Das niederfränkische Tristan-Fragment

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Dieser Artikel soll sich mit dem auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts geschätzten Tristanfragment in niederfränkischer Sprache beschäftigen. In der älteren Forschung ist häufiger von einem "niederdeutschen" oder auch "ripuarischen" Fragment zu lesen, doch hat die heutige Forschung die Sprache als niederfränkisch identifiziert.[1]

Das Fragment umfasst lediglich ein einzelnes Pergamentblatt und insgesamt 158 Verse[2] und ist dennoch von besonderer Bedeutung, wenn auch es noch keine allzu große Rolle in der Forschung spielt.

Die zentrale Frage der Forschung lautet, ob es sich bei dem Fragment um einen eigenständigen Tristan-Roman handelt, oder um eine Fortsetzung des Tristan Gottfrieds von Straßburg, sowohl als auch in der Tradition vom Tristan des Thomas d'Angleterre stehend.[3]

Inhalt des Fragmentes

In den wenigen Versen des Fragmentes begegnet Tristan[4] einem anderen Tristan, der aus den anderen Thomas-Versionen als Tristan der Zwerg bekannt ist, hier aber beinamenlos bleibt.[5] Tristan der Zwerg ist auf der Suche nach Hilfe bei der Suche seiner Geliebten, die [...] di stolte / van dien verwornen holte (der Stolze aus dem Verworrenen Holze, V.15f.)[6] auf seine Burg entführt hat. Deswegen sucht er dringend einen Hilfswilligen und hat die Absicht, sich auch am Artushof umzuhören (V.18-33). Tristan, welcher sich Tristan dem Zwerg nicht vorgestellt hatte, sagt diesem seine Hilfe für den morgigen Tag zu (V.34-43). Tristan der Zwerg wirft Tristan daraufhin echt met torne (sehr zornig, V.44) vor, dass Tristan im sofort geholfen hätte, wenn dieser noch am Leben wäre und nicht [...] dar got gebiede / Sin lieve suote siele (da wo Gott gebietet, seine liebe, süße Seele, V.56f.) sei. Daraufhin will sich Tristan beeilen sich zu rüsten, um noch am gleichen Tage aufzubrechen. Als sie auf zwei der ruhmreichen sieben Brüder treffen, zu denen der Burgherr gehört, gelingt es Tristan und Tristan dem Zwerg die zwei Ritter zu erschlagen (V.83-105/106). Die alarmierten Burgbewohner schlagen daraufhin zurück und ein heftiges Kampfgetümmel entsteht. Inmitten des Kampfes bricht das Fragment mit einer Lücke ab. Es setzt wieder ein mit: vnde hi quam kume dan / Dar hi vant kardinen (und er kam nur mit Mühe von dannen, dorthin, wo er Kardine fand, V.124f.). Dort, beim Verbinden der Wunden, bemerken sie, dass Gift in Tristans Wunden ist. Tristan berät sich daraufhin hemlic (V.131) mit Kardine und sieht die einzige Hoffnung darin, dass Kardine nach Cornwall reisen, und Isolde informieren müsse, damit diese ihm mit ihren Heilkenntnissen helfen kommt (V.126-158, hier endet das Fragment abrupt).

Auffindung/Aufbewahrung

Gefunden wurde das Fragment vor 1881 von A. Patera, Custos des Böhmischen Museums, in der Bibliothek des Böhmischen Domkapitels. Bei der Entdeckung war das Pergament verwendet als Falzblätter des Werkes Computus nonus totius fere Astronomie fundamentum pulcherrimum continens (Liptzk [Leipzig] 1514).[Titz 1881]:S.248.[Lambel 1881]:S.361.

Mittlerweile wird die Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien als Cod. Vind. Ser. Nova 3968 aufbewahrt.

Beschaffenheit

Das Dokument besteht aus zwei ungleichen Hälften eines zweispaltigen Pergamentblattes, beidseitig beschrieben, mit den Maßen 25,5 cm Höhe, 17,5 cm Breite.[Titz 1881]:S.24.8 Jede Seite umfasst 46 Zeilen (auf vorgezogenen Linien). Die geraden Zeilen sind um einen Buchstaben eingerückt, mit Minuskel beginnend, ungerade Zeilen mit Majuskel (zwischen zwei vorgezogenen senkrechten Linien).[Lambel 1881]:S.361.

Auf der einen Hälfte (Spalte A, D) fehlen oben 10½-11, auf der anderen (Spalte B, C) unten je 5 Zeilen, da weggeschnitten.

