Gurmun (Gottfried von Straßburg, Tristan)

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Gurmun ist der König von Irland. Er ist verheiratet mit der Königin Isolde und ihr einziges Kind ist die junge Isolde. Gurmun ist Lehnsherr über die Länder König Markes bis Tristan seinen Zinseintreiber Morold erschlägt.

Darstellung Gurmuns

Vorgeschichte und Auftritt im Roman

Die Figur des König Gurmun ist in der Vergangenheit der Erzählung angesiedelt. Seine imposante Geschichte streift die Erzählung nur an einigen Stellen und so erfährt der Leser über seine Vergangenheit nur das, was der Autor preisgibt. Gurmun hatte einen Vater in Afrika, der dort König war, und ist auch selbst dort geboren. Als der Vater verstarb, kam es zum Erbstreit mit seinem Bruder. Gurmun schart die mächtigsten Truppen um sich, die er aufzubieten vermag und wappnet sich, um Länder zu unterjochen. Er lässt seinem Bruder das gemeinsame Erbland in Afrika und begibt sich nach Norden. Er handelt mit den Römern aus, dass alle Länder, die er sich Untertan machen könne, sein seien, wenn er einen Teil an sie ableiste. Er wendet sich zuerst nach Irland und besiegt es. Er wird irischer König und besiegt mit Hilfe der neugewonnenen Truppen auch Cornwall und England. Marke, der zu dieser Zeit noch ein Kind ist, wird Gurmun zinspflichtig und bleibt es bis Tristan die Herrschaft beendet. Er nimmt die Schwester des irischen Herzogs Morold als Schwester. Ihrer beider Kind, Isolde, wird zur Protagonistin der Erzählung Gottfrieds. Nachdem Morold erschlagen wird, betrauert Gurmun seinen tapfersten Kämpfer.

Charakterisierung

Gurmun wird als "der Kühne" vorgestellt. Des Weiteren wird er als herrschsüchtig und stolz charakterisiert. Deshalb verlässt er sein Erbland, nachdem er es nicht alleine regieren darf, um sich sein eigenes Reich zu schaffen. Er wird als reich und höfisch dargestellt und diese Eigenschaften sind es, die es ihm ermöglichen, ein solch starkes Heer zu mobilisieren, das Irland besiegt. Gurmun ist ein Stratege, er schafft es, Rom auf seine Seite zu ziehen und heiratet geschickt zu seinem Vorteil. Nachdem er jedoch geschickt dirigiert und seine Ziele erreicht hat, tritt er in den Hintergrund. Bis Tristan ihn erschlägt, wird Morold zur agierenden Figur der irischen Herrschaft. Daraufhin rückt die Herrscherfamilie wieder in den Blickpunkt. Gurmun ist zutiefst verägert über den, seiner Meinung nach, begangenen Vetragsbruch, sodass er befehlen lässt, jeden, der sich aus Cornwall nähere, zu töten und beweist damit eine stete Angst um das, was er sich erkämpft hat und um sein Ansehen. So wird nach Morolds Tod der Verlust für Gurmun, seinen Schwager, beschrieben:

er verlôs an disem einen man
herze unde muot, trôst unde craft
und maneges mannes ritterschaft.
diu scheibe, diu sîn êre truoc,
die Môrolt vrîlîche sluoc
in den bîlanden allen,
diu was dô nider gevallen.

"Denn er verlor an diesem einen Mann/Kühnheit und Tapferkeit, Hoffnung und Stärke/und die Kampfkraft vieler Männer./Das Glücksrad, an dem sein Ansehen hing/und das Morold ungehindert gerdreht hatte/in allen Nachbarländern,/das war herabgestürzt." [V. 7158-7164]

Literatur

Barandun, Anina: Die Tristan-Trigonometrie des Gottfried von Strassburg: zwei Liebende und ein Dritter. - Tübingen ; Basel : Francke, 2009.