Die Relevanz der Sprach- und Deutungskompetenz Parzivals

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Dieser Artikel behandelt die Relevanz der Sprach- und Deutungskompetenz sowie die Tragik des sprachlichen Unvermögens Parzivals im gleichnamigen Roman von Wolfram von Eschenbach. Anhand einer Analyse ausgewählter Textstellen und insbesondere der Ereignisse auf der Gralsburg in Munsalvaesche wird die Notwendigkeit eines ausgeprägten Wahrnehmungs- und Erkenntnisvermögens beleuchtet. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung wird die Zentralität des Erlernens rhetorischer Fähigkeiten für Parzival dargestellt, welche den Fortgang der Geschichte entscheidend prägen.

Parzival in Belrapeire

Auf seinem Weg ins Rittertum gelangt Parzival in die belagerte Stadt Belrapeire, in der er auf die verzweifelte Königin Condwiramurs und ihren Hofstaat trifft. In einem tollkühnen Kampf befreit der junge Held die Stadt und ihre Bevölkerung aus der Not, sendet die besiegten belagerer Clamide und Kingrun an den Artushof und heiratet schließlich Condwiramurs. Trotz seines Erfolgs fällt es Parzival zu diesem Zeitpunkt noch schwer das Instrumentarium der Sprache kompetent einzusetzen, wodurch er er häufig sein Gegenüber verunsichert. So verhält er sich in Belrapeire recht unbeholfen: Streng an die Lehren Gurnemanz haltend, geht Parzival sehr sparsam mit seinen Worten um und sitzt schweigend neben der Königin, wodurch er in ihr enorme Selbstzweifel weckt: "Diu küneginne gedâhte sân / 'ich wæn, mich smæhet dirre man / durch daz mîn lîp verwâlet ist." (188, 25 ff.).Condwiramurs beschließt daraufhin selbst das Wort zu ergreifen und so bleibt Parzvials sprachliches Unvermögen vorerst ohne Konsequenzen. Auch der Erzähler kommentiert das falsche Wörtlichnehmen der Lehre Gurnemanz durch den unerfahrenen Ritter an dieser Stelle noch mit ironischem Vergnügen:

sîn manlîch zuht was im sô ganz,

sît in der werde Gurnamanz

von sîner tumpheit geschiet

unde im vrâgen widerriet (188, 15 ff.)

Parzival fragt auch in Belrapeire nicht nach dem Grund für die Zustände und die Belagerung. Das Unvermögen die Situation richtig zu deuten sowie die sprachliche Unsicherheit deuten an dieser Stelle schon auf die Ereignisse in Munsalvaesche voraus. Doch im Gegensatz zur Gralsburg bleibt das Frageversäumnis in Belrapeire ohne negative Konsequenzen. Bei ihrem nächtlichen Besuch klärt Condwiramurs Parzival ungefragt über die Ursache für die Belagerung auf und verhindert somit jeglichen Zweifel Parzivals an seiner Interpretation der Gurnemanzschen Lehren.



Parzivals Unfähigkeit das Instrumentarium der Sprache während seines ersten Besuchs auf der Gralsburg in Munsalvaesche kompetent einzusetzen...