Wiederkehrende Motive im Tristan (Gottfried von Straßburg, Tristan)

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Neben den großen, die ganze Geschichte durchziehenden Themen tauchen in Gottfrieds von Straßburg Tristan auch bestimmte weitere Motive, wie beispielsweise Personen, Handlungen, Schauplätze oder Tiere mehrfach auf, teilweise in der Wiederholung an Ausmaß und Auswirkung gesteigert.

Diese wiederkehrenden Motive sollen in diesem Artikel näher untersucht, aufeinander bezogen und in den Gesamtzusammenhang eingeordnet werden.

Figuren

Truchsesse

Zwei Truchsesse spielen in der Handlung eine Rolle und beide intrigieren gegen Tristan, was ihrer vorwiegenden Rolle als Schurken und Intriganten in der mittelalterlichen Literatur entspricht.

Dem Truchsess untersteht am Hof die gesamte Küchen- und Wirtschaftsverwaltung, er gehört damit am Hof zu den höchsten Hofbeamten. Sowohl am irischen Hof wie auch am Hof Markes stellt sich der jeweilige Truchsess in verschiedenen Episoden gegen Tristan.

Der Truchsess am irischen Königshof möchte die jüngere Isolde zur Frau haben, ist aber gleichzeitig aus Feigheit nicht imstande gegen den Drachen zu kämpfen, dessen Besieger die Hand Isoldes versprochen wird. Als Tristan nun den Drachen besiegt, aber vor Erschöpfung halb ohnmächtig in einem See liegt, sieht der Truchsess seine Chance gekommen und deklariert den Sieg über den Drachen als seinen eigenen. Als Beweis nimmt er den Kopf des Drachen mit und erhebt damit Anspruch auf Isolde. Tristan kann durch die von ihm zuvor herausgeschnittene Zunge des Drachen jedoch den auch von Isolde unerwünschten Truchsess des Betrugs überführen.

Marjodo, der Truchsess an Markes Hof, wird erst als ein Freund Tristans eingeführt, sie teilen sich sogar ihr Schlafgemach. Gerade dieses wird Tristan jedoch zum Verhängnis, denn eines Nachts, als er Isolde besucht, schleicht ihm Marjodo hinterher und entdeckt die beiden zusammen. Darauf wandelt sich seine Freundschaft in Hass um, denn auch er war Isolde in liebe unde holden muot“(V.13599) zugetan. Ab dem Moment integriert Marjodo gegen Tristan und Isolde, indem er Marke über ein Gerücht am Hofe über Tristan und Isolde als Liebespaar berichtet und immer wieder sein Misstrauen zu wecken versucht.

Die beiden Truchsesse haben also die Funktion inne die Beziehung zwischen Tristan und Isolde zu stören. Die Gefahr, die durch die Truchsesse ausgeht, wird gesteigert, da der erste Truchsess der Betrüger ist und Tristan, der rechtmäßige Sieger, ihn daher leicht zu überwinden weiß, während der zweite Truchsess die wahre Begebenheit anprangert und daher die Gefahr, die von ihm für den nun selbst betrügenden Tristan ausgeht, viel höher ist.

Isolden

Die alte Isolde ist eine erstaunlich selbständige und starke Frauenfigur im Tristanroman. Sie ist die Mutter der jungen Isolde und wird auch als die wise Isot bezeichent (9404). Sie tritt in erster Linie durch ihre Mutterrolle ins Geschehen , ist aber auch eine magische Heilerin.

Die junge Isolde wird als überdurchschnittlich schön beschrieben und stellt ihre eigene Mutter wie die sunne das morgenrot (8263)in den Schatten. Vorerst als zurückhaltend beschrieben, lebt Isolde nach der Einnahme des Minnetrankes auf und geht bestimmt für das Erhalten ihrer neuen Liebe vor:

So minne an tumben kinden ir spil geratet finden
so muge wir an den kinden witze unde liste vinden (12431ff.)

Isolde Weißhand kommt erst gegen Ende des Fragmentes vor. Wie der Name deutlich macht ist sie die Gegengestalt zu ersten Isolde. Sie entwickelt Gefühle für Tristan (19340ff.) stößt jedoch bei ihm auf ambivalentes Verhalten. Zwischen den zwei Frauen stehend, gerät Tristan in einen Zwiespalt.

