Redentiner Osterspiel: Unterschied zwischen den Versionen

Aus MediaeWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
 
Zeile 1: Zeile 1:
 
=Überlieferung=
 
=Überlieferung=
 
+
Das Redentiner Osterspiel ist auf zwölf Blättern in Querformat überliefert. Es ist wahrscheinlich in Lübeck entstanden, trägt allerdings den Namen des Hofes (Redentin), wo die einzige erhaltene Handschrift 1464 beendet wurde. Diese Handschrift befindet sich heute in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe unter der Nummer 369.
  
 
=Inhalt=
 
=Inhalt=
Zeile 75: Zeile 75:
 
===Sprecher===
 
===Sprecher===
 
der Spielleiter, der Schlusssprecher
 
der Spielleiter, der Schlusssprecher
 +
 +
 +
=Besonderheiten=
 +
===Sprache und Vers===
 +
Das Redentiner Osterspiel ist in ostelbischer Sprache geschrieben, was unter anderem in Lübeck und Mecklenburg gesprochen/geschrieben wurde.
 +
Der Vers ist ein paarig gereimter Vierheber mit großer Füllungsfreiheit.
 +
 +
===Aufbau===
 +
<small>Als Szenen sind hier nur diejenigen mit Handlung gemeint (Auslassung von Prolog und Epilog).</small>
 +
 +
Die Szenenfolge bildet eine Art Verbindung der ersten Szene (Juden – Pilatus – Grabwächter) und der vorletzten Szene (Grabwächter – Juden – Pilatus); sowie den beiden Turmwächterszenen und den mittleren Szenen (Auferstehung und Höllenfahrt). In der letzten Szene werden die Zuschauenden, einfache Bürger, mit einbezogen und die Verdammten bilden gleichzeitig das Gegenstück zu den Patriarchen und ermahnen das Publikum zu Reue und Umkehr.
 +
  
 
=Verwandte Artikel=
 
=Verwandte Artikel=
Zeile 83: Zeile 95:
 
==Textausgabe==
 
==Textausgabe==
 
* Das Redentiner Osterspiel. Mittelniederdeutsch und neuhochdeutsch. Übersetzt und kommentiert von Brigitta Schottmann. Reclams Universal-Bibliothek 9744 [5]. Stuttgart 1986.
 
* Das Redentiner Osterspiel. Mittelniederdeutsch und neuhochdeutsch. Übersetzt und kommentiert von Brigitta Schottmann. Reclams Universal-Bibliothek 9744 [5]. Stuttgart 1986.
 +
 +
==Sekundärliteratur==
 +
* Linke, Hansjürgen. Die Teufelsszenen des Redentiner Osterspiels. In: Niederdeutsches Jahrbuch. Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung 90 (1967), S. 89-105.

Aktuelle Version vom 19. Juli 2021, 12:27 Uhr

Überlieferung

Das Redentiner Osterspiel ist auf zwölf Blättern in Querformat überliefert. Es ist wahrscheinlich in Lübeck entstanden, trägt allerdings den Namen des Hofes (Redentin), wo die einzige erhaltene Handschrift 1464 beendet wurde. Diese Handschrift befindet sich heute in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe unter der Nummer 369.

Inhalt

Szenen

Prolog (V. 1-18)

Der erste Engel und der zweite Engel wenden sich an die Zuhörenden, indem sie ihnen erzählen, was aufgeführt wird. Der zweite Engel sagt, dass die Zuhörenden von ihren Sünden befreit werden, wenn sie sich das Spiel ansehen.

Juden – Pilatus – Grabwächter (V. 19-194)

Kaiphas erfährt von dem ersten Juden, dass Jesus erzählt, er sei Gottes Sohn und würde am dritten Tag auferstehen. Daraufhin schickt er die Juden zu Pilatus. Als sie bei Pilatus sind, bittet der zweite Jude ihn, Jesus bewachen zu lassen, damit dessen Jünger seinen Leichnam nicht aus dem Grab holen und dann behaupten, Jesus wäre auferstanden. Pilatus wendet sich also an die Ritter und bietet ihnen Silber und Gold, wenn sie Jesus bewachen. Nachdem diese sich darüber wundern, einen Leichnam zu bewachen, sagen mit der Aussicht auf Silber und Gold zu.