Verortung/Datierung

Der Schrift wegen wurde das Dokument schon früh auf Mitte bis Ende des 13. Jh. geschätzt.[Titz 1881]:S.248. Von der späteren Forschung wurde und wird das Fragment dagegen zumeist auf vor 1240/1250 datiert.[de Smet 1979]:S.151.[7] Einer paläographischen Untersuchung zufolge lässt es sich dagegen wohl genauer in den Zeitraum zwischen etwa 1270 und 1295 festsetzen.[Schneider 1987]:S.269f.[8]Auch sprachlich spricht es für die Mitte bis zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Da keine weiteren Hinweise erhalten sind, ist die Sprache des Fragmentes auch die einzige Möglichkeit das Fragment geographisch zu verorten. Diese steht als niederfränkischer Dialekt dem Mittelniederländischen und Nordrheinisch-Niederdeutschen nahe, lässt sich örtlich im Rhein-Maas-Raum um Arnheim/Nimwegen als nordwestliche und Bocholt/Kleve als südöstliche Eingrenzung, evtl. auch etwas südlicher bis Geldern hinunter, lokalisieren.[de Smet 1979]:S.159[Tomasek 2002]:S.77f.

Editionen

1881, also kurz nach seiner Entdeckung, wurde das niederfränkische Tristanfragment erstmals - und gleich zweimal - herausgegeben.[Titz 1881][Lambel 1881] Erst ziemlich genau hundert Jahre später wurde der Text neu, und in diplomatischer Edition, gedruckt.[Gysseling 1980]:S.338-342.

Eine Abbildung der gesamten Handschrift lieferten DE SMET und GYSSELING,[de Smet/Gysseling 1967], wohingegen Schneider Seite 1r (Spalte A, B) des Fragmentes mit abdruckte.[Schneider 1987]:Abb.166.

Die jüngere Forschung hat sich auch um Übersetzungen des kurzen, doch einerseits lückenbehafteten Fragmentes bemüht, welches andererseits auf Grund der selten überlieferten Sprachform auch sprachlich schwer zugänglich ist. BUSCHINGER aber bietet sogar eine französische Übertragung an;[Buschinger 1983/84] und neuerdings übertrug WINKELMANN das Fragment mit einer kritischen Übersetzung ins Neuhochdeutsche.[Winkelmann 1998/2]:S.822-827.

Forschung

Der Inhalt der im Fragment erhaltenen Textpassage ist die tödliche Verwundung Tristans auf seinem letzten Abenteuer mit Tristan dem Zwerg, wie es die Thomas'sche, nicht aber die Eilhart'sche Version enthält. Über eine grundlegende Tradition des Tristan nach Thomas ist sich die Forschung einig. Doch spaltet sich die Forschung, ob es sich bei dem niederfränkischen Text um das Fragment eines eigenständigen Tristan-Romans handle, oder eher um eine weitere Fortsetzung des Tristan Gottfrieds von Straßburg, ganz im Zeichen Thomas', wie es sich Gottfried wünschte.

Gemein sind dem Fragment und dem Tristan des Thomas' eine Reihe von Formulierungen.[Steinhoff 1987][9] Gegenüber den anderen, auf Thomas beruhenden Texten[10] bemerkte aber schon LAMBEL Abweichungen in den Beinahmen Tristans oder im Falle der nicht unmittelbaren Annahme der angebotenen Hilfe Tristans; darüber hinaus in der Klage Tristans dem Zwerg über Tristans Tod, welche folglich eine vorher stattgefundene Verbreitung von Tristans Tod bedinge, wozu LAMBEL hier auf die in den Handschriften R und S enthaltene "trübe[] Quelle" Tristan als Mönch verweist, die zwischen Gottfrieds Tristan und dem Schluss Ulrichs von Türheim eingefügt ist.[Lambel 1881]:S.363. Zentraler Unterschied ist außerdem das Vorkommen von Artus.[11]