(Tomasek,Tomas: Gottfried von Straßburg. Stuttgart 2007. S. 106-112.)

Übernatürliche Gegner Tristans

Zweimal kämpft Tristan gegen übernatürliche Gegner, das eine Mal gegen einen Drachen (V. 8987-9092), das andere Mal gegen einen Riesen (V. 15915-16262).

Zwischen beiden Begegnungen gibt es Parallelen, sodass sie als Wiederholung einer zusammengehörigen Einheit angesehen werden können.

Beide Male handelt es sich um übernatürliche Wesen, die ihre Umgebung terrorisieren. So überschüttet der Drache liute unde lant mit alsô schedelîchem schaden (V. 8907) und der Riese Urgan fordert mit Gewalt Zins wie Rinder, Schafe und Schweine von Gilan ein. Auch ihre Beschreibung fällt ähnlich aus: beide werden als teuflisch (des tiuveles kint (V. 8972), vâlandes man (V. 16065)) und in der Wildnis lebend beschrieben (in der wilde (V. 8936), wilden walt (V. 15965)).

Ebenso gibt es im Kampf Parallelen. In beiden Kämpfen bangt Tristan um sein Leben und beide Male wird zumindest sein Pferd tatsächlich getötet (und er selbe ûf den serpant sô sêre mit dem orse stiez, daz er daz ors dâ tôtez liez (V. 8980-898), er enwürfe im edaz ors dô vor den goffen gar enzwei (V. 16026/7)). Nachdem er seine Gegner besiegt hat, nimmt Tristan jeweils ein Körperteil des Gegners, beim Drachen die Zunge und beim Riesen den Arm, als Beweis für seinen Sieg mit. Beide Male lässt sich Tristan freiwillig und aus individuellen Beweggründen heraus auf diese Kämpfe ein, um den für den Sieg ausgesprochenen Preis, einmal Isolde, das andere Mal alles, was er haben möchte, was für ihn das Zauberhündchen Petitcrü bedeutet, zu gewinnen.

Handlungen

Heilungen eines Kämpfers

Dreimal kommt es zur Heilung eines im Kampf Verwundeten.

In der Vorgeschichte zieht Riwalin mit Marke in den Krieg und wird dabei tödlich verwundet. Blanscheflur verschafft sich heimlich Zugang zu dem Todkranken und durch ihre hundert tûsent (V. 1312) Küsse holt sie das Leben in ihn zurück, denn ir munt der tete in vröudehaft, ir munt der brâhte im eine craft (V. 1317-1318). So wird Riwalin durch Blanscheflurs Liebe geheilt.

Tristan wird im Zweikampf mit Morold durch dessen giftiges Schwert eine tödliche Wunde zugefügt. Nur die heilkundige irische Königin Isolde kann ihn heilen, weshalb sich Tristan verkleidet nach Irland aufmacht. Isolde nimmt sich seiner tatsächlich an und die wunderlîche guote craft (V. 7938) ihrer arzenîe (V. 7939) lassen seine Wunde schnell verheilen.

Die dritte Heilung findet wiederum in Irland statt, wo Tristan, nachdem er den Drachen besiegt hat, durch die als Beweis mitgenommene Drachenzunge beinahe vergiftet wird. Als die Königin Isolde ihn, zusammen mit der jüngeren Isolde und Brangäne, findet, da lebt er noch, aber sîn leben clebete kûme alse an einem hâre (V. 9406-9407). Nachdem ihm die Königin trîaken (V. 9436), ein im Mittelalter als allgemeines Gegengift verwendetes Universal-Schwitzmittel (Krohn S. 158), verabreicht hat, entzieht dieses Tristans Körper die Gifte, sodass er danach zwar immer noch angeschlagen, aber auf dem Weg der Besserung. Allen drei Szenen ist gemeinsam, dass eine Frau die Heilung hervorruft und den verwundeten Mann so vor dem sicheren Tod bewahrt.

Irlandfahrten

Tristan fährt zweimal nach Irland.

