Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?

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Im Fokus dieses Artikels soll nicht die Beschreibung der Verwandtenkämpfe[1]stehen, sondern es folgt eine Analyse der Funktionen [2] dieser Kollisionen. Kann das Sippenparadoxons Wolframs aufgelöst werden, das beinhaltet, dass Ritter oftmals ihre eigenen Familienmitglieder bekämpfen, um Ehre und Ruhm zu erlangen? Zusätzlich soll der Konnex dieser Kämpfe zu der dynastischen Identität der Männer hinterfragt werden.

Sein oder Nicht sein - eine genealogische Frage

Dass Kämpfe zwischen Verwandten vom moralischen Aspekt betrachtet zu verneinen sind, ergibt sich von selbst. Doch diese Auseinandersetzungen haben im Parzival von Wolfram von Eschenbach noch einer weitere brisante Komponente, durch die Konnexe von Identität und Genealogie.[3] "Sozialisation ist zu Wolframs Zeiten in erster Linie an Identifikation des Individuums mit seiner Familie geknüpft, die ihre Bedeutung im Kontext der hochmittelalterlichen Gesellschaftsstruktur, ihre Privilegien und den gesellschaftlichen Rang, kurz ihre Daseinsberichtigung aus der Tradition ihrer Herkunft ableitet. [...] Daher kommt der Genealogie als Medium des Selbstverständnisses des Individuums in jener Zeit eine heut kaum noch zu ermessende Bedeutung zu. [Sutter 2003]:216 So lässt sich erklären, dass Kämpfe mit Verwandten eine Funktion innerhalb des epischen Konstruktes haben müssen, die im Folgenden dargelegt werden soll.

Erkennen und Erkennbarkeit von Verwandtschaft

Eine Identifizierung in Wolframs Roman vollzieht sich über eine gelungene Entschlüsselung von Zeichen. Die Voraussetzung dafür ist eine soziale Semiotik, die zu einer Lesbarkeit feudaler Körper führt, dass heißt, von der sichtbaren Oberfläche kann man auf das Innere schließen, "[...] im Sinne einer nicht arbiträren metonymischen Repräsentationsbeziehung, die freilich durch Vorstellung und Verkleidung unterlaufen werden kann."[Schulz 2008]:212 Offensichtlich wird, dass Eschenbach die Zeichen und ihre Erkennbarkeit als Probleme definiert, was sich in den - für den Protagonisten gilt dies im besonderen Maße- nahezu unauflösbaren genealogischen Vernetzungen manifestiert.[4] Wolfgang Harm teilt dem Zeichensystem vier Kategorien zu, die den Umgang mit jenem darstellen: Wissen, Erkennen, Nicht-Erkennen und Verkennen. Wichtig für Parzival ist die Kategorie des Nicht-Erkennens, die nach Harms eine Nicht-Identität des Protagonisten mit seinem eigenen Wesen diagnostiziert. Damit offenbart sich, dass Parzival durch seine Kämpfe mit seinen Verwandten nicht nur die Identität seines dynastischen Körpers zerstört, sondern auch, dass seine eigene Findung, seine Verankerung in sich selbst und in seiner Umwelt noch nicht vollzogen ist. So lange wie Parzival mit seinen Verwandten kämpft, ist seine anvisierte Idealität noch nicht erreicht. Damit definiert sich der Kampf mit Verwandten als Bewertungskriterium für Figuren im Parzival.[Harms 1963]:10.

Wie kommt es aber nun zu Parzivals diagnostizierter unvollständigen Identität und seiner damit einhergehenden Unfähigkeit die Zeichen seines Umfeldes richtig zu deuten? Der Ursprung dieser Dysfunktion kann nur in seiner Kindheit in Soltane liegen, die in ihrer Abgeschiedenheit seine Adoleszenz stark beeinflusst hat. "[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein."[Hahn 1977]:444 Parzival hatte in seiner Jugend aber nur Zugang zu einem limitierten Zeichensystem, seine Mutter offenbarte ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Das führt zu einer genealogischen Beziehungslosigkeit, normbewehrte, rechtliche und moralische Pflichten bleiben ihm unbekannt und eine greifbare Gotteslehre wird nicht erkennbar.[Münkler 2015]:104 f. Durch seine Exklusion aus der Adelswelt ist es ihm nicht möglich, den Aggregatzustand aristokratischer Identität, d.h. die isolierte Besonderheit einzelner Körper aufhebende und übergreifende Allgemeinheit, vollständig zu begreifen. Da er diese Kollektiv-Identität nicht erfassen kann, kann er folgerichtig auch nicht die Mitglieder dieses Kollektivs erkennen und muss scheitern im Zusammenprall mit seinen Verwandten. So verhinderte Herzeloyde einerseits ein grundlegendes Lernen des standesgemäßen Zeichensystems und andererseits lähmte sie Parzivals Identitätsbildung.

