Vater und Sohn im Parzival: Unterschied zwischen den Versionen

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Parzival wächst ebenfalls ohne seinen Vater auf. Gahmuret kann an Parzivals Leben und seiner Erziehung nicht teilnehmen, da er vor seiner Geburt im Kampf getötet wurde. Da Parzivals Mutter [[Herzeloyde]] den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann, überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Ihre Angst um ihn ist derart groß, dass sie alles daran setzt dass er kein Ritter wird, wie es bereits sein Vater war. Ihre Sorge ist die einer liebenden Mutter, allerdings ist ihre Angst ebenfalls von ihrem Wissen um ihren eigenen Tod im Falle der Abreise Parzivals bestimmt. Sie weiß also die ganze Zeit, dass Parzival nicht nur ein Leben ohne Vater würde führen müssen, sondern auch, im Falle ihres Versagens (Parzivals Abreise), auch ohne Mutter.<ref>Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dieser Thematik: [[Herzeloydes Traum]]</ref>  
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Parzival wächst ebenfalls ohne seinen Vater auf. Gahmuret kann an Parzivals Leben und seiner Erziehung nicht teilnehmen, da er vor seiner Geburt im Kampf getötet wurde. Da Parzivals Mutter [[Herzeloyde]] den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann, überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Ihre Angst um ihn ist derart groß, dass sie alles daran setzt dass er kein Ritter wird, wie es bereits sein Vater war. Ihre Sorge ist die einer liebenden Mutter, allerdings ist ihre Angst ebenfalls von ihrem Wissen um ihren eigenen Tod im Falle der Abreise Parzivals bestimmt. Sie weiß also die ganze Zeit, dass Parzival nicht nur ein Leben ohne Vater würde führen müssen, sondern auch, im Falle ihres Versagens (Parzivals Abreise), auch eines ohne Mutter.<ref>Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dieser Thematik: [[Herzeloydes Traum]]</ref> Diese Angst wird in der folgenden Textstelle im Original  wie folg beschreiben:
  
 
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Parzival wird also von seiner Mutter erzogen, die ihm vorenthält, dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters, eines Onkels oder eines anderen Mannes. Durch die Abwesenheit der Vaterfigur für Parzival und des Ehemannes für Herzeloyde versucht diese um jeden Preis zu vermeiden, dass Parzival dasselbe Schicksal ereilt wie schon zuvor seinen Vater. Herzeloyde möchte ihren Sohn vor dem ritterlichen und höfischen Einfluss schützen. Um ihr Vorhaben umzusetzen ergreift sie drastische Maßnamen. Sie zwingt ihn sogar torenhafte Kleidung zu tragen damit er verspottet würde und verbietet jegliche Rede über [[das Rittertum]] und Parzivals eigentliche Bestimmung:  
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Parzival wird also von seiner Mutter erzogen, die ihm vorenthält, dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters, eines Onkels oder eines anderen Mannes. Durch die Abwesenheit der Vaterfigur für Parzival und des Ehemannes für Herzeloyde versucht diese um jeden Preis zu vermeiden, dass Parzival dasselbe Schicksal ereilt wie schon zuvor seinen Vater. Herzeloyde möchte ihren Sohn vor dem ritterlichen und höfischen Einfluss schützen. Um ihr Vorhaben umzusetzen, ergreift sie drastische Maßnamen. Sie zwingt ihn sogar torenhafte Kleidung zu tragen, damit er verspottet würde und verbietet jegliche Rede über [[das Rittertum]] und Parzivals eigentliche Bestimmung:  
 
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Version vom 14. Juli 2015, 20:38 Uhr

Vater-Sohn-Strukturen im Parzival

Dieser Artikel untersucht die komplexen Vater-Sohn-Beziehungen im Parzival. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Vater-Sohn-Struktur zwischen Parzival selbst und seinem Vater Gahmuret, wobei kritisiert werden muss, ob man diese Struktur überhaupt als existente Vater-Sohn-Beziehung im klassischen Sinne bezeichnen kann. Wachinger stellt das negative Vater-Sohn-Verhältnis im Parzival dem positiven Mutter-Sohn-Verhältnis gegenüber und zeigt grundlegende Gegensätze auf. [Wachinger 2000]:vgl. 1081 Für die negative Vater-Sohn-Bindung nennt er Gahmuret und Feirefiz (belastete Beziehung) und Artus und Gurnemanz (Söhne früh verloren) sowie Parzival, welcher ganz ohne Vater aufwächst.
Dieser Artikel betrachtet auch die Beziehung zwischen Parzvials älterem Halbbruder Feirefiz (weiterer Sohn Gahmurets) und dem gemeinsamen Vater. Von großer Relevanz sind auch die eventuellen Parallelen zwischen den beiden genannten Beziehungen. Des Weiteren soll behandelt werden, welche Auswirkungen die ungewöhnliche Beziehung zu seinem Vater auf Parzival hat.

