Der deutsche Thronstreit um 1200

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Dieser Artikel behandelt den deutschen Thronstreit um 1200. Insbesondere ist hierbei die Doppelwahl von 1198 gemeint.


Wichtigste Personen

Die Staufer

  • Kaiser Heinrich VI. (König von 1190-1197)
  • König Philipp von Schwaben (Bruder Heinrichs, König von 1198-1208)
  • Kaiser Friedrich II. (Sohn Heinrichs, König von 1212-1250)

Die Welfen

  • Heinrich der Löwe, Herzog von Bayern und Sachsen von 1141-1180
  • Kaiser Otto IV. von Braunschweig (Sohn Heinrichs des Löwen, König von 1198-1215)


Auslöser

Am 28. September 1197 starb der deutsche Kaiser Heinrich VI. überraschend im Alter von 32 Jahren. Sein einziger Sohn Friedrich war zu diesem Zeitpunkt erst 2 Jahre alt. Seine Mutter Konstanze verzichtete auf die Herrschaftsansprüche des Sohnes und bestimmte Papst Innozenz zu dessen Vormund. Dies tat sie, um die Stellung ihres Schwagers Philipp von Schwaben in Deutschland nicht zu gefährden.[1]

Verlauf

1197 war Philipp von Schwaben der einzige Staufer, der als König in Frage käme. Im März 1198 erklärte er seine Bereitschaft, sich zum König wählen zu lassen und wurde daraufhin auch von vielen geistlichen und weltlichen Vertretern in Mühlhausen gewählt. Gekrönt wurde er am 8. September 1198 in Mainz vom burgundischen Kirchenfürst Aimo von Tarentaise. Aber nicht alle waren mit der Wahl eines staufischen Königs einverstanden. So zum Beispiel der Kölner Erzbischof Adolf und einige weitere Gegner der Staufen. Der englische König Richard Löwenherz empfahl ihnen seinen welfischen Neffen Otto von Braunschweig, der Sohn von Heinrich dem Löwen. Richard Löwenherz wollte somit einen zuverlässigen Partner im Kampf gegen Frankreich finden.[2] Am 9. Juni 1198 wurde Otto vom Erzbischof Adolf von Köln gekrönt. Die Krönung fand in Aachen statt, in das die Welfen erst nach dreiwöchiger Belagerung einziehen konnten, denn die Staufer wollten die Krönung verhindern. Und so gab es auf einmal zwei Könige in Deutschland. Aber welcher von den beiden war nun der Richtige?

Diese Frage war nicht so leicht zu beantworten, denn zu der Zeit gab es noch keine festgelegten Normen und Regeln, was die Wahl und die Krönung des Königs betrifft. Es war weder festgelegt, wer wählen durfte, noch die Mindestanzahl an Wählern oder das Wahlverfahren. Das Einzige, was festgelegt war, war der Ort der Krönung und die Insignien. Allerdings hatte keiner der beiden Könige beide Voraussetzungen erfüllt. Phillip hatte zwar die Insignien des Reiches, Krone und Kreuz, allerdings vollzog sich bei Otto die Krönung am rechten Ort und durch den dazu berufenen Bischof.[3]

So konnte auf die Frage nach dem rechtmäßigen König nur der Papst eine Antwort geben. Dieser entschied sich zu Beginn des Jahres 1201 für Otto, denn der versprach dem Papst Hilfe bei dem Erhalt des Königreiches Sizilien.

Allerdings gab Phillip sich nicht kampflos geschlagen und weil er mit dem französischen König einen starken Verbündeten hatte, gelang es ihm, 1205 die Macht und das Ansehen zurückzugewinnen. Auch der Bruder Ottos, Pfalzgraf Heinrich und sogar der Erzbischof von Köln wechselten auf seine Seite. So wurde Phillip am 6. Januar 1205 in Aachen von Erzbischof Adolf gekrönt.

Zwar war Papst Innozenz nicht begeistert von diesem Verlauf (er exkommunizierte sogar Erzbischof Adolf von Köln[4]), doch musste er sich eingestehen, dass Phillip zu mächtig geworden war um ihn vom Thron zu stoßen. Er leite einen Friedensprozess ein. Phillip kam Otto entgegen, indem er ihm seine älteste Tochter zur Frau anbot. Doch noch während dieses Prozesses geschah etwas Unerwartetes. Phillip wurde ermordet und zwar von dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach, der sich somit an Phillip rächen wollte. Phillip hatte ihm eine seiner Töchter versprochen, dieses Versprechen aber wieder zurück genommen. Der Papst sah den Tod Phillips als Zeichen Gottes und wollte Otto zur Macht verhelfen. Er drohte jeden Bischof zu verbannen, der einen anderen zu, König krönen wollte. Otto ging auf die Friedensvereinbarungen der Staufer zu und verlobte sich mit Beatrice, der ältesten Tochter des ermordeten Phillips. Am 4. Oktober 1209 erhielt Otto in Rom die Kaiserkrone.