Zerstörung dynastischer Identität an drei Beispielen

Parzival vs. Ither

Parzival verfügt nach seinem Auszug aus Soltane nur über defizitäre Lebensbewältigungsstrategien, die ihm in dieser neuen fremden Welt zur Verfügung stehen. Um in dieser zerstörerischen und verwirrenden Umgebung Fuß zu fassen, bleibt ihm nur die aggressive Durchdringung der fremden Umwelt oder Resignation. Er entscheidet sich für die erste Option. [Sutter 2003]:217 Auf diesem Weg begegnet er nun Ither."[Die beiden] treffen sich auf ihren jeweiligen Wegen nach außen bzw. nach innen. Parzival kommt von außen und hat den Artus-Hof und damit die Artus-Sippe zum Ziel. Ither kommt von innen, vom Artushof und hat, ausgedrückt in seiner Forderung an Artus, das Außen, seinen Selbstausschluß, zum Ziel."[Delabar 1990]:106 Die, durch reine Aggression vollzogene, Tötung von Ither verschafft Parzival "Lebensraum"[Sutter 2003]:217 und zugleich initiiert sie den Beginn seiner Einführung in den Habitus des weltlichen Ritters. Hier beginnt der Held seine Adoleszenz abzuschütteln und eine neue Identität herauszubilden. Gleichzeitig offenbart sich die Komplexität und die genealogische Verwicklungen des adeligen Standes.

Ithers Tod gilt als eine der drei Sünden Parzivals. Nie wieder trifft der Vorwurf der realen Verletzung seines eigenen Sippenkörpers so stark zu Tage wie bei dieser ersten ritterlichen Tat des Iuvens.(475, 22-27; 689, 5; 689, 7- 690, 2) Hier geht es aber nicht nur um eine moralische Verletzung, die dem Sippenkörper zugeführt wird, sondern vielmehr um eine real-physische Läsion. Indem er seinem dynastischen Verband eines wertvollen Mitgliedes beraubt, vermindert er sowohl die soziale, als auch die macht-politische Stellung dieser und letztendlich auch seiner eigenen Identität.[Czerwinski 1998]:151

mittelhochdeutsch Übersetzung
du hâst dîn eigen verch erslagen. Du hast dein eigenes Leben und dein Fleisch ermordet:
[...] [...]
sît daz ir bêde wârt ein blout, Ihr beide wart ein Blut.
(475, 21ff. )[5]

Im Gegensatz zu Parzival kann Ither Parzivals Herkunft an dessen Körper identifizieren und begrüßt ihn daraufhin als junchêrre (145, 10). Hier zeigt sich eine präsenzphantasnatische Vorstellung von Wahrnehmung, die einer Transzendierung der Wahrnehmungseindrücke entspricht, sodass diese nicht mehr rational-semiotisch zergliedert werden können. "Adel wird damit als sichtbare[6] Qualität erdacht"[Schulz 2008]:210, weshalb Ither, in Parzival einen Standesgenossen erkennt. Parzival allerdings ist nicht in der Lage diese Transzendierung zu vollführen, da ihm die Kenntnis des Zeichensystem, durch seine kindliche Exklusion, fehlt.

Bezeichnenderweise wird Parzival bei seinem ersten Kontakt mit einer Sippe[7] sogleich von dieser instrumentalisiert, um ihre Konflikte zu lösen.(150, 27) An dieser Stelle eröffnet sich das erste Mal Parzivals Paradoxon in ganzer Signifikanz. Obwohl er ein Sippeninterner ist, gelingt es ihm nicht, in diese Position zu schlüpfen. Dementsprechend wird er auch von seinen Mitmenschen als Außenseiter angesehen und so für die Lösung sippeninterner Konkurrenzproblematiken ausgenutzt. Während die meisten der Personen, denen Parzival im Laufe seiner Reisen begegnet, seine dynastische Kollektivität bemerken (755, 26-29), bleibt es ihm bis zum Ende des Werkes verwehrt, sich selbst und andere korrekt in den Sippenkörper einzuordnen.