Das erste Mal führt ihn eine tödliche Wunde, die ihm von Morold im Zweikampf durch ein vergiftetes Schwert zugefügte worden war, nach Irland. Morold selbst hatte ihm gesagt, dass niemand außer seine in Heilkräutern kundige Schwester, Isolde, die Königin von Irland, ihn heilen könne. So macht sich Tristan schwer verwundet auf den Weg nach Irland, indem er sich vor der irischen Küste als Spielmann verkleidet in einem kleinen Boot aussetzen lässt, damit ihn die Feinde nicht erkennen. Tristan wird tatsächlich von Isolde geheilt und kann gesund und ohne dass seine wahre Identität ans Licht kommt nach Cornwall zurückkehren.

Das zweite Mal fährt Tristan nach Irland, um dort auf Betreiben der Gefolgschaft Markes, die Tristan nicht als Erben wissen wollen, für Marke um Isolde, die Tochter der irischen Königin, zu werben. Die Brautwerbung ist mit einem Drachenkampf verbunden, denn nur wer den Drachen tötet, darf um Isoldes Hand anhalten. Tristan besteht den Kampf erfolgreich und gewinnt somit Isolde als Frau für Marke. Nach einem Zwischenfall der aus der Entdeckung von Tristans wahrer Identität heraus erfolgt, kann sich Tristan mit seinen Feinden versöhnen und Isolde als Markes Braut nach Cornwall führen.

Es fällt auf, dass sich Tristan beide Male nach Irland begibt, um eine für ihn tödliche Gefahr abzuwenden. Das erste Mal, um seine tödliche Wunde heilen zu lassen. Das zweite Mal, um der Bedrohung seines Lebens durch die Gefolgschaft Markes, die ihn als Erben Markes loswerden wollen, zu entkommen, indem er eine Frau für Marke findet.

Musik

Vier Mal wird die Musik als Mittel eingesetzt, um das Interesse einer Frau zu wecken bzw. diese für sich zu gewinnen.

Dies geschieht zum ersten Mal, als Tristan tödlich verwundet und von Königin Isolde Hilfe erhoffend nach Irland reist. Um nicht erkannt zu werden verkleidet er sich als Spielmann. Als solcher erweckt er durch das Gerede über den Sterbenden, der trotz allem so inneclîchen souze (V. 7748) Harfe spielt und singt, die Aufmerksamkeit Isoldes, die ihn daraufhin zu sich holen lässt und ihn gesund pflegt. Währenddessen schlägt er sowohl die ältere als auch die jüngere Isolde mit seiner Musik in seinen Bann:

er machete ez in sô rehte guot
mit handen und mit munde,
daz er in der kurzen stunde
ir aller hulde alsô gevienc
(V. 7828-7831)
Er erfreute sie so sehr mit Hand und Mund, dass er in kurzer Zeit ihrer aller Zuneigung erwarb.

In der Gandin-Episode wird die Musik als List eingesetzt, indem Gandin erst etwas mit seiner Rotte zum Besten gibt, nachdem Marke ihm die Zusage ich gib iu, swaz iu liep ist. (V. 13196) als Lohn gegeben hat. Gandin spielt und verlangt danach Isolde als Lohn, was ihm auch, da sich keiner gegen ihn zu kämpfen traut, gewährt wird. Isolde wird also listig mit Hilfe der Musik gewonnen. Das Motiv ist innerhalb dieser Episode doppelt angelegt, denn Tristan erobert Isolde mit derselben List wieder zurück. Als Spielmann verkleidet geht Tristan zu dem Zelt, in dem sich Gandin und Isolde befinden. Gandin verspricht ihm:

getroestest dû die vrouwen mîn,
daz sî ir weinen lâzet sîn,
ich gibe dir die aller besten wât,
die disiu pavilûne hât.
(V. 13309-13312)
Wenn du meine Herrin so tröstest, dass sie zu weinen aufhört, gebe ich dir das allerbeste Gewand, das sich in diesem Zelt findet.

Tatsächlich bringt Tristans Musik Isolde dazu mit dem Weinen aufzuhören und reitet mit Isolde davon, während er Gandin zuruft:

vriunt, ir stât an des gouches zil.
wan daz ir mit dem rottenspil
dem künege Marke ertruget an,
daz vüere ich mit der harpfen dan.
[…]
vriunt, ir gebt rîlîche wât.
ich hân daz beste gewant,
daz ich in dem gezelte vant!
(V. 13413-13422)
Ich selbst seid übertölpelt worden, Freund. Denn was Ihr mit Eurem Rottenspiel dem König Marke abgelistet habt, das entführe ich Euch mit der Harfe. […] Ihr verschenkt prächtige Kleider, Freund. Ich habe das beste, das ich in dem Zelt finden konnte!