Behandlung der Thematik in der damaligen Literatur

Die Uneinigkeit der Obrigkeit hatte natürlich auch Auswirkung auf das gemeine Volk, das unter den Fehden der verschiedenen Anhänger zu leiden hatte. Dieses Problem und die gesamte Thronstreitthematik wurden auch in der damaligen Literatur verarbeitet.[5] Das berühmteste Werk zu der Zeit, war der sog. Reichston von Walther von der Vogelweide. Dieses war wohl die erste politische Dichtung in deutscher Sprache, bei der die Tagespolitik mit allgemeingültigen überzeitlichen Lehren vermittelt wurde.[6]
Zum kompletten Reichston und dessen Übersetzung: Reichston (Walther von der Vogelweide, Cormeau Nr. 2)
Im Reichston schreibt Walther:


stîg und wege sint benommen: Stege und Wege sind ihnen verstellt,
untriuwe ist in der sâze, Verrat liegt im Hinterhalt,
gewalt vert ûf der strâze, auf den Straßen herrscht die Gewalt,
fride und reht sint sêre wunt. Friede und Recht sind auf den Tod verwundet.
In der zweiten Strophe, schreibt er:
owê dir, tiusche zunge, Du aber, ach, Deutschland,
wie stêt dîn ordenunge, wie steht’s um die Ordnung in deinem Reich?
daz nû diu mugge ir künec hât, Dass die Biene jetzt ihren König hat
und daz dîn êre alsô zergât! Und das dein Glanz so vergeht!
bekêrâ dich, bekêre, Oh kehre, kehre doch um!
die cirkel sint ze hêre, Fremde Kronen recken sich
die armen künege dringent dich: Vasallenkönige bedrängen dich.
Philippe, setze den weisen ûf,und heiz sie treten hinder sich Die Kaiserkrone setze dem Philipp aufs Haupt, und weise die anderen zurück.
In der dritten Strophe beschreibt er die gestörte Ordnung zwischen Kirchen und Krone.
Mit „pfaffen“ sind wohl die Welfen und deren Unterstützer gemeint, mit „leien“ sind die Staufer gemeint:[7]
die pfaffen striten sêre, Hart kämpften die Pfaffen,
doch wart der leien mêre. Doch wurden die Laien immer mehr.
diu swert diu leiten si dernieder Da warfen die Pfaffen die Schwerter weg
und griffen zuo der stôle wider: und legten wieder die Stola an:
si bienen, die si wollten sie bannten, wen immer sie wollten,
und niht, den si sollten. und nicht den, der es verdiente.


Literatur

  • Wolfgang Stürner: Gebhardt: Handbuch der deutschen Geschichte. Band 6. Stuttgart 2007
  • Peter Csendes: Philipp von Schwaben: Ein Staufer im Kampf um die Macht. Darmstadt 2003
  • Joerg Schaefer: Walther von der Vogelweide, Werke Darmstadt 1972
  • W. Williams: Lieder und Sprüche Walthers von der Vogelweide mit erklärenden Anmerkungen Halle 1924
  • Paul Stapf: Walther von der Vogelweide. Sprüche. Lieder. Der Leich / Urtext, Prosaübertragung Wiesbaden ca. 1963

Einzelnachweise

  1. Wolfgang Stürner: Gebhardt: Handbuch der deutschen Geschichte. Band 6., S.156
  2. Peter Csendes: Philipp von Schwaben: Ein Staufer im Kampf um die Macht., S.76
  3. Wolfgang Stürner: Gebhardt: Handbuch der deutschen Geschichte. Band 6., S.161
  4. Wolfgang Stürner: Gebhardt: Handbuch der deutschen Geschichte. Band 6., S.169
  5. Wolfgang Stürner: Gebhardt: Handbuch der deutschen Geschichte. Band 6.,, S.162
  6. W. Williams: Lieder und Sprüche Walthers von der Vogelweide mit erklärenden Anmerkungen, S.71
  7. Paul Stapf: Walther von der Vogelweide. Sprüche. Lieder. Der Leich / Urtext, Prosaübertragung, S.510