Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)

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Kaylet von Hoskurast, der im Parzival als König von Spanien auftritt, ist der Vetter von Gahmuret. Obwohl er eher eine Nebenrolle im Roman einnimmt, erklärt Wolfram von Eschenbach anhand von Kaylet einige Zusammenhänge, wie die der Verwandtschaft innerhalb der Gesellschaften und der Schönheit der Charaktere. Kaylet fällt vor allem durch seine Feindschaften mit anderen Adligen auf. In diesem Artikel wird zuerst allgemein auf den Sinn und Zweck dieser Figur eingegangen und anschließend wird gezeigt, welche Rolle er in der Schlacht vor Patelamunt und beim Turnier von Kanvoleiz eingenommen hat.

Allgemeines über Kaylet

Kaylet ist während Gahmurets Reisen der amtierende König von Spanien. Sein persönliches Wappen ist ein Strauß, der auch seinen Helm ziert: "ein strûz er ûf dem helme truoc" (Parzival, 39,16))[1]. Er ist mit Rischoyde, der Tochter des Gralkönigs Titurel, verheiratet. Diese Ehe ist innerhalb des Parzivalromans die erste Ehe zwischen Angehörigen der Gralsfamilie und den Nachfahren Mazadans und zeigt damit, wie weitläufig die Familie Parzivals ist.[2][Bumke 2004]:S. 46-47
Kaylet wird von Wolfram außerdem als einer der schönsten Männer im Roman beschrieben. Wolfram nutzt bei der Beschreibung der Schönheit von Kaylet die Chance erstmals den noch ungeborenen Helden Parzival namentlich zu erwähnen. Nur Parzival und Beacurs, der Bruder Gawans, werden von Wolfram schöner als der König von Spanien beschrieben.[Bumke 2004]:S. 46

er bluome an mannes schœne! Eine Blüte an Männerschönheit war er,
sîn varwe an schœne hielt den strît, sein Glanz blieb immer Sieger in dem Kampf der Schönsten,
unz an zwên die nâch im wuohsen sît bis schließlich zwei andere kamen, doch war das erst nach seiner Zeit:
Bêâcurs Lôtes kint Bêâcurs, der Sohn des Lôt,
und Parzivâl, die dâ niht sind: und Parzival - die sind nicht hier,
die wâren dennoch ungeborn, sie waren damals noch nicht auf der Welt -
und wurden sît für schœne erkorn. sollten dann zum Maßstab aller Schönheit werden.

(Parzival, 39,22-28)

Wolfram beschreibt die Schönheit dieser Männer mit hochlobenden Worten und hebt ausdrücklich hervor, dass niemand schöner sei als Kaylet. Erst später und in der eigenen Familie gibt es Männer, die seine Schönheit übertreffen. Wolfram zeigt mit diesen drei Männern, dass besonders die Nachfahren Mazadans und der Fee Terdelaschoye mit besonderer Schönheit gesegnet sind.[Brunner 2008]:S. 39

Kaylets Rolle im Kampf vor Patelamunt

Kaylet hat seinen ersten Auftritt im Parzival als Gahmuret Patelamunt, den Herrschaftssitz der Belakane, erreicht hat. Kaylet kämpft gemeinsam mit den Fürsten aus dem Orient und einigen Herrschern aus Europa gegen die Königin.[Bumke 2004]:S. 46 Kaylet kämpft an der Seite von König Friedebrand (Vrîdebrant) von Schottland um ihm bei der Rache wegen Isenharts von Azagouc Tod beizustehen. Isenhart war mit Friedebrand verwandt. Der Schwiegervater von Friedebrand war Schilting, der ein Vetter von Kaylet ist.[Bumke 2004]:S. 47 Diese verwandtschaftliche Beziehung verpflichtet Kaylet dazu seinen Verwandten beizustehen, auch wenn er keine eigene, direkte oder freundschaftliche Beziehung zu Isenhart oder gar Feindschaft Belakane hat.
Im Laufe der Schlacht fällt Gahmuret die Helmzier seines Vetters auf. Um einen Bruderkampf oder sogar einen Verwandtenmord zu vermeiden, weicht der Ritter dem Kampf gegen Kaylet bis zum Schluss aus. Kaylet erkennt diesen Umstand erst spät und ist deswegen über den fremden Ritter mit dem Anker im Wappen verärgert. Als er davon hört, dass es sich bei dem Ritter mit dem Anker um seinen Verwandten Gahmuret handelt, ist er allerdings sehr erfreut, nicht mit ihm gekämpft zu haben. Nach dem Sieg Gahmurets und der Auflösung der Belagerung zieht sich Kaylet nach Europa zurück.

Kaylets Rolle im Turnier vor Kanvoleiz

Nachdem Gahmuret Patelamunt verlassen hat, erfährt er in Toledo vom Turnier vor Kanvoleiz. Außerdem erfährt er, dass auch Kaylet am Turnier von Herzeloyde teilnehmen wird. Der Sieger soll Herzeloyde heiraten und ihre Ländereien bekommen. Die Atmospähre vor Ort ist sehr konfliktgeladen, sodass es bereits vor dem eigentlichen Turnier zu einem harten und verlustreichen Kampf kommt. Am Turnierort begegnen sich Kaylet und der König Hardiz von Gascogne, die in einer länger bestehenden Fehde stehen. Grund für die Feindschaft zwischen den beiden Königen war eine Liebschaft zwischen Kaylet und Alize, der Schwester von Hardiz. Der Streit zwischen den beiden Königen führt zu einem Kampf an dem die versammelte und beeindruckend große Ritterschaft beteiligt ist. Kaylet bekommt Unterstützung von den Portugiesen und den Provenzalen. Außerdem stehen ihm Gahmuret, Artus' Vater Utepandragun, und Gawans Vater Lot von Norwegen. Der Kampf, den Kaylet mit seinem Verhalten lostritt, fordert viele Tote, was im Verlauf des Romans mehrfach zu neuen Fehden führt. Jedoch ermöglicht er auch Gahmuret, sich in den vielen Kämpfen erneut als großer und erfolgreicher Ritter zu präsentieren und sorgt somit indirekt für dessen Heirat mit Herzeloyde und somit auch für Parzivals Geburt.

Fazit

Kaylet nimmt nur die Rolle einer Nebenfigur im Parzival ein. Dennoch nutzt Wolfram ihn geschickt, um einige Informationen über kommende Geschehnisse darzustellen, wie die Schönheit Parzivals. Ebenso zeigt sich anhand von Kaylet, dass Bruderkämpfe möglichst vermieden werden. Kaylet motiviert Gahmuret außerdem nach Kanvoleiz zu kommen um am Turnier teilnehmen zu können, an dem er schließlich die Hand der Herzeloyde gewinnt und somit die Zeugung des Protagonisten Parzival ermöglicht.


Fußnoten

  1. Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der 'Parzival'-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.
  2. um sich einen Überblick über die Familienbande Parzivals zu verschaffen, ist der Artikel Verwandtschaftsbeziehungen sehr hilfreich.

Literaturverzeichnis

[Brunner 2008] ^ Brunner, Horst: Artûs der wîse höfsche man, Zur immanenten Historizität der Ritterwelt im 'Parzival' Wolframs von Eschenbach (erstmals 1983), in: Brunner, Horst: Annäherungen, Studien zur deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Berlin 2008, S. 38-49 (Philologische Studien und Quellen 210).
[Bumke 2004] ^ 1 2 3 4 Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).