Tristan spricht hier die Dopplung des Motives mit Hilfe der Musik listig eine Frau zu gewinnen selber an.

Ebenso wurde in dieser Episode das Motiv des voreiligen Versprechens gedoppelt, indem ein Versprechen einmal leichtfertig von Marke, das andere Mal von Gandin gegeben wurde.

Auch das Herz Isolde Weißhands erobert Tristan vor allem durch seine Musik, insbesondere durch den Refrain:

„Isôt ma drûe, Isôt m’amie,
en vûs ma mort, en vûs ma vie!“
(V. 19213-19214)
Isolde, meine Geliebte, meine Freundin, in Euch mein Tod, in Euch mein Leben.

Isolde Weißhand fühlt sich durch Tristans Musik in ihrer Liebe zu ihm bestärkt, nichts ahnend, dass Tristan eine andere Isolde besingt. Tristan spielt und singt hier zum ersten Mal ohne ein konkretes Ziel vor Augen und damit ohne eigennütze Absicht. Dies führt jedoch dazu, dass die nicht länger kalkulierte Musik alle verwirrt und dadurch solch ein Missverständnis auslösen kann.

Das Motiv der Musik, die eingesetzt wird, um eine bestimmte Absicht durchzusetzen, taucht also mehrmals auf, löst sich am Ende jedoch auf, als Tristan aufgrund der unwiederbringlichen Trennung von Isolde jedes Ziel genommen wurde.

Doppelsinnige Reden

Isolde täuscht zweimal, einmal in der Baumgartenszene, das andere Mal beim Gottesurteil, durch eine gezielt doppelsinnige Rede die Anwesenden.[Tomasez 007:95]

In der Baumgartenszene sagt Isolde, um den lauschenden Marke zu täuschen, zu Tristan:

und gihe’s ze gote, daz ich nie
ze keinem manne muot gewan
und hiute und iemer alle man
vor mînem herzen sint verspart
niwan der eine, dem dâ wart
der êrste rôsebluome
von mînem magetuome.
(V. 14760-14766)
Ich bekenne zu Gott, dass ich niemals zu einem Manne mich hingezogen fühlte und dass heute und auf ewig alle Männer von meinem Herzen ausgeschlossen sind außer jenem, dem ich schenkte die erste Rosenblüte meiner Jungfräulichkeit.

Wohl wissend, dass Marke denkt, er hätte ihr die Jungfräulichkeit genommen und nicht Tristan, kann Isolde mit dieser Aussage zugleich die Wahrheit sagen und lügen.

Beim Gottesurteil macht sich Isolde abermals solch eine doppelte Rede zu Nutze um ihr Liebesverhältnis zu decken. Diesmal ist die List jedoch nicht spontan, sondern geplant, da Isolde sich auf das Gottesurteil und die damit verbundene Pflicht die Wahrheit zu sagen vorbereiten kann. Sie bestellt Tristan als Pilger verkleidet zu dem Ort, wo das Gottesurteil stattfinden soll, und besteht dann darauf sich nur von diesem Pilger vom Schiff tragen zu lassen. Am Strand angekommen stürzt dieser mit Isolde wie unabsichtlich zu Boden, sodass sie für einen kurzen Moment in seinen Armen liegt. Dies führt dazu, dass Isolde bei dem Gottesurteil folgenden Schwur leisten kann, ohne ihr Liebesverhältnis preisgeben und gleichzeitig ohne lügen zu müssen:

vernemet, wie ich iu sweren will:
daz mînes lîbes nie kein man
dekeine künde nie gewan
noch mir ze keinen zîten
weder ze arme noch ze sîten
âne iuch nie lebende man gelac
wan der, vür den ich niene mac
gebieten eit noch lougen,
den ir mit iuwern ougen
mir sâhet an dem arme,
der wallaere der arme.
(V. 15705-15716)
Hört, was ich beschwören will: dass niemals irgendein Mann meinen Körper kennenlernte und dass niemals weder in meinen Armen noch an meiner Seite außer Euch ein lebender Mann gelegen hat, abgesehen von jenem, für den ich nicht schwören und den ich nicht abstreiten kann, den Ihr mit eigenen Augen in meinen Armen saht, dem armen Pilger.