Parzival vs. Gawan

Dieser Konflikt zwischen Parzival und Gawan nimmt hinsichtlich der Verwandtschaftsproblematik eine erhöhte Brisanz gegenüber dem Ither-Kampf ein, hat doch Parzival seine standesspezifische Sozialisation zu diesem Zeitpunkt weitestgehend nachgeholt. Trotzdem lässt sich immer noch eine wesensgemäße individuelle Zeichenlosigkeit in Bezug auf seine Sippen dokumentieren. Der Ritter weist sich in keiner der bekannten Weisen, beispielsweise durch ein Wappen aus oder benutzt verbale konfliktvermeidende Kommunikation, indem er seinen Namen nennt oder nach dem des Gegners fragt.[Delabar 1990]:154 f. Diese Zeichenlosigkeit des Helden ist durch seine defizitäre eigene Identität bedingt, denn obwohl er sich als Ritter instituiert hat, hat er sein volles Wesen mit seinen Verbindungen zu den großen Dynastien nicht begriffen[8] und so ist Parzival immer noch ein Fremder gegenüber seiner eigenen Identität. Aber auch Gawan zeichnet sich im gesamten Werk durch eine seltsam anmutende Anonymität aus, obwohl er sich seiner Identität im Sippenverband bewusst ist. Diese kalkulierte Zeichenlosigkeit motiviert sich allerdings anders als bei Parzival. Im höfischen Roman sind die Vorrechte des Geburtsadels in ihrer Leistungsethik begründet. Dadurch muss die eigene Identität des Kriegers immer wieder maskiert werden, um als Unbekannter vor den Augen der höfischen Öffentlichkeit Idoneität zu beweisen.[Schulz 2008]:208 Aber auch Gawans Identifizierung von Parzival misslingt, aufgrund dessen Zeichenlosigkeit. Zudem verwirrt der cranz Gawan, der Parzival fälschlicherweise als Gramoflanz ausweist.(679, 18-22)


Die Kollision zwischen den beiden größten Rittern ihrer Dynastien wird gleich zu Beginn des Kampfes vollkommen ad absurdum geführt:

mittelhochdeutsch Übersetzung
'wênc gewunnen, vil verlorn Wenig gewonnen, viel verloren
hât swer behaldet dâ den prîs: hat derjenige von ihnen, der dort die Oberhand behält
der klagtz doch immer, ist er wîs. Klug geworden' muss er seinen Sieg beweinen.
(680, 4ff. )

Auf Grund ihres Verwandtschaftsverhältnisses ist die Auseinandersetzung von Anfang an zum Scheitern verurteilt, würde ja ein Sieg des Einen gleichzeitig eine Verletzung des eigenen Sippenkörpers bedeuten. In diesem Kampf zeigt sich die konkrete und kategoriale Ähnlichkeit der beiden Krieger. Diese ist zwar immer ganz körperlich gedacht, haben also ihr fundamental in re in der Physis der Person, ist aber tatsächlich nicht sichtbar für die beiden. [Schulz 2008]:264 Diese Annahme, dass Dynastie als ganzer Körper, der sich aus seinen Mitgliedern konstituiert, angesehen wird, beweist das Bild, welches vom Kampf gezeichnet wird:

mittelhochdeutsch Übersetzung
erkantiu sippe unt hôch geselleschaft Ungeleugnete Verwandtschaft und dazu edle Freundesliebe zwischen Rittern
was dâ mit hazlîcher kraft war ja hier in einem Kampf mit sich selber aneinandergeraten,
durch scharpfen strît zein ander komen. der wurde erbittert und mit harten Waffen geführt.
(680, 13ff. )

Beendet wird der Kampf durch ein kommunikativ einschreitendes Moment in Form von Kindern, die Gawans Namen rufen.(688, 17 f.) Bezeichnenderweise fällt hier Gawans Namen und nicht Parzivals, sodass seine Identität hinter die seines Kombattanten zurücktritt, bedingt durch ihre defizitäre Ausprägung.

Obwohl beide Krieger ihre "Identitätseinheit" durch den gemeinsamen Sippenkörper nicht erkennen, muss sich Gawan im epischen Konstrukt nicht mit den Vorwürfen sein eigenen Leib im Kampf verletzt zu haben, konfrontieren lassen. Zusätzlich bekennt auch nur Parzival sich schuldig am Kampf: schuldec ich mich ergeben wil(688, 28), während Gawan nur über den verlorenen Kampf und dem damit einhergehenden Ehrverlust klagt.(689, 9-21) Dieser scheinbare Gegensatz lässt sich durch eine Übertragung von Hegels Theorie zu den Heroen[9]erklären. [10] Da Parzival diese Kollision für sich entscheiden kann, hat er den Kampf nicht nur verschuldet, sondern auch von Zaun gebrochen. Daraus ergibt sich seine Erfolgshaftung.

Während Gawans Motivation für diese Auseinandersetzung zumindest klar umrissen ist[11], gestaltet sich Parzivals Agens heterogen. Er ist rein von der êre-sucht der feudalaristokratischen Männerwelt angetrieben. Den vermeintlich gleichrangigen Krieger muss er automatisch bekämpfen, um seiner ritterlichen Erfüllung zu entsprechen. Hier stehen sich die beiden Grundsätze triuwe als Inbegriff des richtigen Sippen-Verhaltens und êre als Inbegriff adeliger Idealvorstellungen gegenüber und scheinen sich wechselseitig auszuschließen. Paradoxerweise eröffnet Gawan diesen Kampf ja nur, weil der denkt Parzival sei Gramoflanz (679, 14-22). Mit dieser Konfrontation will er also die Reputation seiner Sippe wiederherstellen und die Anschuldigungen sühnen, aber durch seine Unfähigkeit, Parzival als Teil seines Sippenkörpers zu identifizieren, schadet er vielmehr seinem eigenen dynastischen Verband. Die Anmerkung über die wîs offenbart hier zusätzlich, dass Ehre und Gewaltverzicht nicht miteinander im selben Paradigma des ritterlichen Habitus bestehen können.[Delabar 1990]:162