Turmwächterszene I (V. 195-228)

Der Nachtwächter singt und spricht zwischen den Strophen jeweils mit den Rittern, woraufhin diese sich schlafen legen.

Auferstehung (V. 229-260)

Der Engel Raphael singt, damit die Ritter weiterschlafen und die Auferstehung Jesu nicht behindern. Uriel und der vierte Engel fordern Jesus auf, aufzustehen. Es gibt ein Erdbeben und Jesus erhebt sich. Er entscheidet, zur Hölle zu gehen, um die Seelen dort herauszuholen.

Höllenfahrt (V. 261-754)

Patriarchen in der Vorhölle (V. 261-372)

Abel und Adam unterhalten sich über das Licht, das sie gesehen haben, als Jesus auferstand. Jesajas, einer der Propheten, erklärt ihnen, dass es das Licht des Herrn ist und sie bald erlöst werden. Simeon sieht einen fremden Mann im Fellkleid, der sich als ein Täufer vorstellt. Er habe Jesus getauft (vgl. V.323) und nun sei dieser nah, um sie zu erlösen (vgl. V.337f). Seth und Jesajas freuen sich über die bevorstehende Erlösung.

Teufelsszene (V. 373-486)

Satan erzählt Luzifer von Jesus‘ baldiger Ankunft in der Hölle, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt noch davon ausgeht, dass Jesus nicht Gottes Sohn ist. Luzifer ist der Meinung, dass Jesus sehr wohl Gottes Sohn und gekommen sei, um die Hölle zu zerstören. Nachdem Satan darauf besteht, Jesus sterben gesehen zu haben, stimmt auch Krummnase, ein weiterer Teufel, zu. Er habe Jesus Tod mitbekommen als er die Seele Judas für Luzifer einsammelte (vgl. V417ff). Nun sorgt sich auch Luzifer über die Folgen der Ankunft Jesu in der Hölle. Satan schlägt vor, dass sie die Tore bewachen sollen. Noitor erscheint und erkundigt sich bei Luzifer, warum die Seelen sich freuen, bald aus der Hölle geholt zu werden. Er rät die Situation weiter zu beobachten, um zu erfahren, was genau passiert. Puk informiert die anderen Teufel, dass ein Mann erschienen ist, der die Seelen erlösen soll.

Christus-Teufel-Patriarchen (V. 487-682)

Jesus nähert sich der Hölle und die Seelen freuen sich über die Ankunft ihres Erlösers. Die Engel fordern die Teufel (mehrfach) auf, die Tore zur Hölle für den König der Herrlichkeit zu öffnen, woraufhin die Teufel (mehrfach) wissen wollen, wer dieser König sei. Luzifer fragt David, wer der König ist, woraufhin dieser erwidert, er sei es, der alles erschaffen hat (vgl. V.551). Luzifer realisiert, dass die Verteidigung der Hölle im Angesicht Jesu wirkungslos ist und der öffnet und zerbricht die Hölle. Die Seelen verlassen mit Jesus und den Engeln die Hölle. Jesus fordert Michael auf, die Seelen in das Paradies zu bringen.

Patriarchen vor dem Paradies (V. 683-754)

Vor dem Paradies begegnen die Seelen Henoch und Elias und Simeon wundert sich, warum die beiden nicht auch in der Hölle waren. Henoch erklärt, sie seien die Hüter des Paradieses. Elias fügt hinzu, dass sie nach der Ankunft des Antichristen wieder auf die Erde gesandt werden, um die Wahrheit zu verbreiten. Der Engel lässt die Seelen in das Paradies.

Turmwächterszene II (V. 755-771)

Der Nachtwächter weckt die Ritter zum Morgengrauen.