Das Fragment könnte demnach auf eine Quelle mit gewisser Verwandtschaft zum französischen Text, aber auch wesentlichen Abweichungen hinweisen. Daher vertrat bereits LAMBEL die Ansicht, es handle sich bei dem niederfränkischen Fragment wahrscheinlicher um eine Fortsetzung Gottfrieds als um eine eigenständige Abfassung des Tristanstoffes.[Lambel 1881]:S.364.
Andere, etwa STEINHOFF, vertreten die Ansicht, es handle sich um eine eigenständige, ostmaasländische Tradition, und nicht etwa um eine Fortsetzung Gottfrieds Tristan.[Steinhoff 1987] DE BOOR führt dazu die Begründung an, dass auf Grund stilistischer und sprachlicher Eigenständigkeit[12] des Fragments eine Kenntnis des Gottfried'schen Textes auszuschließen sei.[de Boor 1997]:S.119. Auch BESAMUSCA sieht das niederfränkische Fragment als Überbleibsel einer "Middle Dutch adaption of the Tristan of Thomas" - ohne dafür aber Argumente anzuführen - und datiert die "adaption [...] at the end of the twelfth century or the beginning of the thirteenth."[Besamusca 1986] Wie bereits oben erwähnt, sieht er das Fragment als Teil einer eigenständigen Thomas-Adaption und nicht als Gottfried-Fortsetzung, woher diese stoffgeschichtliche Datierung der Adaption bzw. die der Urhandschrift in vor-gottfried'sche Zeit rühren mag.

Zuletzt führte TOMASEK die Erklärung LAMBELs weiter,[Tomasek 2002] dass das Fragment Teil eines Codex' aus Gottfrieds unvollendetem Tristan sei, dem die Erzählung Tristan als Mönch (dort tritt König Artus auf und Tristan inszeniert seinen eigenen Tod) folgt, sodass an dieser Stelle,[13] Gottfried fortsetzend sowie den Inhalt von Tristan als Mönch berücksichtigend, das niederfränkische Fragment stand.[14] Die Gegenthese STEINHOFFs,[Steinhoff 1987] welcher LAMBELs Annahmen für unwahrscheinlich hält und auf Tristans vermeintlichen Tod im altfranzösischen Prosatristan hinweist, entkräftet er. Denn dort, im altfranzösischen Tristan, werde Tristans Tod sogar mehrmals angenommen, doch immer angezweifelt und aufgelöst, im niederfränkischen Fragment hingegen müsse Tristans Tod offiziell erklärt worden sein.[15]
TOMASEK widmet sich besonders einem Randeintrag bei V. 125, welcher zuvor fälschlicherweise für ein (unbekanntes) tschechisches Wort pudibundi gehalten wurde, sich nach dem Anheben einer Falzkante aber als lateinisches pudibundus (der Verschämte) herausstellte. Der Eintrag ist neben kardinen (Kaedin) platziert, könnte also auf Kaedins peinliche Situation in der Zauberkissenepisode hinweisen. Hieraus zieht TOMASEK eine Reihe von Rückschlüssen. So spräche die Eintragung gegen eine Thomas strikt folgende Handschrift, denn sie wäre in diesem Falle recht unwahrscheinlich, da Kaedin dort noch vier Zeilen vor dem Einsetzpunkt des niederfränkischen Fragmentes genannt wird,[16] er ihm Zuge des vorhergehenden Rückkehrabenteuers zusammen mit Tristan eine Rolle spielt. Die Erklärung ist wohl aber scheinbar notwendig, wenn Kaedin nicht, wie bei Thomas, kontinuierlich auftritt. TOMASEK weist darauf hin, dass in Tristan als Mönch Kaedin für die letzten 1300 Verse die Handlung verlässt, was dafür spricht, dass dieser Text dem Fragment in einem Codex vorausgegangen sein könnte. Die Erläuterung Kaedins als ‚Verschämter‘ deutet, wie bereits erwähnt, auf die Zauberkissenepisode hin, führt aber weg von den Thomas folgenden Schriften, in denen Scham keine Rolle spielt, hin zu anderen Quellen, etwa Eilharts Tristrant. Diese Zweifel an einer durchgängigen Orientierung an Thomas erweckenden Abweichungen des Fragmentes deuten auf eine Verwandtschaft zu den Gottfriedhandschriften R und S hin.[17] Auffällig ist hierbei, dass keine Übernahme von Schlusselementen Ulrichs von Türheim wie in *RS gegeben ist, sondern vielmehr eine Zurückführung des Schlusses auf Thomas, wie Gottfried verlangt, doch unter Raffung der Ausführungen Thomas' um ein Drittel und Voraussetzung der Kenntnis des Inhalts von Tristan als Mönch. Dies stützt etwa auch die Unbestimmtheit des Ortes und Weglassung Isolde Weißhands bei dem Treffen Tristans und Kaedins nach ersteren Verwundung (bei Thomas findet die Szenerie am Hofe zu Karke mit Isolde Weißhand statt, in Tristan als Mönch beschließt Isolde Weißhand aber nach dem vermeintlichen Tod Tristans fortan zurückgezogen zu leben).[Tomasek 2002]:S.81f.

