Vergleich Tristans Liebe für Isolde die Schöne und Isolde Weißhand

Aus MediaeWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Tristans Liebe für die zwei Isolde, die Schöne und Weißhand, ist mindestens sehr kompliziert. Beide Lieben sind verwandt, und auch ist die Liebe anders, weil wir haben nicht nur Gottfrieds Version, sondern auch Thomas von Bretagnes Version, und die zwei Autoren sehen Tristans Liebe für Isolde Weißhand nicht ganz gleich, und deswegen sehen sie seine Liebe für Isolde die Schöne auch nicht ganz gleich.

Gottfrieds Version

Gottfried malt Tristan als sehr verwirrt über seine Liebe für Isolde Weißhand. Nach ihm, geht Tristans Gefühle immer in einem Kreis. Er liebt sie, wegen der Schmerz seiner Abtrennung von Isolde die Schöne.

dô die Tristan so schoene sach,

ez vrischet ime sîn ungemach.

sîn altiu herzeriuwe

diu wart aber dô niuwe.

si mante in ie genôte

der andern Îsôte,

der lûtern von Îrlant.1


Als Tristan sah, daß sie so schön war,

erneuerte es ihm seinen Schmerz.

Sein alter Herzenskummer

Belebte sich da aufs neue.

Sie erinnerte ihn lebhaft

an die andere Isolde,

die Herrliche von Irland.2


Auch sieht er in ihr ein bisschen von Isolde der Schöne. Nach Gottfried hat Tristan wirkliche Liebe für Isolde Weißhand, aber natürlich liebt er noch Isolde die Schöne viel mehr. Deswegen fühlt er sehr schuldig, besonders weil Isolde die Schöne immer treu zu ihm war, und viel für ihn ertragen hat – obwohl er nicht mit Isolde der Schöne sein kann, sie ist noch treu zu ihm, und deswegen fühlt er, als ob er auch treu bleiben soll. Deswegen geht er immer hin und zurück mit seinen Gefühle für Isolde Weißhand – er fühlt schuldig, und er hinwegsetzt seine Gefühle für sie und verdoppelt seine Gefühle für Isolde die Schöne. Aber dann ist Isolde Weißhand so lieblich, dass er sie wieder lieben muss. Was besonders tragisch ist, dass Isolde Weißhand ihn wirklich liebt – für sie ist es gar nicht, dass er ehrenhaft und schön ist – sie sprechen oft zusammen, und sie fühlt wirkliche, starke Liebe für ihn. Aber natürlich geht Tristan immer wieder hin und zurück mit seinen Gefühle für sie – deswegen ist sie das größte Opfer in dieser Teil der Geschichte.

Thomas´ Version

Thomas´ Version aufschnappt wo Gottfried endet, in die Mitte der Geschichte über Isolde Weißhand und Tristan. Aber Thomas hat eine ziemlich andere Meinung über Tristans Gefühle, und deswegen wie er Isolde Weißhand behandelt. In Thomas´ Teil der Geschichte ist Tristan viel bitterer als bei Gottfried. Er fühlt sehr falsch angewendet von Isolde der Schöne – weil er nimmt an, dass sie ganz froh ohne ihm ist, und dass sie keinen Schmerz wie seinen fühlt. Er glaubt, dass er der einige in dieser Beziehung ist, der leidet. In dieser Teil beginnt Thomas einen Zirkelbeweis über Liebe und Hass – Tristan verschmachtet nach Isolde der Schöne, aber wegen seiner Überzeugung, dass sie froh und gesund ohne ihn ist, fühlt er auch starken Hass für sie. Dieser Zirkelbeweis dauert auch als er mit Isolde Weißhand verheiratet ist, und wegen seiner Treue zu Isolde der Schöne, wird Tristan nicht mit Isolde Weißhand schlafen, obwohl er sie sehr attraktiv findet. Thomas hat auch eine andere Meinung zu Tristans Gefühle über Isolde Weißhand. Nach ihm hat Tristan sehr wenige Liebe für sie außer ihre Schönheit und ihre Name.

und wan si Îsôt was genant,

swenne er sîn ouge an sî verlie,

sô wart er von dem namen ie

sô riuwec und sô vröudelôs,

daz man im under ougen kôs

den smerzen sînes herzen.

doch liebete er den smerzen

und truog im inneclîchen muot.

er dûhte in süeze unde guot.

er minnete diz ungemach

duch daz, wan er si gene sach.

so sach er sî gerne umbe daz:

im tete diu triure verre baz,

die er nâch der blunden haete,

dan im ander vröude taete.

Îsôt was sîn liep und sîn liet,

jâ Îsôt, sîn beworrenheit,

diu tete im wol, diu tete im wê.

sô ime Îsôt sî herze ie mê

in dem namen Îsôte brach

sô er Îsôte ie gerner sach.3


Und weil sie Isolde hieß,

wurde er, wann immer er sie ansah,

durch diesen Namen stets

so traurig und freudlos,

daß man seinem Gesichtsausdruck anmerkte

seine Herzensqual.

Trotzdem liebte er diese Qualen,

und er war ihnen sehr zugetan.

Sie schienen ihm angenehm und gut.

Er liebte diesen Schmerz,

weil er sie gerne sah.

Er sah sie deshalb gerne,

weil der Kummer,

den er um die blonde Isolde empfand,

ihm angenehmer war als jede andere Freude.

Isolde war seine Freude und sein Schmerz.

Ja, Isolde, seine Verwirrung,

tat ihm wohl und weh.

Je mehr die eine Isolde ihm sein Herz

im Namen der anderen brach,

desto lieber sah er sie.4


Aber in beide Versionen ist Tristan mit Isolde Weißhand, weil sie ihn an Isolde der Schöne erinnert. Deswegen sind seine Gefühle über Isolde Weißhand auch immer wieder verändert. Er hat Wohlwollen für sie, aber wegen seinem Beschluss treu zu Isolde der Schöne zu bleiben, kann er nicht mit ihr schlafen, und er hat Furcht, dass eine lieblose Ehe zu Hass führen wird. Er sagt:

Abstinenz züchtet Hass. Liebe kommt von Tun, ebenso kommt Hass von keinem Tun; Liebe kommt von der Tat, und Hass von der Enthaltung eines Mannes. Wenn ich hält von der Tat zurück, werde ich Elend und Leid ernten...5

Schlüsse

Es ist ganz klar, dass Tristan sehr gefühlsmäßig im Streit über seine zwei Lieben liegt, aber wenn man zu einem Schluss über welche er wirklich liebt kommen will, ist die Antwort ganz klar. Er leidet nur für Isolde die Schöne – alle seine Konflikte sind über sie, und es ist für sie, die er immer Sorge hat. Obwohl die Geschichte diesen beiden, Tristan und Isolde die Schöne, ganz herzerfreuend ist, muss man viele Sympathie für Isolde Weißhand fühlen. Sie liebte, und unterliegt.

Literatur

1/2 Zeile 18965-18971: Gottfried von Straßburg: Tristan. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Nach dem Text von Friedrich Ranke neu hg., ins Neuhochdeutsche übers., mit einem Stellenkommentar und einem Nachwort von Rüdiger Krohn. Band 1-2. Stuttgart 1980.

3/4 Zeile 18972-18992: Gottfried von Straßburg: Tristan. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Nach dem Text von Friedrich Ranke neu hg., ins Neuhochdeutsche übers., mit einem Stellenkommentar und einem Nachwort von Rüdiger Krohn. Band 1-2. Stuttgart 1980.

5 S. 308: Gottfried von Straßburg: Tristan with the ´Tristan´of Thomas. Penguin Books. London 1960.