Grabwächter – Juden – Pilatus (V. 772-1043)

Die Ritter bemerken, dass Jesus auferstanden ist, schämen sich aber beschließen zu Kaiphas zu gehen, um zuzugeben, dass Jesus nicht mehr im Grab ist. Hannas sagt, dass Jesus sich nicht ohne Hilfe aus dem Grab befreit haben kann, woraufhin der vierte Ritter davon berichtet, wie er den Engel gesehen hat. Kaiphas weist die Ritter an, zu verschweigen, was in der Nacht geschehen ist und gibt ihnen ihren Lohn. Die Ritter stimmen zu, sagen jedoch auch, dass sie Pilatus gestehen werden, sollte dieser fragen. Pilatus erfährt von den Rittern, was sich in der Nacht zugetragen hat und glaubt nicht, dass Jesus wirklich auferstanden ist, sondern entscheidet, die Ritter müssen sich das ausdenken, nachdem sie ihre Arbeit nicht richtig erledigt haben. Nachdem er jedoch einen Brief von Kaiphas liest, stimmt er zu, dass Jesus auferstanden ist.

Teufel-Seelen-Spiel (V. 1044-1985)

Luzifer weist die Teufel an, die Leute zu überzeugen, sich von Gott abzuwenden. Nachdem die Teufel niemanden dazu bringen konnten, weder durch Überredung noch durch Gewalt, will Luzifer ihnen beibringen, die Leute zu überlisten. Er schickt sie nach Lübeck, wo viele Leute sterben sollen. Somit bringen die Teufel Luzifer die Seelen, die sie gesammelt haben und Luzifer entscheidet über deren Strafen. Schließlich bringt Satan einen Priester, die dem Luzifer nach einiger Diskussion darauf besteht, ihn gehen zu lassen. Er beschließt, die Seelen in der Hölle zu bewachen und wird von seinen Teufeln dorthin getragen.

Epilog (V. 1986-2025)

Der Schlusssprecher wendet sich an die Zuhörenden und ermahnt sie, auf ihre Taten zu achten, damit sie keine Sünden begehen. Sie sollen sich über die Auferstehung Jesu freuen.

Rollen

Einzelrollen

Jesus

Pilatus (Pontius Pilatus)

Henoch

Elias

die Engel

der erste Engel, der zweite Engel, Raphael, Uriel, der vierte Engel, Gabriel, Michael

die Juden

der erste Jude, Kaiphas, der zweite Jude, Hannas, der Schreiber

die Ritter

der erste Ritter, der zweite Ritter, der dritte Ritter, der vierte Ritter, der Nachtwächter

die Patriarchen

Abel, Adam, Jesajas, Seth, Simeon, der Täufer/Johannes der Täufer, Seth

die Teufel

Luzifer, Satan, Krummnase, Noitor, Puk, Astrot, Lepel, Tutevillus, Astaroth, Belsebuk, Belial, Licktappe, Funkeldune

die Seelen

David, Eva, der Räuber, der Bäcker, der Schuhmacher, der Schneider, der Schankwirt, der Weber, der Fleischer, der Höker, der Priester

Sprecher

der Spielleiter, der Schlusssprecher


Besonderheiten

Sprache und Vers

Das Redentiner Osterspiel ist in ostelbischer Sprache geschrieben, was unter anderem in Lübeck und Mecklenburg gesprochen/geschrieben wurde. Der Vers ist ein paarig gereimter Vierheber mit großer Füllungsfreiheit.

Aufbau

Als Szenen sind hier nur diejenigen mit Handlung gemeint (Auslassung von Prolog und Epilog).

Die Szenenfolge bildet eine Art Verbindung der ersten Szene (Juden – Pilatus – Grabwächter) und der vorletzten Szene (Grabwächter – Juden – Pilatus); sowie den beiden Turmwächterszenen und den mittleren Szenen (Auferstehung und Höllenfahrt). In der letzten Szene werden die Zuschauenden, einfache Bürger, mit einbezogen und die Verdammten bilden gleichzeitig das Gegenstück zu den Patriarchen und ermahnen das Publikum zu Reue und Umkehr.


Verwandte Artikel


Literaturverzeichnis

Textausgabe

  • Das Redentiner Osterspiel. Mittelniederdeutsch und neuhochdeutsch. Übersetzt und kommentiert von Brigitta Schottmann. Reclams Universal-Bibliothek 9744 [5]. Stuttgart 1986.

Sekundärliteratur

  • Linke, Hansjürgen. Die Teufelsszenen des Redentiner Osterspiels. In: Niederdeutsches Jahrbuch. Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung 90 (1967), S. 89-105.