Im Gegensatz zu Parzivals erstem Kampf mit einem genealogisch Verbundenem, erkennt der Held nach Abschluss, dass er gegen einen grundlegenden Punkt des Sippenkodex verstoßen hat.(688, 19- 689, 8) Dies verdeutlicht, dass er mittlerweile die Systematik des Sippenkörpers durchaus verstanden hat, sie aber nicht in der Praxis erkennen und umzusetzen vermag. Diese Entwicklung Parzivals, sein Verstehensprozess wird auch von Gawan angesprochen: hiest krumbiu tumpheit worden sleht(689, 26.). Ein vollkommenes Verstehen der Regeln und Normen des genealogischen Konstruktes ist demgemäß erst möglich, wenn die eigene Position in diesem Geflecht klar umrissen und erkannt ist.

Parzival vs. Feirefiz

Obwohl Parzival am Ende seiner Reise steht, ist es ihm nicht gelungen auf den Stationen seiner Identitätsvervollständigung, seine eigenen Sippenbindungen vollständig zu entschlüsseln. Deshalb muss er aufs neue seinen eigenen genealogischen Verband im Kampf mit seinem Halbruder verletzten:

mittelhochdeutsch Übersetzung
mit dir selben hâstu hie gestritn. Mit dir selber hast du hier gekämpft.
gein mir selbn ich kom ûf strît geritn, Der mir gegenüberstand , als ich in den Ring geritten kam, das war ich.
mich selbn het ich gern erslagn: Mich selber hätte ich gern totgeschlagen
(752, 15 ff. )

Der Ausgang dieses Kampfes ist bezeichnend für Parzivals Stagnation. Wie bei Ither und Gawan ist es ihm nicht möglich seine Verwandtschaftsbeziehungen zu erkennen und einen Kampf zu vermeiden. Nicht er beendet den Kampf, sondern Gott muss es tun. Die Analogie zum negativ konnotierten Itherkampf wird durch seine Waffen nicht einmal verstärkt (744, 15-18.). Dass er immer noch das gestohlene Schwert seines ersten Kampfes benutzt, offenbart seine Stagnation in der geraubten Identität des Ithers.[12] Es ist ihm immer noch nicht gelungen seine eigene Identität zu schaffen, deshalb nutzt er die gestohlene, um nicht identitätslos zu erscheinen. Denn obwohl Parzival nach seinem Besuch bei [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]Trevrizent]] eindeutig als Repräsentant des Grals angesehen werden kann, sieht er seine strukturelle Gleichheit zu seinem Bruder nicht. Dies manifestiert sich durch seine formale Unterordnung: daz ich iu duzen biete / swenn ich mich zühte niete. (749, 29 f.). [Delabar 1990]:179Dies wiederum beweist, dass Parzival im Kontrast zu seinem Bruder immer noch nicht seine eigene Identität und damit Rolle im Sippenkörper erforscht hat.

Obwohl auch Feirefiz seinen Bruder nicht erkennt, zeigt doch sein Verhalten nach dem Kampf, dass Parzivals Defizite sich nicht nur auf die fehlgeschlagene Zeichendeutung beziehen. Er gesteht seine Niederlage, bietet Waffenruhe an, offenbart seinen Namen und sein Geschlecht, obwohl sein Bruder ihm das verweigert (744, 29- 745, 30). Hier treten Parzivals zwei Identitätsräume miteinander in Konflikt, einerseits seine Zugehörigkeit zu seiner Sippe und andererseits seine Ritteridentität. Eine zuerst erfolgende Namensnennung von Parzivals Seite würde seinem Kombattanten, einen Wissenszuwachs zusprechen, der sich nicht synchronisch auf beide Krieger bezieht. Damit wäre der Gegner in der Lage über Fortgang oder Abbruch des Kampfes zu entscheiden, auf der Basis von genealogischen Verflechtungen. Dadurch findet eine Hierarchisierung der Kombattanten statt, indem die Machtposition des Gegners, durch die Verfügungsgewalt über das Instrument der Gnade, gestärkt wird. Da sich êre als konstitutives Merkmal von Persönlichkeit bestimmen lässt und Tapferkeit ihr Herzstück darstellt, muss umgekehrt Feigheit als Zerstörung von Prestige und damit auch Identität bedeuten. [Haubrichs 1996]:47 Abbruch eines Kampfes würde für Parzival damit in den Wirkungsbereich von Feigheit eintreten, die zulasten seiner Identität geht, da er die Kommunikation begonnen hätte, die zum Kampfabbruch führte. So versteht Parzival den sippeninternen Gewaltverzicht nicht als pazifizierendes Moment, um die Stabilität und Kontinuität der Sippe zu sichern, sondern von einem personellen, kriegerischen Standpunkt als Unterdrückung seines ritterlichen Identitätsbegriffes, der auf Ehre, Unbesiegbarkeit und Ruhm fußt. So verstößt der Held gegen die Regel der Kampsansage, die gerade dazu dient, den Kampf unter Verwandten auszuschließen und den Grund für den Kampf zu klären.[Urscheler 2002]:225 Zusätzlich zieht sich das Motiv der kommunikativen Unfähigkeit Parzivals, bedingt durch seine Isolation sowohl in der Kindheit als auch auf seinen Aventiurefahrten, durch das gesamte epische Konstrukt, auf die Spitze getrieben bei Anfortas unterlassenen Frage.[Ridder 2004]:8

