Doppelwegstruktur

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Der Doppelweg gilt als das wesentliche Strukturmerkmal des Artusromans. Durch ihn erhält die literarische Gattung ihre Sinnstruktur. Vorallem beim 'Erec', 'Iwein' und beim 'Parzival' von Wolfram von Eschenbach ist dieses Strukturalement vorzufinden. Die Form wurde von Kuhn anhand von 'Erec' entdeckt, er dient daher „als Musterbeispiel für den Artusroman“[1]. Der Ritter muss seine Fehler, die er beim ersten Abenteuerweg begangen hat und die zu seinem Scheitern führten, beim zweiten Mal korrigieren.

Zum Begriff:

Der Begriff Doppelweg ist von Hans Fromm geprägt, der 1969 den definitorischen Zusammenhang der Artusromane feststellte.

Noch heute wird Hartmann von Aue als der Erfinder des Doppelwegs bezeichnet, obwohl sich dieses Merkmal in ihren Grundzügen schon in den französischen Fassungen von Chrétien finden lässt.

Prinzip des doppelten Weges

Die Doppelwegstruktur „beschreibt die Makrostruktur des Textes als zweiteilige (Doppelweg), wobei der zweite Teil der Handlung in sich erneut eine klare Zweiteilung aufweist (doppelter Kursus), deren Achse (Zwischeneinkehr) die Hälfte als parallel zueinander angeordnet kenntlich macht.“[2]

Die Ritter, die an Artus' Tafelrunde teilnehmen dürfen, haben sich durch großen Mut und Ehrenhaftigkeit in einem Abenteuer persönlich bewährt.
Artus und seine Tafelrunde

Einer dieser Helden gerät durch einen Konflikt in eine Krise und ist nicht mehr berechtigt, an der Runde teilzunehmen. Er wird vom Artushof verstoßen und begibt sich freiwillig auf die Suche nach Aventiuren(Aventiure). Diese sind für ihn vorbestimmt und nach einer bestimmten Reigenfolge von ihm zu bestehen. Diese Bewährungsproben zielen darauf ab, dass sich der Ritter durch Hilfsbereitschaft und seinen Dienst an der Gesellschaft bewährt. Nur so kann er sich rehabilitieren und seinen Platz in der Gesellschaft finden. Hat er dies geschafft, gewinnt er auch "hant und lant", also seine Frau und seine Besitztümer zurück. Er darf nun auch an den Artushof zurückkehren und für immer dort bleiben.

Schulz sagt ähnliches über den Doppelweg: Zu Beginn gewinnt der Agent durch seine erste Aventüre eine Frau, mit der er Minne eingeht. Der Ritter zerstört das Gleichgewicht von Minne und Rittertum. Sein Verfehlen wird in der ersten Aventüre aufgezeigt, da er entweder der Minne oder dem Rittertum zu sehr zugeneigt ist. Die Folge ist eine Krise. Bei einer zweiten Aventürefahrt muss sich der Held beweisen. Wobei die letzte Aventüre besonders das Verfehlen der ersten Aventüre aufgreift. Durch das Bestehen der letzten Aventüre wird der Lernprozess des Helden deutlich. Am Ende bleibt das Glück bestehen.Ebenso ist die Steigerung ein signifikantes Merkmal von dem Doppelweg.[3]

Allerdings bleibt zu sagen, dass die Doppelwegstruktur keine einheitliche Strukturform darstellt. Zum Beispiel Wolfzettel wirft ein: „Der schon von Zeitgenossen Chrétiens und Nachfolgern offensichtlich als Strukturformel begriffene Doppelweg stellt auch bei Chrétien keineswegs ein festes >typisch arthurisches< Schema dar, sondern erscheint eher als eine mögliche und signifikant allgemeinere Handlungsdoppelung. Die nachfolgenden Autoren spielten mit diesem Vorbild, variierten es, ignorierten es oder ebneten es ein.“ *[Wolfzettel 1999:S.140]
  1. Schmid, Elisabeth (1999): Weg mit dem Doppelweg. Wider eine Selbstverständlichkeit der germanistischen Forschung. In: Erzählstrukturen der Artusliteratur. Forschungsgeschichte und neue Ansätze, hrsg. Wolfzettel, Friedrich, Tübingen: Niemeyer. S.69.
  2. Wolfzettel, Friederich (1999): Doppelweg und Biographie. In: Erzählstrukturen der Artusliteratur. Forschungsgeschichte und neue Ansätze, hrsg. Wolfzettel, Friedrich, Tübingen: Niemeyer. S.119.
  3. Vgl. Schluz, Armin (2012): Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin: de Gruyter. S.241-244.