Tristan in anderen mittelalterlichen Werken

Aus MediaeWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Obwohl Gottfrieds von Straßburg Tristan eine der ausführlichsten mittelalterlichen Versionen der Geschichte des Tristans ist, ist es ganz und gar nicht die einzige oder die frühste Version. Aber das ist gar nicht verwunderlich – viele der anderen mittelalterlichen Helden haben auch eine reiche, alte Geschichte. Was vielleicht am interessantesten ist, sind die Veränderungen und die Rolle des Tristans in den verschiedenen Versionen.

Le Morte d‘Arthur von Sir Thomas Malory

Le Morte D´Arthur ist von Sir Thomas Malory geschrieben, vermutlich zwischen 1450 und 1470, als Sir Thomas im Gefängnis war. Es wurde das erste Mal im Jahr 1485 veröffentlicht. Wie zu erwarten ist, konzentriert sich Le Morte D‘Arthur auf die Geschichte Arthurs, aber große Teile des Buchs behandeln seine Ritter, so z. B. Launcelot, Gawain, Galahad, Ywain (Iwein), Parzival, und natürlich Tristan. Aber diese Helden sind auch selbst wichtig und berühmt, und obwohl Arthur auch in ihren Geschichten erwähnt wird, haben wir den Eindruck, dass diese Ritter lediglich dazu da sind, Arthur wichtiger aussehen zu lassen. Die Ritter in Le Morte D’Arthur verhalten sich mehr wie Vasallen als Ritter – obwohl sie natürlich mächtig und geachtet sind, gehorchen sie Arthur fast immer. Aber in ihren eigenen Geschichten haben sie normalerweise viel mehr Freiheit. Zum Beispiel heißt es am Anfang des Buchs VIII, Kapitel 1 in Le Morte D‘Arthur, dass Arthur sehr viele Könige hat, die ihm gehorchen und für ihn viele Länder beherrschen – so wie England, Wales, Schottland, Cornwall, Irland und Frankreich. Das macht die ganze Geschichte des Tristans bescheidener – er ist ein mächtiger Ritter, aber nur in einem Teil des großen Reichs Arthurs.

Veränderungen in der Geschichte Tristans

Viele der großen Ereignisse der Geschichte Tristans (nach Gottfried von Straßburg) sind in Malorys Version gleich – zum Beispiel als Tristan und Isolde den Minnetrank trinken. Aber so viel ist verändert, dass die Tristan Figur fast unerkennbar wird. Nach Malory gibt es keinen Drachen, der Tristan besiegen muss. Auch ist Isoldes Mutter, obwohl sie Brangäne den Minnetrank gab, nicht so wichtig wie in Gottfrieds Version. Aber was vielleicht am wichtigsten ist, ist, dass es in Malorys Version viele Geschichten über Tristan gibt, die gar nicht in Gottfrieds Version enthalten sind. So gibt es auch andere Frauen, die er haben will. Und obwohl das die Illustration der Welt eines Ritters ist, die Malory zeigen will, macht es die traditionelle Geschichte des Tristans nicht so bedeutungsvoll. Es ist viel schwieriger, die Liebe zwischen Tristan und Isolde zu glauben, wenn Tristan schon mit vielen anderen Frauen zusammen war. Nach Gottfried ist Tristan viel liebenswürdiger – er zieht nicht herum, um Frauen zu finden und er kämpft nicht grundlos gegen andere Ritter. In Gottfrieds Version ist er viel verständiger und treuer, aber in Malorys Version, obwohl er ritterliche Qualitäten hat, verhält er sich mehr wie ein unverantwortlicher Jugendlicher.

Thomas von Bretagne

Thomas´ Version der Geschichte des Tristans wurde zwischen 1155 und 1160 geschrieben, und leider ist das Meiste davon verloren gegangen. Wir haben aber noch ungefähr 3.300 Verse. Im Ganzen ist die Version von Thomas fast dieselbe wie Gottfrieds, denn Gottfrieds Version ist nach Thomas´ geformt. Und glücklicherweise existieren die Teile am Ende, die Gottfried nicht beenden konnte, noch in Thomas´ Version. Obwohl große Teile seiner Version verloren sind, ist Gottfried meistens treu nach Thomas´ Version vorgegangen, und deswegen haben wir (in gewisser Weise) die komplette Geschichte.

Literatur

  • Gottfried von Straßburg: Tristan. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Nach dem Text von Friedrich Ranke neu hg., ins Neuhochdeutsche übers., mit einem Stellenkommentar und einem Nachwort von Rüdiger Krohn. Band 1-2. Stuttgart 1980.
  • Gottfried von Straßburg: Tristan with the ´Tristan´of Thomas. Penguin Books. London 1960.
  • Malory, Sir Thomas: Le Morte D'Arthur Volume I-II. Penguin Books. London 1969.