Baumgartenszene (Gottfried von Straßburg, Tristan)

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der List in der Baumgartenszene. Merlot und Marke führen ihre List gegen Isolde und Tristan aus, welche ebenfalls mit einer List antworten. Die Szene erstreckt sich von V. 14583- bis 15046 und gehört zu einer Reihe von Szenen, die die Thematik der List und Gegenlist behandeln.

Markes und Melots List

Die Szenerie, die sich im Baumgarten vollzieht, beruht auf einigen vorhergehenden Geschehnissen. König Marke ist bereits äußerst argwöhnisch, was die enge Bindung seiner Frau und seines Neffen angeht. Aus diesem Grund spinnt er eine Intrige, die zum Ziel den Beweis eines Liebesverhältnisses Tristans und Isoldes hat. Aus diesem Grund ist Marke mit einiger Gefolgschaft in den Wald zur Jagd geritten, um das Paar dazu zu verleiten, unvorsichtiger zu agieren. Er beauftragt den Zwerg Melot mit der Beschattung der Verdächtigten. Dieser kann am Abend im Garten des Hofes Tristan in vertrauter Atmosphäre mit einer Frau erspähen, erkennt jedoch nicht deren Identität. Am nächsten Tag versucht er, Tristan das Geständnis und Isoldes Namen zu entlocken, indem er behauptet, von ihr geschickt worden zu sein, um ein neuerliches Treffen zu verabreden. Tristan durchschaut das durchtriebene Spiel und jagt den Zwerg grob davon. Durch dieses Verhalten bestätigt, entfernt sich Melot.

Die Baumgartenszene beginnt damit, dass Melot zu Marke in den Wald reitet und ihn über die vergangenen Geschehnisse an der Quelle aufklärt. Melot überzeugt Marke, noch am selben Abend zur Quelle zu gehen, um sich selbst davon zu überzeugen, dass die Gerüchte um eine heimliche Liebe zwischen Isolde und Tristan stimmen. Marke und Melot finden kein Versteck und klettern letztlich auf einen Ölbaum nahe der Quelle, von wo aus sie das Geschehen gut beobachten können. Als die Nacht anbricht, erscheint Tristan und schickt seine Boten die Quelle hinunter, um Isolde über seine Anwesenheit zu informieren. Nach einiger Zeit bemerkt Tristan im Schatten des Baumes die Umrisse zweier Personen und erkennt, dass er in eine Falle geraten ist. Tristan bittet Gott, Isolde vor diesem Hinterhalt zu schützen.
Nahezu gleichzeitig gehen Isolde und Brangäne in den Garten und warten auf die Nachricht von Tristan. Nachdem Brangäne die Boten gefunden hat, macht sich Isolde auf den Weg zum Ölbaum. Tristan bittet Brangäne um Rat (ol),Tristan legt die Späne in den Bach (or),Der Zwerg Melot beobachtet Tristan und Isolde im Ölbaumgarten (m), Melot holt Marke in den Ölbaumgarten (ul), Marke und Melot belauschen Tristan und Isolde (ur)


Isoldes List

Als sie Tristan stillstehend dort anfindet, wundert sie sich, da er ihr an anderen Tagen immer entgegen gekommen ist. Isolde bemerkt während sie auf Tristan zugeht die Umrisse zweier Gestalten im Schatten des Baumes und erkennt ebenfalls, dass sie in eine Falle geraten ist. Nun spricht Isolde zu Gott und bittet ihn darum, dass ihnen nichts passieren möge.
Isolde ermahnt Tristan, dass es unhöflich sei, sie zu so später Stunde zu einer Unterredung holen zu lassen und ihr solche Heimlichkeiten zuzumuten. Sie betont, dass sie lieber einen Finger ihrer Hand verlieren würde, als mit ihm gesehen zu werden. Sie schämt sich der Gerüchte über die beiden und glaubt, dass wenn man sie beide hier reden sehen würde, diese Gerüchte bestätigt wären. Sie bekennt zu Gott, dass sie keinen anderen Mann liebt, als den, dem sie ihre erste Blüte ihrer Jungfräulichkeit geschenkt hat. "und gihe's zu gote,daz ich nie
ze keinem manne muot gewan
und hiute und iemer alle man
vor mînem herzen sint verspart
niwan der eine, dem dâ wart
der êrste rôsebluome von mînem magetuome.
(V. 14760 ff.)

Tristans Beitrag

Tristan antwortet, dass die Gerüchte um ihn und Isolde nicht stimmen. Isolde soll Marke seinen Zorn nehmen, für eine Woche, sodass er seine Abreise vom Hofe vorbereiten und das Land verlassen kann. Isolde erwidert darauf, dass sie ihren König nie um etwas bitten würde, dass ihm oder seinem Reich schaden könne. Sie betont, wie schlecht sie beide dastünden und sagt, Gott möge es bei Zeiten ändern. Sie erbittet, dass sie nun gehen dürfe, ihrem Mann seine Bitte jedoch vortragen würde.
Tristan und Isolde verlassen den Ölbaum an der Quelle.

Markes Zorn

Marke bereut jeden Verdacht, den er gegen seinen Neffen und Isolde hegte und verwünscht all jene, die ihn dazu angestiftet haben. Melot und Marke reiten zur Jagd zurück. Am nächsten Tag kehrt Marke alleine zum Hofe zurück und fragt Isolde, wie es ihr ergangen sei und wie es Tristan ginge. Isolde wiederholt alles, was Tristan ihr am Abend zuvor gesagt hat. Marke achtet genau darauf, was sie sagt, obwohl er es selbst am Abend zuvor hörte. Marke beschließt, dass Isolde nun darüber entscheiden soll, wie es mit dem Streit zwischen Marke und Tristan künftig weitergehen soll. Sie weist dies jedoch von sich, da es sie zu sehr belasten würde. Marke schwört darauf, dass er allen Gram gegen Tristan beilegen will. Es soll nach Tristan gerufen werden und der Streit wird augenblicklich beigelegt. Von nun an ist Isolde wieder der Obhut Tristans unterstellt. Isolde und Tristan können vorläufig wieder gemeinsam glücklich leben.