, die Gralsgesellschaft als besonders religiöse wird dabei oft als Überlegen und Übergeordnet zur weltlich, verdorbenen Gesellschaft betrachtet.


Die Rittergesellschaften bei Wolfram von Eschenbach

Unterschiede zu Chrétin de Troyes 'Perceval'