Die Auseinandersetzung mit seinem Bruder unterscheidet sich qualitativ vom Gawankampf Parzivals. Wolfram hebt in diesem Fall öfter die Verletzung der eigenen Integrität hervor als bei Gawan. Daraus lässt sich ableiten, dass es innerhalb der Verwandtschaftsbeziehungen hierarchische Abgrenzungen gibt. Je enger die genealogische Verflechtung ist, um so mehr gehören die Figuren einer Identität einem Körper an. [Delabar 1990]:173

Unvermeidbarkeit der Kämpfe?

Warum aber kommt es so häufig zu Kämpfen zwischen Verwandten, wenn sie doch, wie belegt, identitätsvernichtend für das Individuum und den Sippenkörper sind? Diese Zwangsläufigkeit des gewalttätigen Aktionismus, die sich gegen die kriegerische Gesellschaft selbst richtet, wird auch direkt vom Erzähler in Bezug auf Parzival und Feirefiz kritisiert: ôwê, sît d'erde was sô breit, / daz si ein ander nicht vermiten(737, 22 f.) Es stellt sich hier also die Frage, ob die Kämpfe eine weitere Funktion als die der Identitätsvernichtung aufweisen.

Parzival vs. Ither

Nach seiner ersten Begegnung mit den Rittern im Wald, ist Parzival wie berauscht von der Ausstattung des Ritters. Auch wenn Karnahkarnanz ihm erklärt, dass eine Instandsetzung als Ritter nur über den Artushof zu realisieren ist, bleibt doch dieser erste Anblick, das Staunen über die Rüstung bei Parzival bestehen (212, 13 - 123, 11). Deshalb ich es folgerichtig, dass er Ithers Rüstung fordert, um seine eigene ritterliche Erfüllung zu initiieren. "Für ihn sind das äußere Zeichen des Ritters, der Identifikationsfaktor der Rüstung, und das Verhaltensmuster, das daran geknüpft ist, [jedoch] noch nicht unterscheidbar." [Sosna 2002: 175] Bezeichnenderweise wird Parzival aber nicht durch diese Rüstung zu einem Krieger, sondern dar inne ich Ritter werden muoz (154, 7). Sein Ritter-Sein ist an diese Ausstattung gebunden, weshalb er sie auch bis zum Ende des Buches weiter tragen wird, ohne eine individuelle personalisierte Kampfausrüstung auszuwählen, obwohl sie als Zeichen seines fundamentalen Fehlers fungiert: Sus sint diu alten wâpen mîn ê dicke und aber worden schîn(689, 1 f.). Das heißt aber auch, dass sein Kampf mit Ither notwendig ist, um überhaupt in die Welt von Artus und der Tafelrunde zu treten. Denn ohne die Identitätsübernahme des Roten Ritters, wäre er in seinem unhöflichen, vermeintlich unadeligem Status verblieben. Trotzdem ist seine Identifikationsbildung fehlerhaft und unvollendet, da die Rüstung nur geliehen ist. Diese Problematik wird noch einmal verdeutlicht, indem es Parzival nicht möglich ist den Harnisch von Ither zu lösen und sich selbst zu rüsten.(155, 19-156, 24) Die problematische Übernahme der Kampfesausstattung beweist einerseits den illegitimen Vorgang, der Parzival die Rüstung einbrachte und er fundiert den Aspekt der widerrechtlichen Identitätsübernahme. Jene Identität, die vollends über Äußerlichkeiten definiert wird, muss an sich schon defizitär sein und entspricht einer genealogisch nicht fixierten Pseudoidentität[13] [Sutter 2003]:217, die Parzivals mangelnden dynastischen Instinkt erklärt. Trotzdem gelingt ihm erst durch die Auseinandersetzung mit Ither der Eintritt in die höfisch-ritterliche Umwelt und damit ist sie der Movens seiner feudalaristokratischen Entwicklung. Paradoxerweise ist nun diese Konfrontation zugleich identitätsvernichtend aber auch der Ausgangspunkt seines Identitätsbildungsprozesses. Wenn auch diese Tat der Auftakt einer sich steigernden Linie des Unheils für Parzivals ist, so initiiert sie gleichzeitig auch den Beginn seiner ritterlichen Erfüllung.