Mit dieser sich im Graubereich zwischen Wahrheit und Lüge befindenden Rede schafft es Isolde das Gottesurteil zu bestehen und somit alle Zweifel auszuräumen.

In beiden Szenen macht Isolde es sich zunutze, dass sie im Gegensatz zu den anderen Anwesenden mehr über die Umstände weiß und sich so eine Polysemie, eine doppelbödige, mehrdeutige Wahrheit ergibt, die es ihr ermöglicht gleichzeitig die Wahrheit zu sagen und zu lügen. Zugleich findet von einer zur anderen Szene eine Steigerung statt. War die erste doppelsinnige Rede noch durch die, weil sie keine Lauscher erwartet hatte, unvorbereitete Isolde spontan ersonnen worden, so beinhaltet die zweite doppelsinnige Rede durch das vorherige Verkleidungsspiel ein kühl kalkuliertes Täuschungsmanöver. Darüber hinaus findet die erste Rede im privaten Raum, scheinbar alleine zwischen Tristan und Isolde statt, während die zweite Rede in einem festgelegten Rahmen vor der Öffentlichkeit die Unschuld beweisen muss.

Schauplätze

Baumgarten

Der Baumgarten ist zweimal der Ort, an dem Marke dem Liebespaar Tristan und Isolde als Außenstehender zuschaut.

Tristan und Isolde nutzen den Baumgarten als heimlichen Ort ihrer Liebestreffen. Eines Tages entdeckt Melot, der Kundschafter Markes, die beiden dort zusammen und berichtet Marke davon, woraufhin sie Tristan und Isolde dort in der nächsten Nacht in einem Baum versteckt auflauern. Tristan und Isolde bemerken jedoch die Schatten der zwei Lauscher und können die Falle umkehren, indem sie ihrerseits Marke durch gezielt auf ihre Unschuld hinarbeitende, falsche Reden von ihrer Unschuld überzeugen. Markes Misstrauen ist damit erst einmal aus dem Weg geräumt und Tristan und Isolde können ihrer Liebschaft unbescholten weiter nachgehen.

Nach Tristans und Isoldes Rückkehr aus der Minnegrotte wurden sie von Marke freundlich wieder aufgenommen, mussten aber jegliche Annäherung und jeden sehnsuchtsvollen Blick unterlassen, um nicht wieder Zweifel zu erwecken. Bald hält Isolde dies jedoch nicht mehr aus, lässt im Garten ein Bett herrichten und Tristan zu sich holen. Als Marke seine Frau suchend in den Garten verwiesen wird, entdeckt er dort Tristan und Isolde in inniger Umarmung schlafend. Sein lang gehegtes Misstrauen wird zur Gewissheit, er kann die Augen nicht länger davor verschließen. Marke kehrt um, ruft seinen Rat zusammen und nimmt sie als Zeugen mit in den Garten. Dort hat sich Tristan, der Marke weggehen sah, jedoch in der Zwischenzeit, in der Gewissheit sonst sterben zu müssen, von Isolde verabschiedet und ist fortgegangen. Marke und sein Rat finden Isolde ohne Tristan vor, woraufhin der Kronrat ihm rät, von seinen immer wieder kehrenden, aber nie zu beweisenden Anschuldigen um seiner Ehre willen endlich abzulassen und nie wieder seine Frau zu beschuldigen.

Konnten Tristan und Isolde in der ersten Baumgartenszene ihre Liebschaft nicht nur noch geheim halten, sondern ins Gegenteil verkehren und Marke von ihrer Unschuld überzeugen, so erlangt Marke in der zweiten Baumgartenszene die lang von ihm gesuchte Gewissheit über Tristans und Isoldes Verhältnis zueinander, wodurch die endgültige Trennung von Tristan und Isolde besiegelt ist. Zwar schaffen sie es, den Betrug vor dem Hof, hier vertreten durch Markes Rat, geheim zu halten, aber nur zum Preis ihrer endgültigen und unwiederbringlichen Trennung. Weitere Listen sind durch das Wissen Markes nicht mehr möglich. Zwischen beiden Szenen findet also eine Steigerung statt, da Tristan und Isolde in der ersten Baumgartenszene das Blatt durch List noch zu ihren Gunsten wenden können, während sie in der zweiten Baumgartenszene in flagranti von Marke erwischt werden und sie sich, um ihr Leben zu retten, unwiederbringlich voneinander Abschied nehmen müssen.