Eine durchaus schlüssige Argumentation zur Gegenauffassung, die das niederfränkische Tristanfragment als eigenständige Bearbeitung des Thomas-Stoffes herausstellt, lieferte WINKELMANN, wenn auch in Unkenntnis der Aufdeckung des pudibundus-Eintrags durch TOMASEK.[18] Neben einer empfehlenswerten kritischen Übersetzung des evtl. etwas schwerer zugänglichen niederfränkischen Dialektes ins Neuhochdeutsche, bietet er eine aufschlussreiche Gegenüberstellung des Fragmentes und dem Thomas'schen Tristan. Er spricht sich für nicht unwahrscheinliche zeitgenössische Einflüsse einer Arturisierungsstendenz wie auch solche aus Frankreich (etwa im Zusammenhang mit dem Prosa-Tristan) aus.[Winkelmann 1998/2]:S.835f. Beziehungen zum Tristan als Mönch dagegen schließt er wegen des inhaltlich zu großen Abstandes der Todesmotivik aus. Das Fragment fasst WINKELMANN als eine nüchterne Fassung zusammen, "in der das Amourös-Sentimentalische abgeschwächt, das Ehebrecherisch-Sündhafte sanktioniert und das Feudal-Ritterliche herausgearbeitet" werde.[Winkelmann 1998/2]:S.838

Schlussbetrachtung

Die kontroversen Debatten der Forschung machen nur deutlich, dass im vorliegenden Falle des niederfränkischen Tristanfragmentes noch entscheidende Hinweise gefunden werden müssen. Doch könnte bedauerlicherweise ebenso gut auf ewig Dunkel in der Sache bleiben, schlecht genug ist die Überlieferungslage bisher.

So bleiben zwei Lösungsansätze, die beide ihr Für und Wider haben. Interessant sind sie trotzdem und für die Geschichte der Tristanüberlieferung von besonderer Bedeutung. Denn beide Möglichkeiten sprechen für eine einzigartig andersartige weitere Überlieferung des Tristan-Stoffes.
Man könnte es bei dem niederfränkischen Tristanfragment also mit dem Fragment eines Niederfränkischen Tristans zu tun haben, augenscheinlich ganz in der Tradition des Thomas' d'Angleterre. Doch wartet das Fragment mit einigen deutlichen Abweichungen von allen erhaltenen Thomas-Überlieferungen auf. Hier bliebe die Frage, ob diese mit einer als Vorlage benutzten, unbekannten Thomas-Version, die diese Abweichungen schon enthielt, zu erklären wären, oder ob es sich doch um eigenständige Stoffausformungen des Fragmentautors handelt.
Scheinbar genauso gut könnte es sich bei dem Fragment um eine niederfränkische Fortsetzung des Tristan Gottfrieds von Straßburg handeln. Auch hier ließen sich die Abweichungen des Fragmentes damit erklären, dass dem Autor noch weitere Stofftraditionen außer dem Thomas'schen Tristan (und Gottfrieds fragmentgebliebene Übertragung) als Quelle gedient haben könnten, etwa das Episodengedicht Tristan als Mönch.[19]

Welche Möglichkeit nun näherliegender wäre, mag an dieser Stelle nicht zu entscheiden sein.