Aber warum bedarf es hier eines Verwandten, um Parzivals ersten Kampf und somit den Beginn seines Ritter-Dasein anzutreiben? Seine grundlegende Problematik im gesamten epischen Konstrukt wird eine Ungewissheit gegenüber seinen eigenen Sippen sein, eine tumpheit, die ihn immer wieder in schwere Konflikte führt. Ausgangspunkt seines Defizits ist dabei eine gewisse Ambivalenz, ein gleichzeitiges sippeninternes und sippenexternes Moment, das er fast bis zum Ende nicht überwinden kann. Ausgelöst durch seine Kindheit im Exil, wird diese Ambivalenz exponentiell verschärft durch die Identitätsübernahme von Ither, der als Sippeninterner über den Weg des Ausstiegs[14] versucht, ihre Spitzenposition zu belegen. [Delabar 1990]:102 Dieser erste Kampf mit einem Verwandten und die darauf fußende defizitäre Identitätsbildung ist also unvermeidbar, um die Grundlage für Parzivals späteres Versagen zu bilden. Zudem erlangt Parzival durch diese erste Sünde seine einzigartige Zwischenstellung, die seinen Weg zwischen Schuld und Überhöhung bestimmt und Strukturierungsgrundlage des überdimensionalen Handlungsgeflechts des Romans ist.[Huber 1996]:61

Gawan vs. Pazival

Adelige Idealvorstellungen machen es unvermeidbar auf der Jagd nach strît und minne nach immer höheren Zielen und stärkeren Gegnern zu streben. Macht man sich die statuszuweisende Rolle der Ehre im höfischen Roman klar, kristalisiert sich heraus, dass sie ein nach Außen gerichtetes Gut ist, ein guter Name, der vor allem coram publico von Bedeutung ist. Haubrichs spricht bei einem Ehrverlust vom Menschen als unbelegte Puppe. Fällt die Ehre ist das Leben gefallen.[Haubrichs 1998:36]. Vor dieser Folie erkennt man den Movens dieses Kampfes deutlich. Demgemäß entspringt die größte Ehre, durch einen Sieg gegen den gewaltigsten Gegner. Das gerade Gawan dieser gleichrangige Kontrahent ist, verdeutlicht sich durch seine genealogischen Voraussetzungen, die mit den von Parzival gleichziehen: ûz der tjoste geslehte / wârn si bêde samt erborn. (680, 2 f.) Um der Ruhmmaximierung Folge zu leisten, ist ein Kampf unvermeidbar. Bekräftigt wird dieses Bild durch die folgende Darstellung des Kampfes der beiden Kombattanten: ein kampf, daz nie wart gesehn / herter strît mit swerten(691, 20 f.) oder Parzîval mit mannes wer / het den prîs behalden […](694, 26 f. weiter bis 695, 7). Obwohl dieses Gefecht gegen den fundamentalen sippeninternen Gewaltverzicht verstößt, ist der Ehrzuwachs für Parzival enorm. Dass er sich gegen den besten Krieger des Artushof durchsetzten konnte, bringt ihn seiner ritterlichen Erfüllung näher und so lässt sich dieser Verwandtenkampf legitimieren. Dabei offenbart sich, dass Verwandtschaft Leitung nicht überdecken darf.[15].

Parzival vs. Feirefiz

Warum aber muss der Endkampf zwischen Parzival und seinem Bruder stattfinden, haben sie doch von allen Kämpfenden die engste verwandtschaftliche Verbindung? Der Erzähler beantwortet diese Frage zu Beginn des Kampfes: Sîn gir stuont nâch minne / unt nâch prîss gewinne (736, 1f.). Der letzte größte am schwersten zu besiegende Ritter ist Feirefiz, er übersteigt sogar noch Gawan in seiner ritterlichen Vollkommenheit:

mittelhochdeutsch Übersetzung
sît ez sich hât an den gezogt, Denn es ist dahin geraten,
in bestêt ob allem strîte ein vogt wo sich ihm einer entgegenstellt auf seiner Heldenfahrt
Uf sînr unverzagten reise. der mehr als aller Krieg gewaltig ist.
( 734, 29-735, 1)

Für beide Kombattanten gilt, dass ihre ritterliche Identität und Ehre nur vollkommen ist, wenn sie diesem letzten Gegner gegenüberstehen, weshalb auch sweders herze drumbe freuden jach (738, 6). Wenn sich auch beide nicht ihren genealogischen Verstrickungen bewusst sind, so ist es doch die Erkenntnis, dass dieser Kampf sie beide endgültig ihrer ritterlichen Erfüllung zuführt.

