Zentrale Textstellen und Themen (Proseminar "Die mittelhochdeutschen Bearbeitungen der Tristansage"): Unterschied zwischen den Versionen

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= Eilhart von Oberg - Tristrant und Isalde =
 
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== Inszenierte Mündlichkeit ==
 
== Inszenierte Mündlichkeit ==

Aktuelle Version vom 1. Juli 2020, 09:40 Uhr

Hauptartikel: Die mittelhochdeutsche Bearbeitung der Tristansage

Eilhart von Oberg - Tristrant und Isalde

Inszenierte Mündlichkeit

"raut nun, wie mag daß geschehen?
wie wirt in deß laideß buoß?
ich wen, Brangenen muoß
sie ze samen bringen"
(V. 3424-3427)

"Trÿstrand der held bald
was zuo Kurnewal komen
– ob ich recht hab vernommen -
und fuor haim in sin land."
(V. 8083-8086)

Der fiktive Erzähler spricht direkt sein (zuhörendes) Publikum an, eine Erzählsituation wird bemerkbar.
Durch Fragen wie "raut nun, wie mag daß geschehen?" spielt dieser mit dem Publikum, bezieht sie in die Situation mit ein (spielmännischer Charakter).

Die Brautwerbung

Die Brautwerbung in „Tristrant und Isalde“ erfolgt auf keine gewöhnliche Art. Im Grunde genommen geht es um König Marke und seine Brautwerbung, in die Tristrant jedoch verwickelt wird und so schlussendlich den Weg seines Schicksals beschreitet. Ob Tristan durch sein Stören der Beziehung von Isalde und Marke die Schuld auf sich lädt oder ob Marke, indem er Tristan auserwählt ihm zu helfen, in gewisser Weise eine Mitschuld trägt, ist schwer zu sagen. Es lässt sich nicht leicht beurteilen, ob einer der beiden im Recht ist, da es eine Menge Faktoren zu berücksichtigen gibt.

Den Ausgangspunkt der Brautwerbung stellt das Drängen der Vasallen und Verwandten des Königs dar. Sie beginnt mit dem Vers 1434. Marke bittet um Bedenkzeit – wollte er doch niemals heiraten und sucht nach einem Weg, wie er das umsetzen kann, ohne die anderen zu verärgern. Der folgende Ausschnitt aus dem Tristrant zitiert die sogenannte Schwalbenepisode, der die Brautwerbung wie beschrieben einleitet.

"do eß kam, daß er kùnden sölt,
waß sin will wär,
do satzt sich der kùng mer
in den sal allain.
sin sorg waß nicht clain,
wie er eß so erdächt,
daß er die Herren brächt
von der red fuoglich.
do schwuor er in wärlich
uff sin selbß lib,
er näm kain wib.

zuohand begunden schwalben zwo
sich bissen in dem sal nun,
die zuo aim fenster in flugen.
zuo ainem fenster sie in zugen.
deß wart der herr gewar.
do empfiel in ain har.
merck recht, eß ist war,
er sach ernstlich dar.

Eß waß schön und langk.
do nam der kùng den gedanck,
daß er wolt schowen.
eß waß von ainer frowen
do sprach er selber wider sich:
'hie mit will ich weren mich:
der will ich zuo wib begern.
sie mùgend mich ir nit gewern."

Der betrübte König Marke sinnt über eine Lösung seines Problems nach, als zwei Schwalben in sein Zimmer fliegen und ein langes schönes Haar mit sich bringen. Der König entschließt sich daraufhin, er werde die Frau ehelichen, der dieses Haar gehörte. So denkt er, kann er die Hochzeit mindestens aufschieben, wenn die Edeldame überhaupt gefunden werden kann. Um sie zu finden, bittet er Tristan, diese fremde Frau für ihn zu suchen.

"ich uch die vrouwe echt lip,
da ir abe hat gesait,
sie sÿ wib oder maid,
ich gewinn sin fromen oder schaden,
nun haist mir ain schiff laden,
mit dem daß ich bedarff dar zu°:
durch úwern will ich eß tu°
und will sie ferr su°chen,
ob eß got will geru°chen,
daß ich sie vinde etwar." (V. 1517-1527)

Marke überträgt damit seine Brautwerbung auf Tristan. Dieser macht sich auf den Weg nach Irland (vgl. V. 1574ff.). Um dem Zorn des dortigen Königs zu entkommen, tötet er den Drachen, der die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt und der eine große Gefahr für das Königreich darstellt. Wer dieses Ungeheuer töten kann, der bekommt die Tochter des Königs Isalde zur Frau.

"do kam ain man gegangen,
der sagt Trÿstanden
von einem serpenten,
der wu°st. das rich,
und sprach werlich,
wer den bestünd,
ob im daß got gúnd,
daß er den sig näm,
deß kúngß huld im so käm,
daß er im gäb die tochter sin.
[...]
und ouch durch den willen,
ob er möchte den zorn stillen
und möchte so genesen." (V. 1676-1694)

Tristrant besiegt den „tracken, der waß gro°ß.“ (V. 1746). Er hat sich damit das Recht erkämpft, Isalde zu ehelichen. Da er aber im Auftrag König Markes nach Irland gekommen ist, bittet er den irischen König, dass an seiner Stelle König Marke die Edelfrau heiraten darf. Er identifiziert nämlich ihr Haar als das gesuchte, welches die Schwalben dem König gebracht haben. Der Held verspricht aber die „junckfro lin“ (V. 2454) zu seinem König zu bringen (vgl. V. 2341ff). Während der Rückfahrt trinken Tristrant und Isalde zusammen den Minnetrank, der sie untrennbar aneinander bindet. Sie fühlen nur noch die „minne“ (V. 2464), welche sie plötzlich zueinander hegen (vgl. V.2464f.) Die beiden Liebenden können nichts dagegen tun: „daß macht alleß der tranck“ (V. 2478). Tristrant und Isalde müssen zusammen sein und wenn sie für längere Zeit getrennt wären, würden sie beide sterben.