Anmerkungen

  1. Wogegen noch STEIN dem Fragment recht undifferenziert Niederdeutsch wie auch Ripuarisch zuweist (letzteres anscheinend besonders mit Niederfränkisch gleichsetzend).[Stein 2001]:S.236
  2. Die Forschung variiert bei der Angabe der Verse auch mit "etwa 170" V.[de Smet 1979]:S.151. STEIN nimmt gar 184 Verse für das Fragment an, die er zu den entsprechenden 235 altfranzösischen Versen ins Verhältnis setzt.[Stein 2001]:S.236.
  3. STEIN formuliert die Frage leicht abweichend, um die Unstimmigkeiten des Fragments gegenüber dem Thomas'schen Tristan gleich mit einzubeziehen. Demnach könne es sich um eine Gottfriedfortsetzung mit Thomas als Grundlage handeln "(also das, was man sich überhaupt von jeder Gottfried-Fortsetzung erwarten müßte)", oder um einen Roman mit einer vollständigen Thomas-Fassung als Vorgabe, die von den überlieferten abweicht.[Stein 2001]:S.236.
  4. Im Fragment konsequent Tristant geschrieben.
  5. Der Unterscheidung beider Tristanfiguren halber, soll in diesem Artikel von 'Tristan' & 'Tristan dem Zwerg' die Rede sein.
  6. Die Zitierung der Versangaben im Folgenden richtet sich nach: Johan H. Winkelmann: Zu den Wiener „Tristant”-Fragmenten. In: Ir sult sprechen willekomen. Grenzenlose Mediävistik. Festschrift für Helmut Birkhan zum 60. Geburtstag. Hrsg. von Christa Tuczay / Ulrike Hirhager / Karin Lichtblau. Bern / Berlin / Frankfurt a.M. / New York / Paris / Wien 1998. S. 821-838. Hier S. 822-827. Vgl. auch die dortige Übersetzung WINKELMANNs.
  7. Wie auch WINKELMANN das Fragment noch auf "kurz vor 1240/1250" einordnet.[Winkelmann 1998/2]:S.822. Siehe auch [Tervooren 2006]:S.98.. In etwa übereinstimmend folgt auch BESAMUSCA der Datierung auf "the middle of the thirteenth century".[Besamusca 1986] Siehe aber auch weiter unten BESAMUSCAs stoffgeschichtliche These.
  8. Die Schrift, eine "kleine spitze Textualis auf einfachem Niveau", "ist wohl kaum älter als der Harffer Sachsenspiegel von 1295, aber wohl kaum vor den siebziger Jahren anzusetzen."[Schneider 1987]:S.269.
  9. Eine aufschlussreiche und detaillierte Gegenüberstellung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem niederfränkischen Fragment und dem Tristan des Thomas bietet WINKELMANN.[Winkelmann 1998/2]:S.828-838.
  10. Gemeint sind hier der englische Sir Tristrem sowie die nordische Saga.
  11. Wie es nach STEINHOFF der altfranzösische Prosatristan und das Schwankgedicht Tristan als Mönch beinhalten.[Steinhoff 1987]
  12. "Auch deutet nichts an Stil und Sprache des in Vers und Reim sorgfältigen Dichters auf eine Kenntnis von Gottfrieds Gedicht hin."[de Boor 1997]:S.119.
  13. An welcher auch „in *RS mit Hilfe von Ulrichs von der Türheim Nampotanis-Episode ein Ende angeflickt wurde“.[Tomasek 2002]:S.76.
  14. Wie auch schon DE BOOR diese Möglichkeit einer kombinierten Codifizierung in den Raum stellte, aber auch die der Existenz einer Thomas-Version als Vorlage, die die Totenklage über Tristan beinhalte.[de Boor 1997]:S.119. Vgl. auch die Erwägung STEINs, einer von den überlieferten abweichende Tristan-Version des Thomas [Stein 2001]:S.236.
  15. Da dort „öffentlich Totenklage gehalten (60f.) und Tristans Seele Gott empfohlen wird (56f.)“, was so anscheinend „nur in »Tristan als Mönch« vorliegt“.[Tomasek 2002]:S.77.
  16. Das Fragment „beginnt bei V. 2193 der Thomasfragmente […], Kaedin wird bei Thomas zuletzt genannt in V. 2189“.[Tomasek 2002]:S.79, Anm. 18.
  17. So durch den szenisch eingeschränkten Endteil eines Tristans, der „einen Kenner, wie den Glossator, dazu animierte, eigenes Wissen über die Figuren einzubringen“, und „der die Handlung mit dem Liebestod abschloß, aber darauf verzichtete, die Rückkehrabenteuer im einzelnen zu bieten“[Tomasek 2002]:S.81.
  18. Doch ist dies auch das Schlüsselelement, auf welches sich TOMASEKs Argumentation hauptsächlich stützt.
  19. Da Tristan als Mönch, ebenso wie das niederfränkische Tristan-Fragment nicht genau, oder scheinbar noch schwieriger, zu datieren ist, evtl. sogar älter als der Tristan Gottfrieds sein könnte, ergäbe sich auch für ersteren Fall eines Niederfränkischen Tristan losgelöst von Gottfrieds Tristan, die Möglichkeit, dass der Autor des Fragmentes eine Übertragung des Thomas'schen Tristans unter Kenntnis von Tristan als Mönch anfertigte. Zur Problematik um Tristan als Mönch s. der dazugehörige Hauptartikel.

Literaturangaben

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