Dass dieser Kampf unvermeidlich ist, wird weiterhin deutlich, wenn man sich ihren symbolisch-genealogischen Ursprung anschaut:

mittelhochdeutsch Übersetzung
den lewen sîn muoter tôt gebirt: Der Löwe wird bekanntlich von seiner Mutter tot geboren,
von sîns vater galme er lebendec wirt. und erst das Brüllen seines Vaters macht ihn dann lebendig.
dise zwêne wârn ûz krache erborn, ene zwei waren aus brüllendem Schlachtenlärm geboren,
von maneger tjost ûz prîse erkorn: viele Tjosten hatten sie als die rechten Erben des Ruhms anerkannt.
(738, 19-22 )

Lebendig werden beide Männer erst durch den Akt des Kampfes, ihre Bestimmung, ist folglich auch nur durch diesen zu erreichen. Pazivals und Feirefizs Konformität, entstanden durch ihren gemeinsamen Ursprung, durch ihr gemeinsames Schicksal, muss sie zwangsläufig zueinander führen. Ihr Leben beginnt mit dem Akt des Kampfes und so müssen auch ihre Jahre der Identitätsfindung mit einem solchen Akt schließen, denn erst dieser Zusammenprall offenbart ihnen beiden ihre gesamte dynastische Identität. [16] Dieser Endkampf der beiden am weitesten entfernten Punkte der Dynastie besiegelt letztgültig die "[…] Einheit der Edelsten im Bilde des dynastischen Körpers, in dem einer kollektiv-reflexiven Korporal-Identität: corpus mysticum."[Czerwinski 1998]:151 Zudem wird hier der kosmologische Anspruch des Konstruktes Sippe deutlich, der über alle Grenzen hinaus bindend und einheitsstiftend wirkt.[Delabar 1990]:172 Die Kollision der beiden Kombattanten wird aber auch noch aus religiöser Sicht motiviert, das Gott […] in sorge freude kunde wern (741, 30). Erst der Leidensweg, angefangen über Parzivals Ither-Mord bis hin zu dem verhängnisvollen Bruderkampf, kann ihm seine Bestimmung offenbaren, seine Position als Graskönig und vollkommene Integration in den Sippenkörper.

Fazit

Der Kampf mit den Verwandten ist mit doppelter Funktionalität belegt: Einerseits ist er ein Beweis für das Noch-Nicht-Gelingen einer Identität, die nicht mehr in einer bewussten Körper-Kollektivität liegt, sondern im Körper einer reflexiven Dynastie. Andererseits ist er ein Zeichen einer sich vollendenden adeligen Identität.[Czerwinski 1998]:149 Damit sind die Kämpfe mit den Verwandten zugleich identitätsvernichtend und identitätsbildend und verweisen damit auf das Grundparadoxon einer Elite, die sich durch ein Gewaltmonopol definiert, welches sich zwangsläufig immer gegen sich selbst richtet, aber ohne diese Gewaltfähigkeit ihre eigene Identität verlieren muss. Dabei fungiert Gewaltaktionismus einerseits als individuelles Bewährungsfeld für Krieger, wie im Gawankampf dargestellt oder als Mittel der sozialen Konfliktlösung wie im Itherkampf.[Ridder 2004]:42 Da die Vorrechte des Geburtsadels sich in einer Leitungsethik fundieren, muss die individuelle Idoneität immer wieder öffentlich unter Beweis gestellt werden. Das Nicht-Erkennen der Verwandtschaftsrelationen ist demzufolge nicht nur Ausdruck von Parzivals gestörter Identität, sondern auch erzähltechnisch notwendig, um die statuszuweisende êre auch entgegen dem sippeninternen Gewaltverbot zu konstituieren. In den Kämpfen ist die Dialektik des adeligen Körpers auf die Spitze getrieben. Sippe und Gewalt stehen sich kontradiktorisch gegenüber, können aber ohne einander nicht existieren.[Czerwinski 1998]:153 Gewalt ohne Sippe würde eine anarchische Welt bedingen und Sippe ohne Gewalt würde die Exklusivität und Abgrenzung dieser Dynastien unmöglich machen. Daraus ergibt sich, dass die Kämpfe mit Verwandten nicht vermeidbar sind. Sie sind kein Antagonismus von Ehre und kolossalem Fehltritt, welcher ex negativo didaktisch auf das Richtige weist. Sie spiegeln vielmehr den Dualismus der adeligen Welt wieder, stiften die Identität der Kriegergemeinschaft erst und zerstören sie gleichzeitig zu Gunsten des Idoneitätsbeweis.[Ridder 2004]:51