Gahmuret und Feirefiz

Feirefiz ist Gahmurets erster Sohn, der aus der Beziehung mit Königin Belakane entstand und somit Parzivals älterer Halbbruder ist. Feirefiz findet in Wolfram von Eschenbachs Parzival am Anfang und am Ende der Geschichte Erwähnung. Er wird geboren, als Gahmuret Belakane schon verlassen hat. Diese ist über den Verlust ihrer Liebe untröstlich. Dennoch liebt sie ihren gemeinsamen Sohn, selbst seine fleckige Haut wird von ihr als ein Wunder Gottes verstanden. Im Roman heisst es dazu:

Original 57, 15-22 Übersetzung
diu frouwe an rehter zît genas

eins suns, der zweier varwe was,

an dem got wunders wart enein:

wîz und swarzer varwe er schein.

diu küngîn kust in sunder twâl

vil dicke an sîniu blanken mal.

diu muoter hiez ir kindelîn

Feirefîz Anschevîn.

Als die rechte Zeit gekommen war, da

brachte die Dame einen Sohn zur Welt,

der war von zweierlei Farbe; an ihm

wollte Gott ein Wunder wirken: Weiß

schien seine Haut und schwarz. Die

Königin küßte ihn sogleich sehr oft auf

seine weißen Male. Die Mutter nannte

ihr Kindelein Feirefîz und Anschevîn.

Gahmuret befindet sich zu diesem Zeitpunkt wie bereits erwähnt nicht mehr bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn, sondern ist auf der Suche nach neuen Abenteuern. Feirefiz lernt seinen Vater also nicht kennen. Tatsächlich ist Gahmuret nicht nur bei Feirefiz’ Geburt abwesend, sondern dessen gesamtes Leben lang. Seinen Vater lernt Feirefiz nie kennen und lebt somit ein Leben ohne Vaterfigur und wird folglich nur von seiner Mutter Belakane erzogen.

Gahmuret und Parzival

Parzival wächst ebenfalls ohne seinen Vater auf. Gahmuret kann an Parzivals Leben und seiner Erziehung nicht teilnehmen, da er vor seiner Geburt im Kampf getötet wurde. Da Parzivals Mutter Herzeloyde den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann, überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Ihre Angst um ihn ist derart groß, dass sie alles daran setzt dass er kein Ritter wird, wie es bereits sein Vater war. Ihre Sorge ist die einer liebenden Mutter, allerdings ist ihre Angst ebenfalls von ihrem Wissen um ihren eigenen Tod im Falle der Abreise Parzivals bestimmt. Sie weiß also die ganze Zeit, dass Parzival nicht nur ein Leben ohne Vater würde führen müssen, sondern auch, im Falle ihres Versagens (Parzivals Abreise), auch eines ohne Mutter.[1] Diese Angst wird in der folgenden Textstelle im Original wie folg beschreiben:

Original 112, 28-30 Übersetzung
er wart mit swerten sît ein smit,

vil fiwers er von helmen sluoc:

sîn herze manliîch ellen truoc.

Später sollte er Schmied mit Schwertern

werden, der viel Feuer aus den Helmen schlug.

In seinem Herzen trug er eines rechten Mannes Kraft.

Parzival wird also von seiner Mutter erzogen, die ihm vorenthält, dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters, eines Onkels oder eines anderen Mannes. Durch die Abwesenheit der Vaterfigur für Parzival und des Ehemannes für Herzeloyde versucht diese um jeden Preis zu vermeiden, dass Parzival dasselbe Schicksal ereilt wie schon zuvor seinen Vater. Herzeloyde möchte ihren Sohn vor dem ritterlichen und höfischen Einfluss schützen. Um ihr Vorhaben umzusetzen, ergreift sie drastische Maßnamen. Sie zwingt ihn sogar torenhafte Kleidung zu tragen, damit er verspottet würde und verbietet jegliche Rede über das Rittertum und Parzivals eigentliche Bestimmung:

Original 117, 21-28 Übersetzung
ez wære man oder wîp,

den gebôt si allen an den lîp,

daz se immer ritters wurden lût.

‘wan friesche daz mîns herzen trût,

welch ritters leben wære,

daz wurde mir vil swære.

nu habt iuch an der witze kraft,

und helt in alle rîterschaft.’


und zwar die Männer wie die Frauen.