"sie mu sten baide wesen tod.
der tranck waß so getemperot." (V.2405f)

In diesem Sinne war der Vertrauensbruch gegenüber Marke unfreiwillig, denn der Trank zwang sie dazu. Marke heiratet Isalde, wenn auch die Hochzeit nicht vollzogen wird, da Brangene sich in der ersten Nacht zu dem unwissenden König legt.

"daß sú eß ir ui liebe tätte
und bÿ dem kúng läge
umd mit im so pfläge
der minn die ersten nacht." (V. 2847fff)

Marke glaubt an die Liebe von Isolde zu ihm, ahnt aber nichts von der Verbindung zwischen Tristrant und Isalde. Dass diese sich heimlich treffen, da es der Trank von ihnen verlangt, ist natürlich ein Verbrechen. Sie können jedoch nicht anders, denn sie würden, wie bereits erwähnt, an den Folgen des Liebesentzugs sterben. Die Brautwerbung, die Tristrant in König Markes Auftrag also unternimmt, endet einerseits erfolgreich, andererseits in einer Katastrophe. Tristrant schafft es, die Frau zu finden, der die Haarsträhne gehört. Er schafft es auch, den Drachen zu töten und so das Recht zu erhalten, diese Frau zu heiraten. Schlussendlich ist er erfolgreich, weil er die Auserwählte an den Hof König Markes bringt und so seinen Auftrag erfüllt.
Andererseits trinkt er zusammen mit der Verlobten seines Königs unwissentlich den Liebestrank, der beide aneinander kettet. Dies geschieht unbeabsichtigt, denn die Loyalität Tristrans gegenüber seinem Herrscher, bleibt ungebrochen. Statt mit Isolde zu fliehen und sich ganz der Minne hinzugeben, bringt er sie zu König Marke.

Konzeption der Minne

Der Minnetrank

Isaldes Mutter vertraut Brangene einen Liebestrank an, den Isalde und Marke in ihrer Brautnacht trinken sollen. Stattdessen trinken diesen Trank aber versehentlich Isalde und Tristrant - mit schwerwiegenden Folgen:

"welch wib und man
deß truncken baiden,
sy mochten sich nit me schaiden
in vier jauren."
(V. 2386-2389)

"daß macht ouch der tranck,
daß ÿeglichß ward siech und kranck,
ob sie wavren ain wochen
von ain ander ungesprochen,
sie muosten baide wesen tod."
(V. 2402-2405)

"er tranck in aun schwär.
do ducht in guot der win.
do gab er ouch der frowen sin.
also schier sie ouch getranck,
do ducht sie sunder danck,
sie verlúren baid ir sinne,
oder sie müsten ain ander minne."
(V. 2460- 2466)

"so grouß ward daß minnen
zwùschen in oun iren danck:
daß macht alleß der tranck"
(V. 2476-2478)

Der Minnetrank prägt die Doppelthematik des Stoffes (Heldentum und Liebe). Er skizziert nämlich den Konflikt zwischen Ehe und Liebe. Eilharts Tristrant wird also von der durch den Trank gegebenen Wirksamkeit strukturell bestimmt. Zunächst benutzt der Erzähler die Wirkung des Liebestrankes als Begründung für Tristrants (unüberlegtes) Handeln.

"doch hab wir wol vernomen,
daß eß von dem tranck kam.
er waß sunst ain wyser man:
er het eß wol gelaussen."
(V. 4058-4061)

In Eilharts Version lässt die Wirkung des Trankes jedoch mit der Zeit nach - nämlich nach der Waldepisode:

"biß deß tranckß craft vergie."
(V. 4939)

Mit dem Vergehen der Wirkung des Trankes, geht die "entlastende Funktion der Trankwirkung"[1] verloren. Im zweiten Teil des Textes ist die Wirkung entsprechend selten als Rechtfertigung für das Handeln Tristrants angeführt. Am Ende taucht das Motiv des Minnetrankes jedoch wieder auf:

"[...] einerseits um die Liebenden vor Marke zu entlasten, andererseits um für das Wunder von Weinstock und Rosenstock eine Erklärung zu finden[.]"[1]

Erzählräume

Die Isolde-Gestalten

1.)
"deß kúngeß tochter waß sú Ysald genant.
sú waß gar ser wÿt erkannt
und waß ain junckfrow herr."
(V. 997-999)

Kehenis vergleicht seine Schwester Isalde II mit Isalde I, und sagt über Isalde I:
"eß ward nie schoner wib.
ja, laider miner schwester lib
mag sich ir nit gelichen"
(V. 6777-6779)

Episodizität und Doppelung

Textausgabe

  1. 1,0 1,1 Vgl. Einleitung zu Eilhart von Oberg: Tristrant und Isalde, in: Danielle Buschinger und Wolfgang Spiewok (Hgg.), Greifswalder Beiträge zum Mittelalter 27, Greifswald 1993, S. XVIII.