Anmerkungen

  1. Der Artikel Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival schlüsselt die Handlungsschemata der Kämpfe auf und ergänzt damit den folgenden Artikel und sein Verständnis.
  2. Welche Funktion allgemein Kämpfe für die Standesidentität der Ritter haben, erklären die Artikel Narrenkleid und Rüstung: Standesidentität im Parzival und das Paradoxon der Gewalt im Parzival
  3. Vgl. dazu Das Paradoxon der Gewalt im Parzival
  4. Genaueres zu einer möglichen mittelalterlichen Erkenntnistheorie bei [Hahn 1977] und [Schulz 2008].
  5. Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].
  6. Beispielsweise wird der Adelige erkennbar durch ein gewisses Strahlen und Leuchten.[Schulz 2008]:210
  7. Ungeachtet der moralischen Fragwürdigkeit seiner Tat, erlangt er Ehre durch sie. [Schu 2002]:377 Der Knappe Iwanet lobt ihn beispielsweise, dass er die Taten Ithers durch seinen Sieg auf sich übertrage habe (V.156, 12ff) und die Tafelrunde nimmt ihn aufgrund seines Triumphes in ihre Reihen auf.(V.280, 10ff) Das beweist eine Spaltung zwischen Ideal und Realität, die dem Artushof zugrunde liegt. Die Artikel Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt und Das Paradoxon der Gewalt im Parzival beschäftigen sich weiterführend mit den Krisen des Artushofes, die hier angedeutet werden.
  8. Dies belegt beispielsweise sein Fehlverhalten auf der Gralsburg
  9. Eine Übertragung ist hier möglich, da der höfische Roman oftmals noch heroische Elemente enthält.
  10. "Wie nun aber im Heroenzustande das Subjekt mit seinem gesamten Wollen, Tun, Vollbringen im unmittelbaren Zusammenhange bleibt, so steht es auch ungeteilt für das ein, was irgend an Folgen aus diesem Tun entspringt. [...] Der heroische Charakter aber macht diese Unterscheidung nicht, sondern steht für das Ganze seiner Tat mit seiner ganzen Individualität ein. […] Die selbständige Gediegenheit und Totalität des heroischen Charakters will die Schuld nicht teilen und weiß von diesem Gegensatz der subjektiven Absichten und der objektiven Tat und ihrer Folgen nichts […]. In der Heroenzeit aber, in welcher das Individuum wesentlich Eins und das Objekt als von ihm ausgeht das Seinige ist und bleibt, will das Subjekt nun auch, was es getan hat, ganz und allein getan haben und das Geschehene vollständig in sich hineinverlegen […]." [Hegel 1970: 246 f.]
  11. "Die Rache als Ehrenpflicht ist eine Forderung des Personenverbandes, dem man angehört. Er hat den Verlust erlitten, nicht der einzelne, er fordert die Wiederherstellung des Gleichgewichts.[Haubrichs 1998:39] Damit definiert sich der eigentliche Kampf Gawans gegen Gramoflanz, als idenititätsstiftend, verankert er den Ausführenden doch noch einmal unmittelbar in seiner Sippe. Damit offenbart sich die Fehde und der damit einhergehende Kampf als Inklusionsmittels für den Einzelnen in seine Sozietät durch die Exklusion, die bis in die Vernichtung reichen kann, eines äußeren Feindbildes.
  12. Denn besonders im Kampf offenbahrt sich die Identität vor allem über das Äußere. Waffen, Rüstung, Wappen und sogar das Reittier geben dem Gegner aufschlussreiche Hinweise, wer sich unter der Rüstung befindet. Den hohen Wert der damit der ritterlichen Ausstattung zugesprochen wird, verkennt Parzival völlig, indem er die gestohlene Rüstung des Ithers trägt.
  13. Dies wird bestärkt durch die Auftritte Parzivals, die ihn nicht als Person darstellen, sondern mit geradezu leitmotivischem Charakter als Roter Ritter. [Sutter 2003]:217
  14. Beispielsweise vollzieht Ither eine räumlich Trennung vom Artushof, indem er diesen verlässt und außerhalb der Tore auf eine Antwort wartet.[Delabar 1990]:102.
  15. Genau hierzu in dem Artikel Das Paradoxon der Gewalt im Parzival
  16. Wolfram wählt hier den "Löwen" um die beiden Männer zu symbolisieren. Einerseits sicherlich um den beiden Eigenschaften wie Tapferkeit und Stärke an die Seite zu stellen. Allerdings rekurriert der Mythos, dass Löwenjunges tot geboren werden und dann durch ihres Vaters Gebrüll, zum Leben erwachen, auf die Wiederauferstehung Christus durch seinen Vater.[Pelizaeus 2009]:181f. So könnte man meinen, Wolfram eröffnet noch eine tiefere Ebene mit dieser Symbolik. Die Heroen schließen sich damit an Christus Ewigkeitsanspruch an, wenn sie durch ihre Kampfhandlungen unerreichbare Größe und Ruhm erlangen.

Literaturverzeichnis


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Textausgabe

[Parzival] ^Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der 'Parzival'-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.