Und sie verbot da allen bei Todesstrafe,

von Rittertum und Rittern auch nur einen

Ton zu sprechen. “Denn wenn mein lieb-

ster Schatz erführe, was es mit dem ritter-

lichen Leben auf sich hat, so wäre das ein

großes Unglück für mich. Drum seid ver-

nünftig und haltet vor ihm alles geheim,

was mit Ritterschaft zu tun hat. ”

All diese schützenden Versuche der Mutter scheitern allerdings. Das Ritter-Sein scheint für ihren Sohn vorbestimmt, denn Parzival findet auch ohne die direkte Hilfe oder den unmittelbaren Einfluss seines Vaters zu seiner Bestimmung und wird schließlich Ritter und erfährt die notwendige Erziehung.

Parallelen

Die beiden ohne Vater aufgewachsenen Brüder weisen Parallelen in ihrem Werdegang auf. Wie bereits beschrieben wird Parzival Ritter, genauso wie sein Halbbruder, der gescheckte Feirefiz. Im Gegensatz zu Feirefiz, der sich auf der Suche nach seinem Vater Gahmuret befindet, ist Parzival auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Die Brüder unterscheiden sich jedoch nicht nur in ihrem Verhalten und auf ihrem Weg, sie weisen auch weitere zahlreiche Parallelen auf. Dieser Abschnitt wird eine Auswahl dieser Parallelen untersuchen.

Original Übersetzung
muoter, ich ach vier man

noch liehter danne got getân:

die sagten mir von ritterschaft.

Artûs küneclîchiu kraft

sol mich nâch rîters êren

an schildes ambet kêren.

Mutter, ich habe vier Männer getroffen,

die sahen noch lichter aus als Gott.

Die erzählten mir von Ritterschaft.

Des Artûs königliche Kraft

soll mich in ritterliche Ehren und

zum Schildamt bringen.

Parzival

  • Große Auffälligkeiten in den nicht existierenden Vater/Sohn Beziehungen, Gahmuret pflegt keinen Kontakt zu seinen Söhnen.

Auswirkungen auf Parzival

Die Vaterlosigkeit Parzivals wirkt sich enorm auf seine Persönlichkeit, seinen Werdegang und seine Erziehung aus. Laut Bumke begeht Herzeloyde jeden möglichen Fehler in ihrer Erziehung von Parzival. Sie versucht ihn zu beschützen, scheitert und stirbt letztendlich sogar, wie von ihr selbst in ihrem Traum vorhergesehen, bei Parzivals Abreise. Vom Erzähler werden all die von Herzeloyde unternommenen Maßnamen als Ausdruck mütterlicher Liebe gewertet. Parzival selbst steht unter einem enormen Einfluss seiner Mutter, selbst als sie schon tot ist, beziehungsweise gerade dann. Wenn er nicht weiter weiß denkt er zurück an seine Mutter und fragt sich, was sie ihm zu tun geraten hätte.[Bumke 2004]:55-56 Obwohl er in Gedanken seine Mutter konsultiert, ist er ein junger Mann der versucht seine Entscheidungen reflektiert und überlegt zu treffen. Seine Vaterlosigkeit hat ihm also in diesem Punkt nicht geschadet. Von seiner Mutter hat Parzival gelernt, sensibel zu sein. Dies ist eine Eigenschaft, die ihm häufig von Vorteil ist. Ob eine Erziehung mit Vaterfigur etwas an dieser Sensibilität und dem Willen zu reflektieren geändert hätte, kann nur spekuliert werden.[2] Als Parzival seine neue Rolle als Roter Ritter antritt ist er sehr unerfahren. Er schafft es nicht einmal, sich alleine die Rüstung anzuziehen obwohl er so hart um diesen Moment gekämpft hatte. Hätte er einen Vater an seiner Seite gehabt um ihn in den wichtigsten Grundlagen des Rittertums zu unterrichten, wäre er nicht auf einen Knappen angewiesen gewesen.


Anmerkungen

  1. Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dieser Thematik: Herzeloydes Traum
  2. Für weitere Informationen zu diesem Thema siehe auch: Parzival als Held ohne Vater


Literaturnachweise

Textausgabe

Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der 'Parzival'-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.

Sekundärliteratur

[Bumke 2004] ^ Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004.
[Schmid 1993] Schmid, Elisabeth. Parzival. In: Interpretationen: Mittelhochdeutsche Romane Und Heldenepen. Brunner, Horst, ed. Stuttgart: Reclam, 1993.
[Wachinger 2000] ^ Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem 'Verfasserlexikon'. Berlin 2000.