Meer

Tiere

Hirsche

Der Hirsch spielt zweimal, das eine Mal in der Jagdepisode und das andere Mal in der Minnegrotte-Episode, eine Rolle.

Tristan trifft, nachdem er von seinen Entführern an der Küste Cornwalls ausgesetzt worden war, auf die Jagdgesellschaft König Markes. Die Jäger haben gerade einen Hirsch erlegt und beginnen ihn zu zerlegen, als Tristan mit den Worten wer gesach ie hirz zewürken sô? (V. 2794) eingreift. Der Jägermeister bittet ihn nun, ihm seine Art und Weise der Hirschzerlegung zu zeigen und Tristan demonstriert die in seiner Heimat übliche Sitte der Entbästung. Der Jägermeister und die Jagdgesellschaft sind von Tristans vornehmen Verhalten und seinen detaillierten Kenntnissen des Jagdbrauchtums, die sich unter anderem in seinem Gebrauch von Wörter wie bast, furkîe und curîe und der sicheren Umsetzung derselben wiederspiegeln, so beeindruckt, dass sie ihn mit an Markes Hof nehmen und ihn dort König Marke vorstellen, der Tristan daraufhin zu seinem neuen Jägermeister macht. (V. 2759-3378)

Die Jagdkunst (ars vernandi) und die Liebeskunst (ars armandi) hängen eng miteinander zusammen, wie dies auch an den häufig auftretenden Jagdmetaphern in der Sprache der Erotik zu sehen ist. Tristan weiß als einziger, wie ein Hirsch angemessen zerlegt wird, während die anderen diesen alsam ein swin (V. 2791) behandeln. Er weist sich damit als überlegender Kenner der Jagd und des Wesens des Hirsches aus, er ist also der einzige, der sich mit der Minnejagd und damit der Minnekunst wirklich auskennt. Dass sich Tristan gerade aufgrund seiner überragenden Fähigkeiten bei der Jagd bzw. genauer bei der Zerlegung des Hirsches an Markes Hof etablieren kann und sogar zum Jägermeister ernannt wird, kann als Vorausdeutung auf seine spätere Rolle am Hofe Markes gesehen werden. Durch Tristan wird später die Problematik der Dreiecksbeziehung und des Ehebruchs an Markes Hof kommen und auch in der Liebeskunst zu Isolde wird er Marke, wie bei der Hirschjagd seine Jagdgesellschaft, überragen.

In der Minnegrotten-Episode taucht wieder ein Hirsch auf. Während sich Tristan und Isolde in der Minnegrotte befinden, geht Marke mit seiner Jagdgesellschaft ganz in der Nähe auf die Jagd. Sie treffen auf ein Rudel Hirsche, wobei einer von den anderen getrennt wird und sie diesen zu jagen beginnen. Dieser vremde[n] hirz (V. 17293) wird wie folgt beschrieben:

der was reht alse ein ors gemane,
starc unde michel unde blanc,
daz gehürne cleine unde unlanc,
vil kûme wider entworfen,
als er ez hin geworfen
haete in unlanger zîte.
(V. 17294-17299)
Er hatte eine Mähne genau wie ein Pferd, war stark und groß und weiß, mit kleinem, kurzem Geweih, kaum nachgewachsen, als ob er es abgeworfen hätte erst vor kurzem.

Sie verlieren jedoch die Fährte des Hirsches und er kann somit entkommen. Am nächsten Morgen macht sich Markes Jägermeister erneut auf die Suche nach dem Hirsch. Dabei kommt er in die Nähe der Minnegrotte und hält Tristans und Isoldes Fußspuren im Tau für die des Hirsches. Sie führen ihn zur Minnegrotte, wo er durch ein Fenster Tristan und Isolde entdeckt. (V. 17275-17454) Auch hier ist der Hirsch wieder eng mit dem Minnemotiv verknüpft. Diesmal steht er jedoch nicht allgemein für die Liebeskunst, sondern symbolisiert die Liebesgemeinschaft zwischen Tristan und Isolde, was daran zu erkennen ist, dass er aus der Minnegrottengegend kam und auch dort wieder hin zurückflieht, also der zauberhaften Sphäre der Minnegrotte zugewiesen wird, dass Tristan und Isolde die Hirschjagd sofort auf sich selber beziehen und dass ihre Fußspuren mit denen des Hirsches verwechselt werden.

Das weiße Fell des Hirsches kann im Zusammenhang mit dem Weiß der Minnegrotte gesehen werden und symbolisiert die Reinheit und Vollkommenheit der Minne Tristans und Isoldes. Auch das Attribut starc findet sich in der Beschreibung der Minnegrotte wieder: diu wite deist den minnen craft, wan ir craft ist unendehaft (16937f.). Das defizitäre Geweih steht für die Waffen- und damit Schutzlosigkeit der Liebenden, deren Minne ungeschützt und damit gefährdet ist. Die Pferdemähne lässt den Hirschen zusätzlich zu seinem weißen Fell außerdem wie ein Mischwesen aus Einhorn und Hirsch erscheinen. Dies lässt den Hirschen wiederum magischer wirken und zusätzlich steht das Einhorn als Zeichen der Treue für die Treue Tristans und Isoldes und ihr Einssein in der Minne. Aus dem in den älteren Versionen noch gewaltigen Hirsch ist somit der wunderbare, weiße Hirsch mit kleinem Geweih und Pferdemähne geworden, der „aus der alltäglichen Welt in die Welt des Wunderbaren“, nämlich die der idealen Minne, weist. Er nimmt somit noch eine weitere dem Hirsch traditionelle Funktion ein, die des „wegweisenden Vermittlers zwischen zwei Hemisphären“. Diese Funktion erfüllt der Hirsch auch hier, indem er als Lockmittel dient, das die Entdeckung der Liebenden durch Marke ermöglicht und verursacht.

Der die Liebesgemeinschaft zwischen Tristan und Isolde symbolisierende Hirsch ist für Marke und seine Jäger vremde und entspricht damit ihrem Verhältnis zu Tristan und Isolde im höfischen Kontext. Gleichzeitig wird der Hirsch als Symboltier in der von allen Kontexten losgelösten Gegend der Minnegrotte unvoreingenommen betrachtet. Er löst keinen Hass, sondern eine zwar unverständige, den er bleibt ihnen vremde, aber verlangende Neugier aus. Jedoch wird der Minnegrottenhirsch und damit die Minne für Marke unerreichbar bleiben. Dass es bei der Jagd letztlich nur um Tristan und Isolde und nicht um den Hirsch ging, wird daran deutlich, dass Marke die Hirschjagd für beendet erklärt, sobald er Tristan und Isolde entdeckt hat.

In beiden Episoden steht der Hirsch im Zusammenhang mit dem Minnemotiv. Die Jagdepisode, in der dieses Motiv noch allgemeiner gehalten ist und auch der Hirsch keine magischen Attribute hat, ist eine Vorausdeutung auf die Minnegrotte-Episode. Hier findet zugleich eine Steigerung statt, indem der aus einer anderen Welt zu kommen scheinende Hirsch nun die zur Realität gewordene Minne zwischen Tristan und Isolde und damit tatsächliche Überlegenheit Tristans in der Liebeskunst symbolisiert.

Hunde

Eber

Weitere Motive

Weitere Motive, die sich ebenfalls wiederholen, wie z.B. das Jagdmotiv, das Kaufmannsmotiv können in anderen Artikeln nachgelesen werden.

Fazit

Insgesamt haben die wiederkehrenden Motive eine verknüpfende und ordnene Funktion innerhalb des episodisch aufgebauten Tristanromans. Durch sie wird das Geschehen miteinander verwoben.[Tomasek 2007]:99

Außerdem kann ein Motiv nur durch die Wiederholung und damit durch die Vergleichbarkeit in seiner Dramatik gesteigert werden. Diese Steigerung wird innerhalb des Romans genutzt, um Spannung und Dynamik zu erhöhen.

Literatur

  • [Gottfried von Straßburg 1980] Gottfried von Straßburg: Tristan. Nach dem Text von Friedrich Ranke neu herausgegeben, ins Neuhochdeutsche übersetzt, mit einem Stellenkommentar und einem Nachwort von Rüdiger Krohn. Bd. 1–3. Stuttgart 1980 (RUB 4471-3).
  • [Tomasek 2007] ^ Tomasek, Tomas: Gottfried von Straßburg. Stuttgart 2007 (RUB 17665).